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V.A. - "The Ultimate Jazz Archive"

Eigentlich sollte man irgendwann genug Jazz CDs haben, sollte man meinen. Nun, vielleicht auch nicht ... Da man aber meist den ein oder anderen Klassiker sowieso schon im Schrank stehen hat, braucht es gute Argumente, warum man einen Boliden wie die hier vorgestellte Sammlung ins Regal wuchten möchte, die fast einen dreiviertel Regalmeter Platz benötigt. Was ist also das Besondere an dieser "ultimativen" Zusammenstellung?

V.A. - "The Ultimate Jazz Archive"

"Besonders" ist natürlich zunächst der Umfang von 168 CDs den die Zusammenstellung durch Membran Music besitzt; jeweils in Viererboxen verpackt (davon also 41), was zusammen knapp über 5 kg auf die Waage bzw. ins Regal bringt. Hinzu kommt ein erläuterndes, 360 Seiten umfassendes Begleitbuch; die Informationen bei den CDs selbst sind dagegen spärlich, das Coverdesign relativ konservativ. Insgesamt wirkt die Aufmachung aber keineswegs billig und wäre unter dem Weihnachtsbaum ein echter Bringer. Schauen wir also mal rein.

Das Jazzarchiv umfasst Musik von den Anfängen des Jazz (etwa 1917; hier mit der Original Dixieland Jazz Band) bis zur klassischen Blüte des Modern Jazz der 50er Jahre. In Sparten wie "Classic Jazz, Dixieland, Ragtime", "Blues", "Boogie Woogie", "Big Bands", "Swing to Bebop - Modern Jazz" und schließlich "Vocalists" unterteilt, widmet sich die Sammlung jedem Interpreten mit jeweils einer CD. Fast alle wichtigen Namen sind vertreten (sie hier aufzuzählen, wäre müßig). Ob es angemessen ist, den unbekannten Größen gleichen Raum wie den Altmeistern einzuräumen, ist natürlich zu diskutieren - im Sinne eines Archivs, das einen möglichst vollständigen chronologischen Abriss geben möchte, ist es allemal. Schön: bei jedem Stück ist Aufnahmetag und Besetzung angegeben.

Das Repertoire ist also über alle Zweifel erhaben. Kommt die Frage, wie es klingt. Hier wird es interessant - die Musik ist zum Teil nur auf Schellack- oder Vinylplatten überliefert, Masterbänder fehlen oder sind verschollen. Für die CDs wurden die vorhandenen Aufnahmen digital aufbereitet, im Hinblick darauf, einen "möglichst warmen, analogen Sound" zu erzielen. Das ist auch gelungen, wie der 1 zu 1 Vergleich mit alternativen Veröffentlichungen von gleichen Sessions im Rahmen der "Jazz Reference" (Dreyfus Records) beweist: Dreyfus (ebenfalls remastert) hält sich dichter am zeitgenösischen, eher blechernen Sound und lässt mehr Rauschen zu, die Membran-Variante klingt in der Tat wärmer, runder und rauscht weniger.

Ausdrücklich muss gesagt werden, dass beides etwas für sich hat und eher eine Geschmacksfrage darstellt. Bei technisch problematischerem Material, wie den extrem dynamischen Vibraphonklängen des Modern Jazz Quartetts (schon bei der Originalaufnahme leicht verzerrt) ist durch die Arbeit der Kompressoren und Denoiser ein leichtes Pumpen wahrnehmbar - sofern man auf so etwas achtet. Ansonsten klingen beispielsweise die Vokalisten so frisch und plastisch, wie man es sich nur wünschen kann.

In der Sammlung stößt man dann immer wieder auf bekannte Stücke und Interpreten, es gibt aber auch (je nach Kenntnisstand) viel Neuland und allerhand spannende Entdeckungen. Prima. Zieht womöglich den Erwerb weiterer Aufnahmen einiger der vertretenen Künstler nach sich - sofern man sich nach einer Woche Nonstophören durch die 168 CDs durchgearbeitet hat (und sich dann noch erinnern kann). Eine Aussage in Verbindung mit der Box stimmt jedoch mit Sicherheit nicht: "You'll never need another jazz box!" - Natürlich tun wir das! Es gibt ja noch viel Terrain zwischen 1955 und 2005 abzudecken. Das reicht bestimmt für weitere 168 CDs. Nicht wahr?

Frank Bongers

Box mit 168 CDs: V.A. - "The Ultimate Jazz Archive"
(Membran Music)

Membran Music im Internet: www.membran.net

Cover: n.n.

© jazzdimensions2005
erschienen: 12.11.2005
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