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Lemke-Nendza-Hillmann - "Sich als kollektive Band definieren"

Mit Johannes Lemke, André Nendza und Christoph Hillmann haben sich drei gefunden: gemeinsam sind sie bereit, sich musikalisch aufeinander einzulassen, nach einem eigenen Bandsound zu suchen und ihren gegenseitigen Ideenfundus kreativ anzuzapfen. Das Ergebnis, hörbar auf dem Album "Tria Lingvo" kann sich hören lassen.

Lemke-Nendza-Hillmann

Hier macht eine Kleinstformation ohne Harmonieinstrument Musik, die nur im Laufe der Zeit reifen und sich entwickeln konnte. So wie ein guter Wein eben, der auch nicht von heute auf morgen zu seinem exquisiten Geschmack kommt. Wie das klingt? Eingängig und verspielt, fröhlich und dennoch nicht unkomplex.

Carina Prange stellt sich dem Kollektiv zu einem Kollektivinterview

Carina: Eine kleine Frage zum Aufwärmen – wie würdet ihr die Essenz eures Trios auf den Punkt bringen?

André Nendza: Ich bevorzuge die polizeiliche Variante einer "kleinen, mobilen und ungemein schlagkräftigen Einsatztruppe".

Johannes Lemke: Dito! Ein unschlagbares "Liveerlebnis".

Christoph Hillmann: Dieses Trio ist "erstaunlich reich".

Carina: Okay, fangen wir mal richtig an. Dominique Pifarély spricht von eurer Band als "gewachsenes Gemeinschaftsprojekt". Erklärt mal euer Bandverständnis: Was braucht es außer "Zeit und Raum" noch, um musikalisch zusammenzuwachsen?

Christoph: Fürs musikalische Zusammenwachsen ist es wichtig, sich gegenseitig anzustoßen. Ich komme immer inspiriert aus unseren Arbeitsphasen und recherchiere weiter und probiere aus. Den anderen geht es ebenso und entsprechend viel Neues passiert in der nächsten Phase. Aber wir freuen uns auch einfach auf unseren Trio-Sound.

André: Genau! Aber zunächst mal ist es im Jazz ja gar nicht mehr so üblich, sich als kollektive Band zu definieren. Viel weiter verbreitet ist das "Bandleader"-Prinzip, bei dem einer weitesgehend allein auf Gedeih und Verderb für das Fortkommen eines Projektes verantwortlich ist.

"Lemke Nendza Hillmann" ist für mich der erste richtig erfolgreiche Versuch, bei dem die meisten Belange gemeinschaftlich auf den Weg gebracht werden oder man die Aufgaben geschickt verteilt. Allerdings ist es schon so, dass Johannes in Sachen "Booking" der Band mit Abstand die meiste Arbeit leistet. Und gerade das beständige Spielen ist für das angesprochene "Zusammenwachsen" ungemein wichtig.

Johannes: Es ist aber eine Arbeit, die ich gerne mache, weil ich von der Musik und meinen Mitmusikern überzeugt bin. Das wird dann fast zur Sucht, man möchte halt immer mehr davon haben. Dazu kommt, dass unser Projekt sehr gut beim Publikum "ankommt" und über eine positive Rückmeldung freut sich ein jeder.

Johannes Lemke

Carina: Mit "Jazz aus Europa" meint man meist eher nicht den aus Deutschland. Woher kommt das wohl?

André: Für mich sind diese Fragen nach "Jazz aus Europa" eher für ein musikwissenschaftliches Seminar geeignet und zudem häufig auch eher mediale Modethemen. Nach einigen Jahren "Young German Jazz"-Begeisterung wird ja derzeit wieder die neue New Yorker Szene um Musiker wie Steve Lehman hochgehoben. Und das völlig zu recht, denn da passiert ja unglaubliche Musik.

Ich selber glaube letztendlich doch an den individuellen Ausdruck und persönliche Facetten von improvisierter Musik. Und ob kreative Musik in Amerika, in Berlin oder bei mir im Eifeler Garten entsteht, ist da eher sekundär...

