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Lars Duppler - "Palindrome 6tet"

Live/Evil betitelte Miles Davis 1970 eins seiner schillerndsten Alben. Und nur schlimme Besserwisser weisen darauf hin, dass dies Wortspiel zur Gattung der Palindrome gehört. Der Kölner Pianist Lars Duppler nennt seine Band "Palindrome 6tet" und weist damit elegant auf die frappierende Vielseitigkeit seiner Musik hin.

Lars Duppler - "Palindrome 6tet"

Ein Sextet mit drei Bläsern erlaubt den fließenden Wechsel von satten Klangflächen zu druckvoll swingendem Combo-Jazz – und Duppler nutzt diese Möglichkeiten als Komponist voll aus. Im Herbst 2000 hatte er sich nach Paris zurückgezogen, um dort Zeit und Inspiration als Komponist zu finden. Die französische Hauptstadt muss anregend gewirkt haben, denn dort entstanden die ersten Stücke für Sextett und als Lars Duppler nach Köln zurückkehrte, scharte er aus dem Kreativ-Pool der jungen Musiker am Rhein seine Working Band um sich: das "Palindrome 6tet".

Zeitgenössischer Jazz steht auf dem Programm, manchmal getragen von einer lyrischen Transparenz, die Duppler von seinem akademischen Lehrmeister John Taylor übernommen hat, dann wieder vom soulfunkigen E-Piano getrieben, denn mit gerade 28 Jahren kennt Duppler keine Scheuklappen, auch wenn er dezidiert tanzbare Grooves eher als Theatermusiker oder in anderen seiner unterschiedlichen Projekte anzustimmen pflegt. Dass Joachim Kühn zu seinen frühen Klavierlehrern zählte, schlägt sich nicht nur im Verlauf einiger Piano-Soli nieder: Dupplers Kompositionen öffnen die Formensprache des Jazz – lineare Abfolgen von Thema-Solo-Solo-Thema gehören endgültig der Vergangenheit an. Dupplers zeitgemäße Musik orientiert sich am modernen Motto "Form follows Function".

Lars Dupplers "Palindrome 6tet" findet seine Aufgabe eben nicht mehr als Schaufenster solisitscher Tricks. Diese Musik erzählt ganz unakademisch Geschichten – überraschend und vielgestaltig. Ein Glücksfall ist die gut eingespielte Besetzung mit Niels Klein, einem der ausdrucksstärksten jungen Tenoristen in Deutschland, dem prägnanten Frank Sackenheim am Altsaxophon und Stephan Meinberg, der mit Trompete und Flügelhorn impressionistische Bläsersätze abrundet und als Solist eine eigene Stimme behauptet. Dietmar Fuhr am Bass und Schlagzeuger Marcus Rieck lassen aufmerksam und flexibel niemals den Antrieb swingender Beats vermissen – und Lars Duppler schließlich ist ein Pianist, der seine Soli so sauber formuliert wie er vor Ideen übersprudelt.

Tobias Richtsteig

CD: Lars Duppler - "Palindrome 6tet" (Jazzhaus JHM 131)

Lars Duppler im Internet: www.duppler.de

Jazzhaus Music im Internet: www.jazzhaus.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions2005
erschienen: 27.1.2005
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