Der Titel dieser CD bezeichnet auch den Tag ihrer Aufnahme, sie entstand als Ganzes an eben jenem 8. Juli in Holland - und natürlich handelt es sich sich um eine Wiederveröffentlichung. Gunter Hampel versammelte damals etwas, was man - zumindest rückblickend - als eine All-Star-Besetzung bezeichnen kann. Wenn für die hier vorgestellte Musik eines als prägend herausgegriffen werden muß, ist dies die Stimme von Jeanne Lee.
Gunter
Hampel - "The 8th Of July 1969"
Musik kann hier als Prozeß erlebt werden - die erst jetzt auf der CD für die Allgemeinheit zugänglichen Alternativtakes mehrerer Stücke unterstreichen den Variantenreichtum der Herangehensweise. "We Move" wird zunächst von Klavier und Stimme getragen, balanciert am Rande der Auflösung - der Hörer droht im Strudel des durch Percussion und Bläser beunruhigten Untergrunds zu versinken - bis die angedrohte Katastrophe eintritt.
So laut "We Move" endet, so leise beginnt "Crepiscule", mit betörend zu nennendem Gesang - gewissermaßen eine Reise durch Träume und Wachphasen mit teils schlagartig wechselnden Landschaften; illustriert durch Jeanne Lees Stimme, die gurrt, kollert, keucht oder krächzt.
"Morning Song", das andere ausgedehnte Stück, mündet nach längerem Intro in einem mystisch-monotonen, an Can erinnernden, Rhythmus. Vor Hampels Vibraphonwand und Jeanne Lees Gesang tritt ein knochig klingender Kontrabass - und das Saxophon schreit wie eine elektrische Gitarre in Rückkopplungsextase.
Auch nach über dreißig Jahren klingt diese Platte frisch und spannend! Wer sie bis jetzt in seiner Sammlung vermißt hat, kann endlich zugreifen - zumal es sich bei den Bonustracks der CD nicht um bloße Dreingaben handelt!
Frank Bongers
CD: Gunter Hampel - "The 8th Of July 1969" (Birth Records 001)
Gunter Hampel im Internet: www.gunterhampelmusic.de
Cover:Sonja Knapp / Gunter Hampel