Johannes: ...für uns hat sich unsere Musik einfach nach und nach entwickelt – jetzt schon seit mehr als sieben Jahren. Das war ein natürlicher Prozess, ohne "ideologischen" oder "marketingtechnischen" Überbau. Eine Musik, die wir schreiben, einstudieren und spielen, weil wir sie lieben. Das ist authentisch und wird vom Publikum auch so wahrgenommen.

Carina: Christoph, wie stehst du zum europäischen Gedanken?

Christoph: Nun, ich habe bei "Jazz aus Europa" immer gleich an eine Menge Musik gedacht, die ich in Deutschland erlebt habe und die häufig Koproduktionen von Musikern aller möglicher europäischer Abstammung und in Deutschland lebender Musiker aus aller Welt sind.

Angefangen beim Joachim Kühn Trio, der Musik Eberhard Webers, Rainer Brüninghaus, die Brüder Shotham mit Charlie Mariano, Louis Sclavis, European Jazzensemble. Als Schlagzeuger natürlich an die Family of Percussion. Ich denke an die wichtige Verschmelzung von konzertantem Raum und Jazz – ohne das Label ECM undenkbar – Jazz/ Weltmusik – ohne das Label Enja undenkbar –, Act mit einer Menge Künstlern aus Deutschland und die vielen aus dem skandinavischen Raum...

Ich denke an die starke Freejazzszene der 70er mit besonderer Handschrift der ehemaligen DDR-Musikszene und neben freien oder weltmusikalischen Strömungen an stilistisch vielseitige gute Kooperationen mit namhaften Musikern aus England, Polen, Tschechien, Balkan, Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Benelux... – die hier gemeinsam musizieren und veröffentlichen.

Dass das manchem erst auf zweites Nachdenken einfällt, spricht eher für das Phänomen des im eigenen Lande verkannten Propheten. Und vielleicht auch für einen Generationswechsel. Es gibt starke junge Jazz-Repräsentanten in Deutschland und deren Jazz ist zunächst frisch und meisterlich und wird vielleicht die Schublade "europäisch" einmal mehr erweitern und mitprägen.

André Nendza

Carina: Versteht ihr euch also als repräsentativ für eine Generation von Musikern, die das "europäische Jazzerbe" weiterträgt und versinnbildlicht?

Christoph: Ja! Ich glaube wir sind durch und durch davon geprägt. Natürlich interessiere ich mich auch für die starken zeitlosen Einflüsse des amerikanischen Jazz und die enorme Präsenz jenes edlen Clubsounds der 60er, der vielen modernen und aktuellen Produktionen immer wieder zugrunde liegt: Ein konzertanter lebendiger Sound, eine umwerfende Stilistik, die nicht nur in New York zur Zeit weiterentwickelt wird.

André: Ein Teil meiner Persönlichkeit kann die Frage so klar und eindeutig mit "Ja" beantworten, wie Christoph. Aber gerade in den letzten Jahren möchte ich auch weiter in die Traditionen von Jazz in seinen Ursprungsformen eindringen und diese für mich individuell verarbeiten. Ein bestimmtes Verständnis von "Swing" ist zwar mittlerweile universell, hat aber eindeutig amerikanische Wurzeln. So schlagen als mindestens zwei Seelen in meiner Brust.

Christoph: Aber besonders dann, wenn die weltmusikalischen und "ECM"-Anklänge kommen, höre ich doch, dass wir Europäer das anders füllen. Dass sich hier unsere Traditionen kondensiert haben.

Lemke-Nendza-Hillmann - "Tria Lingvo"

Carina: Ihr habt den CD-Titel "Tria Lingvo" dem Esperanto entlehnt, in dem er "dritte Sprache" bedeutet. Versteht ihr eure Musik, wie irgendwo in den Linernotes zu finden, lediglich im Sinne einer Mischung aus ethnischer Musik und Jazz? Oder ist Musik neben Körpersprache, also Mimik und Gestik, und gesprochenem Wort nicht ohnehin die dritte Form, sich auszudrücken – mithin "dritte Sprache"? Sagt mal was....

