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Lena Swanberg - "Die dunkle und die helle Seite des Lebens"

Ihren Weg zur Musik fand die Schwedin Lena Swanberg auf einer Reise nach Brasilien, wo Wärme, Licht und Farben in ihrer Schönheit sie tief berührten. "The Art Of Staying Young And Unhurt" ist das Debütalbum der 29-jährigen Sängerin, Komponistin und Texterin, deren musikalische Wurzeln im Jazz liegen.

Lena Swanberg

Das Album ist eine phantastische Reise durch die tiefen Täler und sanften Hügel des melancholisch-schönen Singer-Songwritertums und der eleganten Popmusik.

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Lena Swanberg

Carina: Deine Stimme würde hervorragend ins Pop-Genre passen und du bewegst dich, nicht klar einzuordnen, zwischen Jazz, souligem Blues und Singer-Songwriter. Findest du dich in einem Stil besonders wieder, oder nimmst du's einfach wie es kommt?

Lena: Ich habe Jazz gesungen, aber auch Pop und Rock - und wenn ich eigene Stücke mache, dann mische ich, bis ich es als passend empfinde. Ich würde meine Stücke nie einem bestimmten Genre zuordnen – also, ja, ich nehme es wie's kommt! Ich betrachte meine Stimme als ein Instrument, das ich zu beherrschen lerne, und dessen Möglichkeiten ich auslote. Um alles herauszuholen, was geht.

Lena Swanberg

Carina: Gelegentlich klingt deine Stimme melancholisch – man könnte es auch "bluesy" oder "sehnsüchtig" nennen. Ist es ein Anliegen von dir, sowohl die dunkle als auch die helle Seite des Lebens in deinen Songs abzubilden?

Lena: Ich versuche, die Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, um eine breitere Perspektive zu bekommen. Singen und Songs zu schreiben gibt mir Trost, wenn ich einen schweren Tag hinter mir habe. Ich mag es, sowohl die einfachen Freuden des Lebens zu schildern, als auch die großen Fragezeichen, die es vor einem aufstellt.

Carina: Schaffst du bewusst einen Ausgleich zwischen diesen beiden Seiten?

Lena: Ich denke, diese Balance zwischen hell und dunkel gelingt mir etwas besser als vor ein paar Jahren. Keine Ahnung warum – ich akzeptiere, was des Weges kommt und mache meinen Job so gut wie möglich. Sowohl die dunkle als auch die helle Seite sind auf ihre Weise nützlich, und ich versuche, beide gleichermaßen anzunehmen.

Lena Swanberg - "The Art of Staying Young and Unhurt"

Carina: Wann hast du mit Singen angefangen und was bewog dich, es zum Beruf zu machen?

Lena: Ich habe als Kind schon gesungen – wie Kinder eben singen. Musik war mir wichtig, also hörte ich nie damit auf. Mit 15 wurde es dann ernster mit dem Singen – Spaß hatte es mir schon immer gemacht, aber jetzt nahm ich Unterricht. Dass ich den Gesang wirklich zum Beruf machen würde, wusste ich aber erst, als ich mich in Stockholm an der königlichen Musikakademie einschrieb.

Carina: Warum dauerte es so lange, bis du dein Debüt-Album veröffentlicht hast?

Lena: Es war mir wichtig, mir damit Zeit zu lassen. Ich musste mich mental bereit fühlen und dann brauchten wir auch eine Menge Zeit, um alles für die Veröffentlichung zu regeln. Ich habe einfach auf den passenden Moment gewartet.

Carina: Der Titel deines Albums, "The Art Of Staying Young And Unhurt", ist nicht nur ziemlich lang, sondern auch unkonventionell. Ist es nicht eine "unmögliche" Kunst, die du darin beschreibst, weil das Älterwerden ja nun nie ohne Verletzungen abgeht? Oder ist vielleicht genau das die Botschaft?

