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Funchal Jazz Festival 2006
Madeira, 6.7. - 8.7.2006

Die Location: traumhaft. Das Festival: äußerst angenehm. Das Publikumsinteresse: durchaus groß. Die Rahmenbedingungen beim jährlichen "Funchal Jazz Festival" stimmen. Klar, die wunderschön grüne, zu Portugal gehörende Insel Madeira im Atlantischen Ozean ist an sich schon eine Reise wert.

Wallace Roney

Im Juli ganz besonders. Das Wetter pendelt im Sommer um sehr angenehme 25 Grad, es ist Thunfischsaison und der Genuss dieses frisch vor Madeira gefangenen Fisches ein kulinarisches Erlebnis. Und dann gibt es eben seit sieben Jahren auch ein besonderes Ereignis für den Jazzfreund.

Veranstaltet von der Stadtverwaltung der Inselhauptstadt Funchal, in Kooperation mit den Festivalmachern von Matosinhos, bei Porto, ist ein Event entstanden, das einen Besuch lohnt. Drei Abende gibt es unter freiem Himmel in den Gärten Quinta Magnólia jeweils nur zwei Bands zu hören und zu sehen. Das alleine garantiert schon musikalisch stressfreie Nächte. Weit mehr als 1000 Zuhörer fanden in diesem Jahr allabendlich den Weg zum Festival, bei dem neben internationalen Jazzstars immer auch heimische Künstler ihr Podium finden.

Wayne Baker

Anno 2006 war das die junge, sogar aus Madeira stammende Sängerin Joana Machado, die begleitet von ihrem Quartett um den fantastischen Gitarristen Afonso Pais einen eigenen Ansatz in vokalen Improvisationen suchte – und bisweilen mit Silben und Wörtern auch ansprechende Gesangspassagen modulierte. Der alte kubanische Saxofon- und Klarinetten-Hase Paquito D´Rivera zog dagegen die Sympathien des Publikums mit seinen Späßen an sich. In einem Mischmasch aus Portugiesisch und Spanisch scherzte der Altmeister mit den Zuhörern. Aber auch der afro-karibisch-jazzige Musikmix seines Quintetts unterhielt bestens.

Mit kraftvollem und mitreißendem Blues wartete Sänger und Gitarrist Lonnie Brooks auf. Sohnemann Wayne Baker und die Band heizten zunächst ein, bis der Papa mit der Souveränität und der Klasse einer langen Karriere der Musik seinen Stempel aufdrückte. Das tat auch McCoy Tyner, der im Allstar-Septett mit Bassist Charnett Moffett, Schlagzeuger Eric Gravatt und den Bläsern Wallace Roney, Eric Alexander, Donald Harrison und Steve Turre anrückte. "The Story Of IMPULSE! Records" lautete das Programm, doch die Klassiker aus dem Katalog des Labels kamen irgendwie nicht über routinierte Interpretationen hinaus.

Paulo De Carvalho

Ganz anders ging da Ivan Lins in Funchal mit seinem eigenen, großen Liederkatalog um. In Hits wie "Começar De Novo" legte der zumindest in unseren Breitengraden selten zu sehende großartige brasilianische Songschreiber und Sänger soviel Herzblut, das einem beim Zuhören wirklich warm wurde. Als Gast holte Lins dann für einige Stücke den in Portugal sehr bekannten Sänger Paulo De Carvalho auf die Bühne. Der Portugiese verstand es, sich mit seinen Improvisationen und Gesangslinien fließend in Lins´ Música Brasileira einzufügen und ihr einen zusätzlichen Anstrich zu geben. Sicherlich der Festival-Höhepunkt und ein Konzert, das noch nachwirkt beim Verfasser dieser Zeilen.

Christoph Giese

Fotos: Christoph Giese

© jazzdimensions 2006
erschienen: 10.8.2006
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