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Marcus Miller

Quasimodo, Berlin, 9.7.2002

Der Saisonschlusspunkt war war ein absoluter Knüller: Der Kellerclub an der Kantstrasse platzte aus allen Nähten, und das an einem der heißesten Tag des Jahres mit Temperaturen auch am späten Abend noch von 25 Grad Celsius. Gegen 22:30 erschienen die Musiker vollzählig auf der Bühne und es konnte losgehen. Der Opener des Konzerts war mehr ein Warmspielen, sehr verhalten. Doch plötzlich im zweiten Stück konnte man erahnen, in welche Richtung sich dieser Abend entwickeln sollte.

Marcus Miller (Foto: K. Kurdej)

Die Miles-Davis-Adaption „So What“ hingegen war beeindruckend: Kochendheiße Rhythmen und Tempoverschiebungen brachten den Außen- wie Innentemperaturen noch einige Grad Celsius oberhalb der gefühlten Skala bei, eine irrwitzige Version dieses Klassikers erreichte eine begeisterte Menge. Erstaunlich, die Hitze schien den Musikern überhaupt nichts auszumachen, fehlende Luftzufuhr wurde kompensiert durch Hecheln der Spieler, selbst Schlagzeuger Poogie Bell legte sich voll in’s Zeug.

Im Fluss des ausbalancierten Programms konnte Mann und Frau sich treiben lassen. Zupackende Offbeatnummern folgten ruhigere Passagen. Marcus Miller und seine Band ließen keine langen Unterbrechungen zu, so gab es zum Erstaunen vieler keinen ersten und zweiten Set: es wurde durchgejammt. Das Line-Up der Band ließ kaum Wünsche offen: die beiden versierten Hornspieler Roger Byam – Saxofon & Flöte und Michael „Patches“ Stewart an der Trompete steuerten mit ihren Klangfarben Wesentliches zum gelungenen Gesamtbild des Konzerts bei - ungeheuer viel Vergnügen bereitete das Spiel des Gitarristen Dean Brown, der - ausgemergelt anzuschauen - an die besten Zeiten von Frank Zappa erinnerte. Seiner phänomenalen Leistung jedoch tat das keinen Abbruch, im Gegenteil, es schien, als würde er abheben und sein irdisches Dasein dabei schlicht vergessen.

Leader Marcus Miller griff sich zum späteren Zeitpunkt eine Bassklarinette und ein Sopransaxofon, blies beseelt hinein – einfach nur schön war das. Diesem Intermezzo folgten die gewohnten Flagoletts seines Fretlessbasses und einige atemberaubende Soli von ihm beendeten nach zwei Zugaben gegen 1:30 ein denkwürdiges Konzert im Quasimodo.

Jan Fritz

Foto: Kataryna Kurdej

© jazzdimensions2002
erschienen: 13.7.2002
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