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Blue Note Festival

Gent, 15. - 26.7.2004

Den Charme der alten historischen Stadt entfaltet das belgische Gent im Juli nur bedingt. Denn an zehn Tagen tobt dort das größte kulturelle Volksfest Europas, die "Gentse Feesten". Überall in der Stadt wimmelt es dann von Ständen und Bühnen, auf denen Puppenspiele, Straßentheater und natürlich Musik stattfinden. Bis zu zwei Millionen Besucher kommen für dieses Spektakel jährlich nach Gent.

Noch im Stadtzentrum, aber abseits vom Massentrubel, hat sich nunmehr zum dritten Mal parallel zu den Genter Festtagen eine feine und ganz entspannende Veranstaltung etabliert: das "Blue Note Festival", ein Jazzfestival, benannt nach dem Renommierlabel von Alfred Lion und Francis Wolff, das umringt von alten Klostermauern, in denen auch mal ein Krankenhaus beheimatet war, an zwei Wochenenden ein tolles Programm, ein überzeugendes Konzept und ein sehr angenehmes Ambiente zu bieten hat.

Am ersten Wochenende unter dem Motto "All that Jazz." kamen dieses Jahr Jazzgrößen wie John McLaughlin mit seinem "Remember Shakti"-Projekt, das Ahmad Jamal Trio, das Jacky Terrasson Trio oder Wynton und Branford Marsalis nach Gent. Dann war das gut belüftete Konzertzelt, das in einem schönen Innenhof aufgestellt wird, bestuhlt. Eine Woche später wurden die Stühle beiseite geschoben und der Jazz in Frage gestellt ("All that Jazz?"). Festival-Manager Bertrand Flamang hat erkannt, dass zu völlig unterschiedlichen Konzepten ein anderes Publikum kommt, und so ist das "Blue Note Festival" von seiner ersten Ausgabe an stilistisch eine zweigeteilte Veranstaltung gewesen - mit den hippen Clubklängen jeweils am zweiten Wochenende.

Diese Tage gehörten anno 2004 oft hochspannenden Crossover-Projekten, Bands wie den Troublemakers aus Frankreich oder Künstlern wie dem selten live zu erlebenden Belgier Marc Moulin. Beide setzten viel Elektronik, Gesampeltes aus dem Computer und Videosequenzen ein und kontrastierten das mit live Gespieltem in weiten musikalischen Spannungsfeldern, die oft ganz gut in den Beinen zuckten. An jedem der insgesamt sechs Konzertabende (mit jeweils drei Bands auf nur einer Bühne, die dann nicht nur einen kurzen, festivalüblichen Set spielen müssen, sondern in Ruhe ein ganzes Konzert geben dürfen) hat Flamang jeweils einen belgischen Act ins Programm gepackt. Die vielseitigen Zap Mama etwa (neue CD "Ancestry In Process"), die mit ihrer souligen Seite sehr zu gefallen wussten. Oder das Projekt Mâäk´s Spirit & Gnawa Express (neue Live-CD "Al Majmaâ"), bei der die frei improvisierende Jazzfusionband Mâäk´s Spirit um Trompeter Laurent Blondiau auf Gnawa-Musiker aus Marokko und zusätzlich noch den malischen Multiinstrumentalisten Baba Sissoko traf. Gemeinsam strickte man an rhythmisch und musikalisch spannenden World-Jazz-Geschichten. Solch eine Konsequenz für das Schaffen eines Podiums für die heimischen Künstler wünscht man sich von so manchem deutschen Jazzfestival.

Natürlich gab es auch Publikumsmagneten wie die US-Soulsängerin Angie Stone zu erleben. Oder den schrillen Funk-Professor George Clinton mit seiner abgefahrenen Truppe Parliament, der gar nicht aufhören wollte zu spielen. Zuviel Publikum möchte man in Gent jedoch gar nicht haben. Das Festival soll übersichtlich und stilvoll bleiben. Platz soll sein für das Publikum, um sich zur DJ-Beschallung im Garten gemütlich unter einem Sonnensegel auf das nächste Konzert einzustimmen.

Und "das Bier möchten wir unseren Gästen auch zukünftig immer im Glas ausschenken und nicht im Plastikbecher", betont Bertrand Flamang im Interview. Der Festival-Manager hat übrigens seinen Jazzclub in Gent aufgegeben, um diesen Event ins Leben rufen zu können. So eine Hingabe für die Sache spürt man beim empfehlenswerten Besuch des "Blue Note Festival" überall.

Christoph Giese

Fotos: Christoph Giese

© jazzdimensions2004
erschienen: 04.08.2004
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