Zuletzt machte er Platten mit Kenny Barron, Hank Jones und Pat Metheny: Charlie Haden gehört seit Jahren zur Créme-de-la Créme der internationalen Jazzszene. Der 63-jährige Bassist hat es seit langem nicht mehr nötig, sich mit technischen Mätzchen zu beweisen. Es geht ihm immer nur darum, den schönstmöglichen Song einzuspielen. Und das zeigt auch diese CD. "Nocturne"-das sind elf Songs von schlichter Schönheit.
Charlie
Haden feat. Gonzalo Rubalcaba - "Nocturne"
Dieses Mal hat Haden sich dem Bolero verschrieben, dessen Ursprung bekanntlich in Mexiko und Kuba liegt - und das ist ja gerade musikalisch im Trend. Jedoch nicht nur Rentner machen auf der Atlantikinsel Musik, sondern auch Gonzalo Rubalcaba. Als Haden den jungen Pianisten vor einigen Jahren traf, war er sofort von dessen Können begeistert - der Beschluß zu einer gemeinsamen Platte wurde gefaßt.
Rubalcaba lehrte Haden den Bolero seiner Heimat. Wer bisher nur den von Ravel als Begleitmusik eines englischen Eistanzpaares kannte, wird überrascht sein, wie vielfältig der eigentliche Bolero sich gestaltet. Genießen, träumen, sich in Gedanken treiben lassen: Die elf Stücke sind allesamt ruhige Nummern, aber dennoch mit Temperament und Emotionen. Zusammen mit Rubalcabas Schlagzeuger, Ignacio Berroa, haben sich die beiden noch weitere Gäste ins Studio eingeladen: die Saxophonisten Joe Lovano und David Sanchez, Gitarren-Star Pat Metheny und Frederico Britos Ruiz an der Violine.
Lovano und Metheny waren, wie Charlie Haden ebenfalls Bolero-Neulinge. Aber auch sie hat, laut Haden, schnell das kubanische Fieber gepackt. Und auch der Hörer wird sich sicher anstecken ...
Thomas Dern
CD: Charlie Haden
feat. Gonzalo Rubalcaba - "Nocturne"
(Universal/Verve
013 611-2)
Verve im Internet: www.vervemusic.com
Cover: n.n.