Christoph: Andre hatte diese Idee der dritten Sprache und sie rief bei mir eine Menge Assoziationen auf... Den "Third Stream" in seiner entschlossenen Uneindeutigkeit in Bezug auf Jazz und Klassik. Das "dritte Ohr" des J.E. Behrendt als Symbol für anderes Hören. Die Suche nach einer anderen Stilistik und ja – die "dritte Sprache" Musik.

Die Idee, die Begriffe in Kunstsprachen nachzuschlagen kam mir bei dem Versuch, noch etwas mehr Symbolik für unseren musikalischen Ansatz zu finden. Mir ist wichtig nicht von einem Weg zwischen Jazz und Ethno zu sprechen – den Gebrauch von Klängen und Ansätzen aus diesen beiden von uns bevorzugten Genres nicht einfach als eine Mischung, als "Salat aus interessanten Zutaten" zu begreifen. Sondern als echte Verschmelzung.

Christoph Hillmann

Carina: ...abgesehen davon, um bei diesem Thema zu verweilen, kann der Titel nicht auch als "Sprache der Drei" interpretiert werden? Also als eure "Dreier-Trio"-Sprache?

André: Das ist richtig. Es geht neben der erwähnten Suche nach einem dritten stilistischen Weg auch im Kern immer um die Entwicklung eines eigenständigen Trio-Sounds. Erst auf dieser Basis laden wir uns Gäste ein. Zudem passt es natürlich auch ganz schön, das "Tria Lingvo" die dritte CD des Projektes ist. (lacht)

Carina: Apropos Gäste – wie kam deren Auswahl zustande? Gab es Überraschungen, indem jemand über sich hinauswuchs, oder ganz andern Input brachte, als erwartet?

Christoph: Zunächst gab es die Frage nach den Gastinstrumenten. Wichtig ist uns, die Linearität unseres Trios beizubehalten. Das Verdichten von Klang aus Einzellinien und der Verzicht auf Harmonieinstrumente. Als neue Farbe interessierten wir uns für einen deutlich tieferen Klang, als Pendant zu Johannes. Und die Ideen für Violine sind längst nicht erschöpft. Darum also zwei Gäste.

André: Mit Zoltan haben wir 2009 zahlreiche Konzerte gegeben – was lag da näher, als ihn für unsere neue CD anzufragen! Einerseits führt er den "Violinenklang" von Dominique Pifarély weiter, andererseits bringt er eine Menge an Erfahrung aus dem Bereich der ethnischen Musik mit in unsere Musik ein.

Christoph: Mit dem Posaunisten Mark Bassey habe ich auf dem Moerser Jazzfestival in Angelika Niesciers Projekt gearbeitet. In ihm habe ich einen ungeheuer freundlichen, faszinierenden Menschen und gleichzeitig einen extrem gut vorbereiteten und wundervollen Musiker kennengelernt. Die besten Voraussetzungen um in kurzer Zeit in der Tonstudiosituation zu guter Musik zu finden.

André: Zudem können wir von beiden Musikern behaupten, dass sie hinter unserer Musik stehen und gerne mit uns arbeiten!

Carina: Auf I-Tunes gibt es von euch das Werk "Kyrillis" stückeweise zum Download, auf Myspace kann man Videos der Band anschauen. Wie sieht es mit Twitter und Facebook aus, findet man euch da auch? Verzettelt man sich da nicht leicht? – Mit anderen Worten, wieviel "moderne Vernetzung" ist notwendig, um "am Markt" bestehen zu können? Inwieweit ist das: Lästig? Notwendig? Zeitverschwendung?

André: Das Arbeiten mit dem Internet ist ja heute Standard und dabei gleichzeitig Fluch und Segen! Andererseits gibt es ja wunderbare Informationsplattformen wie die Seiten des "Jazzinstituts Darmstadt" oder inspirierende Blogs wie Ethan Iversons "Do the math". Auch die Jazzdimensions sind ja ein feines Produkt der schönen, neuen Medienwelt.

Andererseits gibt es natürlich unendlichen Informationsmüll. Mit "Lemke Nendza Hillmann" nutzen wir die Vorteile, um mit Zuhörern, Medien und Veranstaltern zu kommunizieren. Wir werden aber sicherlich nicht twittern, was wir heute zu Mittag gegessen haben.

