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Susan Weinert – "Running Out of Time"

Jazz-Funk mit sphärischen Elementen: 'Running Out Of Time' heißt das jüngste Werk der Musikerin Susan Weinert. Nach sechs rein instrumentalen Alben veröffentlicht sie nun Kompositionen, bei denen der Gesang zur Wirkung kommt.

Susan Weinert – "Running Out of Time"

Für die Musikerin, die als Gastsolistin etwa bei einer so erfolgreichen Formation wie 'Steps Ahead' mitgewirkt hat, stand die Arbeit mit Martin Weinert (b) und Hardy Fischötter (dr) immer im Vordergrund. Sie versteht es, sowohl an ihren Instrumenten – vor allem Gitarre (ac./el.), daneben Effektgerät und Keyboard – als auch als Komponistin durch Professionalität und Engagement zu überzeugen. In 'Running Out Of Time' hat jetzt ihr Trio mit dem Sänger und Texter Francesco Cottone zusammengearbeitet. Die Musik ist in der Fläche von rhythmisch anspruchsvoll durchsetzen Funk-Phrasen getragen.

Diese Seite wird vor allem von einer häufig staccatohaften Begleitgitarre, sphärischen Effekten, Drum und Bass bedient. Demgegenüber steht im Zentrum der Gesang und dominiert das musikalische Geschehen im Ganzen. Er fällt durch theatralische Kolorierung und Betonung auf, und vermag es, dem Text verständlich Gehör zu verschaffen. Ansonsten paraphrasieren Soli, vor allem der E-Gitarren, den Ablauf. Insgesamt fokussiert sich das Interesse auf die Reibung zwischen Gesang und Gitarre. Problematisch scheint teilweise die rhythmische Engführung beider Ebenen ("Change"). Die so arrangierten Passagen können sich einer künstlichen Gesamtwirkung nicht erwehren.

Diese Einsicht wird dadurch gestärkt, dass die Vokalstimme häufig melodisch willkürlich erscheint. Der mitunter banale Text, 'you can easily spend your whole time searching – just do it' ("Just Do It"), stützt leider einen solchen Eindruck. Andererseits wirkt die instrumentale Arbeit Susan Weinerts oft enorm einfühlsam ("When the Water Bows") und akzentuiert ("They Only Come Out At Night"). In diesem Bereich lassen sich Reichtum an Erfindung und Abwechslung erkennen. Susan Weinert sagt: 'Leider sind wir alle Perfektionisten in der Band und nie zufrieden. Das erleichtert die Arbeit nicht gerade. Es ist die zeitaufwendigste Produktion, die ich je gemacht habe.'

Tatsächlich scheint es auf der Scheibe keinen Ton zu geben, der nicht auch so klingt wie er klingen soll. Möglicherweise ist darauf der konstruierte Charakter der Musik, die passagenweise steif durchkomponiert und ausarrangiert wirkt, zurückzuführen. Und vielleicht hebt sich gerade aus diesem Grund das verträumte Stück "Sooner" besonders positiv ab.

Jan Lautenbach

CD: Susan Weinert – "Running Out of Time" (Touch Tone/edel)

Susan Weinert im Internet: www.susanweinert.com

Cover: N.N.

© jazzdimensions2005
erschienen: 04.03.2005
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