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Jazzfestival Saalfelden 2007
Saalfelden, AT, 23.8. - 26.8.2007

Als "Mekka aller Jazzliebhaber" wollten die Organisatoren des österreichischen Jazzfestivals Saalfelden ihr viertägiges Event gerne sehen. Und, man muss im Rückblick sagen, das scheint ihnen durchaus gelungen zu sein. Ein breitgefächertes Programm, verteilt auf mehrere Locations, sorgte für Abwechslung: von der Open-Air-Bühne auf dem Marktplatz bis hin zum Almkonzert war alles dabei, Konzerte im Haus der Kunst und die Hauptbühne im Congress-Center Saalfelden setzten Akzente.

Heavy Tuba

Das Wichtigste bei diesem Festival ist, dass hier eine ganze kleine Stadt den Jazz mitfeiert – zu spüren war das angefangen beim Schaufenster-Dekorationswettbewerb zum Thema Jazz über verlängerte Öffnungszeiten bei vielen Geschäften, einem riesigen Festzelt mit kulinarischen lokalen und internationalen Genussständen, Buden und Ständen mit Kleinkunstverkauf. Und vor allem, der Jazz war allerorten während der Konzerte doppelt präsent: dank großer, öffentlicher Leinwände und Lautsprecher wurden nicht nur die Besucher im Congresscenter am Geschehen teilhaftig, sondern auch die zahlreichen gutgelaunten Besucher vor den Türen.

Abrams/ Mitchell /Lewis

Die Zusammenstellung des Programms des Festivals ist mutig, birgt sie doch sehr frei improvisatorische Größen, unbekannte Bands und ganz neue Konzepte in sich. Der Jazz aus Österreich fand in mehrerlei Hinsicht ein Forum, Posaunist Daniel Riegler leitete die Reihe "Short Cuts", das JazzWerkstatt Workshop Ensemble setzte einen Wien-Schwerpunkt, Heavy Tuba sorgten bereits am Donnerstagabend auf dem Rathausplatz im Rahmen eines Gratiskonzerts für ausgelassene Stimmung. Ebenfalls bereits am Donnerstag brachte die Berliner Formation Young Music Caravan das Publikum zum Aufhorchen: junge Leute aus vielerlei europäischen Ländern sorgten für eine musikalische Verbindung von Orient und Okzident, verknüpften ausgezeichnete Gesangsstimmen mit guten Instrumentals.

Friedman/ Liebezeit/ Motzer

Weiter geht es zu den Highlights der Autorin dieser Zeilen: Die Berliner Pianistin Ulrike Haage war mit ihrem Projekt "Weißes Land" im Kunsthaus Nexus zu erleben. Ganz besonders herausragend waren zwei der Freitagskonzerte mit zum Einen dem Trio aus Muhal Richard Abrams, Roscoe Mitchell und George Lewis, zum Anderen mit Burnt Friedman, Jaki Liebezeit und Tim Motzer. Bei der erstgenannten Gruppe standen drei Generationen von Freejazzern auf der Bühne, teilten mit dem Publikum ihr "Lebensgefühl der freien Inprovisation".

Jaki Liebezeit

Friedman, Liebezeit und Motzer hingegen erzeugten einen psychedelischen Sound mit ihren instrumentalen Dialogen – das Konzert erwies sich als absoluter Publikumsmagnet. Der dritte Höhepunkt aus Sicht der Autorin dieses Artikels war das samstägliche Konzert von Electric Barbarian. Die jungen Musiker aus USA, Australien, Brasilien und Holland bringen einen nicht einordenbaren Sound mit. Eine schräge Klangvielfalt, die Sprache und Geräusch mit Tönen verbindet, sorgte am Samstagabend für ein außergewöhnliches Erlebnis. Weitere Highlights des Festivals, die wenigstens namentlich Erwähnung finden sollen, waren Abraham Inc., Henry Threadgill, Kazutoki Umezu Kiki Band und Harriet Tubman.

Electric Barbarian

Selbstverständlich ist das Festival in Saalfelden auch deswegen ein Publikumsmagnet, weil die Umgebung sich ausgezeichnet zum Wandern, zur Muße in der Naturbetrachtung, zu Ausflügen (beispielsweise nach Zell am See) oder Bergtouren eignet. Wer das Festival besucht, wagt (so geschehen) nach einem langen Konzertabend und nicht allzuviel Schlaf dann gerne doch am nächsten Tag den lohnenden Weg zur "Einsiedelei" oder zur "Steinalm".

... abendliches Alpenglühen

Mit anderen Worten: Naturerlebnis und Jazzevent lassen sich in Saalfelden miteinander verbinden und sorgen für doppelten Genuss. Und wer geht nicht gerne nach oder vor einem Jazzkonzert nochmal kurz vor die Tür und betrachtet die nebelverhangenen Berggipfel oder den Sonnenuntergang über denselben? Kurz gesagt: das Jazzfestival Saalfelden ist eine Reise wert.

Carina Prange

Jazzfestival Saalfelden im Internet: www.jazzsaalfelden.com

Fotos: Frank Bongers

© jazzdimensions 2007
erschienen: 1.9.2007
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