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19. Jazz Festival St. Ingbert

St. Ingbert, 5.3. - 13. 3. 2005

Traditionell bis schrill-avantgardistisch: auch das diesjährige Internationale Jazz Festival St. Ingbert wartete mit einer erstaunlichen stilistischen Spannbreite auf. Eine Woche - vom 5. bis zum 13. März – stand St. Ingbert, das beschauliche Städtchen im Herzen des Saarlandes, wieder einmal ganz im Zeichen des Jazz. Und obgleich nicht alle der vielen Konzerte restlos überzeugen konnten – über mangelnden Zuschauer-Zuspruch konnte sich Peter Kleiß, der künstlerische Leiter des Festivals, auch dieses Jahr nicht beklagen.

Niwver Navarro

Eine meist proppevolle Stadthalle bewies, dass Kleiß' Konzept, regionale Acts und internationale Jazz-Prominenz unter dem Motto "Begegnungen – Encounters" an denselben Abenden musizieren zu lassen, auch in der 19. Ausgabe des Festivals aufging. Höhepunkt der Veranstaltung: ein fulminantes Konzert des McCoy Tyner Trios.

McCoy Tyner, der die Jazzwelt 1960 mit seinem hypnotischen Piano-Solo in John Coltranes Musical-Adaption von "My Favourite Things" in Verzückung versetzte, ist mit seinen 66 Jahren immer noch einer der besten Trio-Pianisten der Welt. In St. Ingbert standen dem Altmeister mit dem virtuosen Charnett Moffett (bass) und dem druckvoll agierenden Eric Gravatt (drums) zwei ausgezeichnete Mitstreiter zur Seite.

Dieselbe Rhythmusgruppe veredelte bereits auf dem 2003 erschienenen Album "Land Of Giants" das spielerische Aufeinandertreffen des Pianisten mit der Vibrafon-Legende Bobby Hutcherson. McCoy Tyner ist ein Power-Pianist. Wenn er in die Tasten greift, wird der Flügel zum Orchester. Mit mächtigen Block-Akkorden, viel Pedaleinsatz und einer ungeheuer flinken rechten Hand unterstrich Tyner seine Präsenz. Gemessen an seinem frühen Spiel, klingen die jüngeren Eigenkompositionen des einstigen Coltrane-Gefährten harmonisch geschliffen und Swing-orientierter. "Serra do Mar" und "Steppin'" waren die Opener an diesem Abend. Und spätestens als die orientalisch angehauchte Bassfigur aus Tyners 1974er-Klassiker "Sama Layuka" erklang, wurde deutlich: der Gigant hat nichts verlernt.

Thärichens Tentett
  (Sören Fischer, tb, Sven Klammer, tp)

Enttäuschend dagegen das Konzert von Madeleine Peyroux. In leicht reduzierter Besetzung stellte die amerikanisch-französische Sängerin Songs ihres aktuellen und mit viel Kritiker-Lob versehenen Albums "Careless Love" vor. Auf Improvisation verzichteten die Bandmitglieder dabei zugunsten kompakter Song-Einheiten fast gänzlich. Schade, der Auftritt wirkte trotz Peyrouxs zweifellos schönem Gesang uninspiriert und statisch.

Alles andere als statisch präsentierte sich der Pianist Pierre-Alain Goualch. Die Virtuosität und technische Brillanz des Franzosen verlieh dem Auftritt des Quartetts um den Gitarristen Ro Gebhardt besonderen Glanz und sorgte auch bei der anschließenden Jam-Session für offene Münder.

Niwver Navarro
  (Achim Schneider, tp, p, Markus Hewer, tp)

Experimentell ging es bei den Konzerten des niederländischen Pianisten Jasper van't Hof auf der Kirchenorgel und dem auf Minimal Music spezialisierten Orchester "In Process" zu. Und Thärichens Tentett gewährte Einblicke in die spannende Musiksprache einer dynamischen Gruppe junger Berliner Jazz-Talente. Die Latin-Formation Campana zelebrierte schließlich zusammen mit der kubanischen Sängerin Niwver Navarro den "Son" des legendären "Buena Vista Social Club". Ein runder Abschluss.

Johannes Kloth

Fotos: Tobias Adam

© jazzdimensions2005
erschienen: 29.3.2005
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