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Friedman / van´t Hof - "Birds of a Feather"


Auf den kleinen Bookletphotos kabbeln sie sich, die beiden unterschiedlichen Typen "gleichen Schlags" – David Friedman und Jasper van´t Hof. Sie gehen dabei behutsam miteinander um, und alles wirkt wie ein Spiel. Auf dem Deckblatt erscheinen sie mit verschränkten Armen und dem jeweils in den Augen des Gegenübers versunkenem Blick eher wie zwei konkurrierende Hähne, aber ihr Lächeln läßt auch diesen Gedanken wieder zum Spiel werden ...

Und so ist auch die gesamte CD: Zwei Menschen spielen miteinander, sie bewegen sich aufeinander zu, voneinander weg, laufen eine Strecke gemeinsam, zeigen sich ihre Unterschiedlichkeiten und ihre Gemeinsamkeiten, holen zusammen Luft und atmen dieselbe Ruhe oder Lebendigkeit. Aber sie wiederholen auch das noch einmal miteinander, was gut funktioniert, sie werden zeitweise im Laufen immer schneller oder immer langsamer, je nachdem ... – übertragen gesehen.

Dabei herausgekommen ist eine CD, die insgesamt eher zur Meditation verführt, man kann sich beim Hören so wunderbar entspannen – wären da nicht die letzten beiden Stücke, die einen so richtig wach werden lassen. Zwei einzelne Schlaginstrumente zum Duo zu vereinen, war einen Versuch wert und der ist allemal gelungen.

Wer hätte gedacht, daß sich gerade der insbesondere durch sein perkussives Vibraphonspiel bekannt gewordene David Friedman und der in den letzten Jahren durch seine Leitung der Band Pili Pili für Schlagzeilen sorgende Jasper van´t Hof zusammenfinden würden, um eine gemeinsame CD zu machen, die auf jeden überflüssigen Schnickschnack verzichtet? David Friedman zeigt hier, daß er sich durchaus auch auf eine pianistische Spielweise des Vibraphons versteht und wie unterschiedlich hart und weich, schnell und langsam der Anschlag eines Klaviers sein kann, stellt Jasper van´t Hof unter Beweis.

Schon in den ersten sechs Minuten des Eröffnungsstückes "For now" ( Gesamtlänge: knapp14 Minuten), finden wir einen verspielten Beginn, eine Steigerung von langsam zu schnell, von leise zu laut, eine darauf folgende Ruhephase, in der tiefe Klaviertöne überwiegen, dann wird es wieder verspielter - das Stück geht in tänzerischen und freieren Sequenzen dem Ende zu. Bei "Savanna Rainbow" verführt den Hörer der Rhythmus - es ist einfach schön, tanzbar (Kreisdrehungen wären genau das Richtige!) - kurz vor Schluß wird es lauter, wie ein schlagendes Herz - dann folgt ein leiser Ausklang. Das fünfte Stück zeigt u.a., wie schnell man auf einem Vibraphon spielen kann, es ist voller Aktion und das Klavier klingt ungemein fröhlich und direkt. Der Titel läßt die Frage offen, warum er gewählt wurde ("Mordogan Köj").

Die CD, auf der sich zwei Meister der Ruhe und der Bewegung treffen (eben "birds of a feather", genauso wie die Instrumente), ist für jeden zugänglich, der noch ein wenig Spieltrieb besitzt und sich auf Spiele einlassen kann - für denjenigen, der die Schwere und Hintergründigkeit komplexer Ensembles liebt, ist sie nicht das Richtige. Aber dafür ist sie auch nicht gedacht.

 

Carina Prange

Friedman / van´t Hof - "Birds of a Feather"
(Traumton 4428)

http://www.traumton.de

Fotos: Jörg Grosse Geldermann / Next
Cover: Next

© jazzdimensions1999
erschienen: 7.10.1999
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