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Billy Strayhorn - "Newly Discovered Works"
performed by the Dutch Jazz Orchestra - 3 CD-Review

Die talentiertesten Musiker sind bescheidene Menschen. Zurückhaltend, was Ihre Leistung betrifft. In der Geschichte des Jazz gab es zu jeder Zeit außergewöhnliche Persönlichkeiten, die immer im Schatten großer Namen standen. Songs wie "Take the A-Train", "Lush Life" oder "Chelsea Bridge" kennt jeder Musikliebhaber. Eine breite Hörerschaft verbindet diese Standards mit Duke Ellington und nicht in erster Linie mit dem genialen Komponisten und Arrangeur, der diese Klassiker schrieb: Billy Strayhorn hieß dieser Meisterpianist.

Billy Strayhorn - "So this is Love"

Die klassische Musik war Strayhorns eigentliche Liebe. Während seines Musikstudiums 1934 schrieb er bereits ganze Notationen für Musicals. Gerade 19 Jahre alt, bekam er schon Auftragsarbeiten in diesem beliebten Genre. "Fantastic Rhythm" erhielt damals glänzende Kritiken. Billy Strayhorn war afroamerikanischer Herkunft. Allein diese Tatsache verwehrte ihm zu jener Zeit den Zugang zum erlauchten Kreis der Klassikheroen und er litt Zeit seines Lebens darunter. Im Dezember 1938 traf er auf Duke Ellington. Der Maestro engagierte ihn vom Fleck weg, nachdem er einige Kostproben von Strayhorns Kompositionen serviert bekam, der sich mittlerweile in der Jazzwelt zu Hause fühlte.

Billy Strayhorn - "You go to my Head"

Drei Monate später nahm Ellington bereits den Strayhorn Titel "Something To Live For" in sein Programm auf, der ebenfalls gleich im Studio mit der Ellington-Band eingespielt wurde. In der Folge entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Duke zu einer Partnerschaft, wie es sie im Jazz kein zweites Mal gab. Billy Strayhorn wurde Duke Ellingtons "Alter Ego", das musikalische Verständnis zwischen den beiden Pianisten war in einer Weise miteinander verwoben, das weder die Bandmitglieder noch Ellington und Strayhorn selbst wussten, an welchem Punkt die Arbeit des einen begann und die Arbeit des anderen aufhörte.

Billy Strayhorn - Portrait of a Silk Thread"

Viele der Strayhorn Kompositionen sind bislang unentdeckt geblieben. Die holländische Bigband "The Dutch Jazz Orchestra" unter der Leitung von Jerry van Royen hatte bereits 1997 ein erstes Album von Strayhorn-Titeln vorgelegt. "Portrait Of A Silk Thread" wurde damals bei Bellaphon verlegt und fand einen großen Hörerkreis. Nun hat die holländische Plattenfirma Challenge diese CD wiederaufgelegt und gleich zwei CDs hinterhergeschickt, die sich mit dem anspruchsvollen Werk des Pianisten beschäftigen. Neben den bekannten Klassikern erscheinen jetzt eine ganze Reihe von in dieser Form nie veröffentlichten Kompositionen aus der Feder von Billy Strayhorn, die vom Dutch Jazz Orchestra interpretiert und neuarrangiert wurden.

Die Musik zeigt, welch' ein unerschöpflicher Reichtum an kompositorischer Finesse und Einfällen das Schaffen des Pianisten bestimmte. Die Nähe zur klassischen Musik in ihrer harmonischen Fülle wird in den Arbeiten von Billy Strayhorn eindrucksvoll verdeutlicht.

Auf den zwei neuveröffentlichten CD's "So This Is Love" und "You Go To My Head" knüpft das Dutch Jazz Orchestra da wieder an, wo es bei "Portrait Of A Silk Thread" bereits konzeptionell durchdacht angefangen hatte. Die Musiker um Jerry van Royen erreichen einen völlig neuen Zugang zur Musik des Pianisten. Der feinabgestimmte Sound der Band und die sich im Konzept des Orchesters wiederfindenden Solisten lassen eine intensive Liebe zu den Strayhorn-Kompositionen erkennen, die sich auf den Hörer übertragen.

Jan Fritz

CD: The Dutch Jazz Orchestra - "Billy Strayhorn: Portrait Of A Silk Thread" (Challenge Records CHR 70089)

CD: The Dutch Jazz Orchestra - "Billy Strayhorn: So This Is Love" (Challenge Records CHR 70091)

CD: The Dutch Jazz Orchestra - "Billy Strayhorn - You Go To My Head" (Challenge Records CHR 70090)

Dutch Jazz Orchestra im Internet: www.dutchjazz.nl

Challenge Records im Internet: www.challenge.nl

Cover: n.n.

© jazzdimensions2002
erschienen: 10.4.2002
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