Lynne Arriale Trio - "Arise"
Die Tatsache, dass Äußerlichkeiten anregender sein können als Musik, hat in den letzten Jahren wohl so einigen weiblichen Jazz-Protagonisten satte Verkaufszahlen beschert. Ein Marketingkonzept, das die US-Amerikanerin Lynne Arriale nicht nötig hat. Sie sieht gut aus, viel auffälliger aber: sie spielt fantastisch Klavier.
Lynne
Arriale Trio - "Arise"
Und das auch auf "Arise" in der altbekannten Besetzung, die einmal mehr den Vergleich mit den "Großen" nicht zu scheuen braucht. Die Interaktion mit Jay Anderson (b) und Steve Davis (dr) verläuft so natürlich und ungezwungen wie bei nur wenigen Pianotrios seit Bill Evans. Sollte man für Arriales virtuoses Spiel einen Vergleich finden, könnte man sagen: ein bisschen wie Monty Alexander, nur noch frischer, ideenreicher.
Arriale zieht das Umspielen von Figuren den endlosen Skalen vor, mal verträumt ("The Fall"), mal rasant wie beim Opener "Frivo", wo schnelle Melodieläufe quer durch alle Oktaven immer wieder zum Thema zurückfinden. Die Hälfte der Stücke stammen aus eigener Feder, der Rest reicht vom Traditional bis zur einen oder anderen Popvorlage wie dem Klassiker "Lean on Me" von Bill Withers.
"Arise" ist bereits das fünfte Album der außergewöhnlichen Jazzpianistin. Und es ist ein Muss für jeden Fan "klassischer" Klaviertrios. Mehr davon!
Johannes Kloth
CD: Lynne Arriale Trio - "Arise" (inandout-records)
Lynne Arriale im Internet: www.lynnearriale.com
In and Out Records im Internet: www.inandout-records.com
Cover: Chimmy Lee