Schwer einzuordnen sind sie, diese Musiker der gegenwärtigen Downtownszene New Yorks. Mika Pohjola ist inzwischen definitiv einer von ihnen. Gemausert hat sich der finnische Pianist und Komponist von einem anfangs eher zaghaften, gleichwohl von Beginn an mit eigenem Stil ans Publikum herantretenden, Musiker zu einem selbstbewußten Repräsentanten der Avantgarde-Szene Manhattans.
Mika Pohjola - "Landmark"
Das Vorgängeralbum zu "Landmark", ein Duoprojekt mit dem Perkussionisten Yusuke Yamamoto darf auch zu Recht unter "freier Improvisation" verbucht werden. Die Musik von "Landmark" hingegen wird in erster Linie bestimmt durch die Vorgaben der stark strukturierten, vielschichtigen Kompositionen Pohjolas. In diesem weiten Raum läßt er aber viel Platz für Improvisation und Experimentelles von Seiten seiner Mitmusiker: Roberto Dani (dr/perc), Fernando Huergo (b), Ben Monder (g), Miguel Zenon (a-sax, flute). Als "Special Guest" glänzt Sängerin Johanna Grüssner.
Pohjola mischt in seinen Stücken Stile wie Rhythmen miteinander - als Bereicherung der "Modern Jazz"-Kulisse fehlt ein Seitenblick auf die Rockmusik genausowenig wie ein mittelalterlich arrangiertes Gesangsstück - "Psalm 549" multipliziert hierfür Grüssners Stimme durch diverse Overdubs. Die Vielfalt und Farbigkeit dieser Platte, und damit auch Pohjolas Imagination als deren Grundlage, scheint unerschöpflich.
Mika Pohjola läßt den Jazz seiner Berkley-Jahre ebenso einfließen, wie seine finnischen Ursprünge und die extremen und mannigfaltigen Einflüsse der Großstadt New York. So ist "Landmark" ein Album, daß auch beim mehrmaligen Hören nie langweilig wird. Und: es ist "Jazz in Reinform" - Jazz hier verstanden als Interaktion verschiedenster Quellen, als Musik im "Hier und Jetzt".
Carina Prange
CD: Mika Pohjola - "Landmark" (Abovoice 1009)
Mika Pohjola im Internet: www.mikapohjola.com
Cover: Cheryl Moody
Jazzdimensions:
Pohjola / Yamamoto - "Sound of
Village" - Review (erschienen: 4.9.2001)
Mika Pohjola - "Live at the
Blue Note" - Review (erschienen: 2.8.2000)
Mika Pohjola - "Special Edition"
- Review (erschienen: 29.5.2000)