Lena: Nun, der Titel stammt aus dem Text zu "Break Through". Es ist ein Paradox – und ich erwischte mich selbst eines Tages, wie ich versuchte danach zu leben! Mir war klar, dass es natürlich unmöglich ist; man kann nicht durchs Leben gehen, ohne zu altern, und ohne Verletzungen geht es auch nicht. Aber genau das, so schien mir, beschrieb meinen Zustand: Der verlorenen Jugend nachtrauernd, zu feige zu lieben – wegen der Angst, es könnte vielleicht weh tun … Das wurde zur Leitlinie der Songs auf dem Album. Und erinnert mich daran, wie ich leben möchte – und das ich standhaft bleiben muss!

Carina: Du hast gerade den Song "Break Through" erwähnt. Was ist die Geschichte hinter diesem Stück und dem Song "Second Start"?

Lena: Ich schrieb "Break Through" quasi als offenen Brief an jeden, den es angeht. Es ist einer der ältesten Songs auf dem Album. In jener Zeit war ich in einer Beziehung, die leider nicht gut funktionierte. Es geht um die Frage, wie man Trost finden will, wenn man nicht weiß, was genau nicht stimmt und deshalb unklar ist, in welcher Richtung man suchen soll. Es geht auch um den Wunsch nach Verständnis und Nähe.

"Second Start" entstand als einer der letzten Songs auf diesem Album. Das Stück begann sein Dasein als MIDI-File auf meinem Computer. Der Text dazu kam mir beim Hören des Tracks auf meinem Spaziergang hinunter zu einem kleinen Strand in meiner Nachbarschaft. Das Stück handelt von der Erkenntnis, dass man sich irgendwann entscheiden muss – für eine Beziehung, für jemanden, für sich selbst. Dass man aber dabei zu jeder Zeit treu zu sich selbst bleiben muss.

Lena Swanberg

Carina: Wie kamst du eigentlich mit deinem Produzenten Göran Petersson zusammen?

Lena: Der Kontakt kam durch Jeanette Lindström und Marie Bergman, die zwei meiner Lieblingssängerinnen sind – und gleichzeitig gute Freundinnen. Göran mochte meine Musik. Für mich war er ein Glücksfall. Er ist ein total netter Typ und hat einen echt guten Musikgeschmack.

Carina: Und wie wichtig war Petersson für den Sound, vielleicht die gesamte Richtung des Albums?

Lena: Er war extrem wichtig! Er ist ein guter Zuhörer und war offen für all meine Ideen. Ich habe versucht, ihm darin nachzueifern. Göran trug seine Erfahrung zum Gelingen bei, sein Gespür für Klang und die richtige Instrumentierung – und, nicht zu vergessen, all seine guten Kontakte zu diesen ganzen wunderbaren Musikern.

Carina: Was bedeutet Singen für dich? Gibt es dir etwas, das du sonst nicht hättest?

Lena: Ganz bestimmt sogar gibt mir das Singen etwas, das ich auf anderem Wege nicht bekäme! Ich kann mich dabei ausleben und es ist ein Quell der Freude. Und ich kann sicher sein, dass meine Stimme aus meinem Inneren spricht, dass sich mein Bewusstsein und meine Seele darin spiegeln. Der Gesang ist ein guter Weg, um in Kontakt mit dem eigenen Selbst zu kommen.

Lena Swanberg

Carina: Wie sieht er aus, dieser Kontakt?

Lena: Ich versuche Erfahrungen zu machen und gleichzeitig meine mir gegebenen Fähigkeiten einzusetzen. Dabei sehe ich zu, dass ich mit mir selbst und anderen rücksichtsvoll umgehe und das Leben genieße, so gut es eben geht. Wir wissen ja nie, wie viel gemeinsame Zeit uns gegeben ist! …eine Tatsache, der man ungern ins Auge sieht und die einem gleichzeitig auch Bescheidenheit abverlangt: Wir können nur so viel an Liebe nehmen und geben, wie es uns möglich ist – und fortgehen, wenn es an der Zeit ist!

Carina Prange

CD: Lena Swanberg - "The Art Of Staying Young And Unhurt"
(Diesel Music C-42)

Lena Swanberg im Internet: www.lenaswanberg.com

Diesel Music im Internet: www.dieselmusic.se

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2012
erschienen: 13.10.20112
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