Johannes: Genau, irgendwo wird dann für mich "weniger" mehr. Mittlerweile pflege ich drei Internetseiten, da stellt sich die Frage, ob der Schwerpunkt sich nicht langsam weg von der Entwicklung der Musik und des eigenen Spiels auf die öffentliche Selbstdarstellung ("zur Schaustellung") verlagert.

Andererseits können Seiten, wie Myspace, beim Booking helfen. Trotzdem kommt es für mich immer noch auf den persönlichen Kontakt zu Veranstaltern, Pressemitarbeitern und Mitmusikern an.

Christoph: Neue Hörplattformen sind eine Chance für Auffrischung und Neuentdeckung. Das Stöbern nach Einzeltiteln in I-Tunes erinnert mich an meine Jugend, in der ich mir "Playlists" auf Cassetten erstellt habe. Das ist später zu langwierig und lästig geworden und findet mit I-Tunes und MP3-Player nun wieder seinen Platz in meinem Leben. Ich höre tatsächlich dadurch sehr viel mehr Musik und lerne mehr kennen.

Johannes Lemke

Carina: Zwischendurch mal eine Frage speziell an André. Mit deinem Stück "News from Wolverhampton" gibst du den Hörern ein kleines Rätsel mit auf den Weg...

André: (lacht) Ein Rätsel, welches man aber in der weiten Welt des Internet schnell lösen kann! Denn "Wikipedia" gibt bei Eingabe des Suchbegriffes "Wolverhampton" schon klare Hilfestellung, bei der man dann irgendwann unter "berühmte Söhne und Töchter der Stadt" auf dem Bassisten Dave Holland kommt.

Dave Holland war für mich ungemein wichtig und da fast alle meiner Komposition auf dem Album Widmungen sind, durfte er auch nicht fehlen. Zumal ich mittlerweile einen gesunden Abstand zu Hollands Musik habe und man aus etwas größerer Entfernung manchmal Dinge klarer sehen kann.

Carina: Jetzt wieder eine Frage an euch alle: Ist es wichtig, das Publikum ernstzunehmen, es aber auch immer mal wieder zu fordern?

Christoph: Absolut! Ich glaube an einen Mix aus Wohlklang und Aufregung, Vertrautem und neuen und an eine sehr abwechslungsreiche Performance, begonnen bei Instrumentarium und gespiegelt in Spielweise und Kompositionen. So habe ich früher als Hörer und heute als Spieler polystilistische Konzerte von Anfang an erlebt und ihre Resonanz bei einem breiten Publikum.

Johannes: Mich erstaunt immer wieder, dass durch unsere Art der Darbietung und einer gesunden musikalischen Balance zwischen "Herausfordern und Beruhigen", unsere Musik auch beim "unbedarften" Nicht-Jazzhörer sehr gut ankommt. Es braucht nur die Bereitschaft zum "Staunen".

Carina: Anders gefragt: wie haltet ihr eure Fans konzerttechnisch "bei der Stange", gibt es einen guten direkten Kontakt?

André: Ich halte Kommunikation mit dem Publikum für ganz wesentlich, um die Zuhörer auch in neue, zuweilen ungewohnte Klangwelten zu führen. Da gibt es sicherlich unterschiedliche Ansätze und wir nutzen bei LNH häufig das Mittel des Humors bei unseren Ansagen. Auch hier muss man aufpassen, denn an schlechten Tagen sind wir schon fast ins kabarettistische abgerutscht. Denn unsere Musik ist als Musik schon zwar manchmal mal auch heiter, aber im Kern immer ernsthaft.

André Nendza

Carina: Wie viel spielt ihr prozentual für euch und wieviel für den Hörer?

Christoph: Ich glaube an die Möglichkeit, hundertprozentig für den Hörer und sich selbst zu spielen. Der hundert Prozent in sich ruhende, nach sich forschende, Emotionen ausdrückende Musiker ist hundert Prozent erlebbar. In der Praxis gibt es gewiss die fröhlichsten Missverständnisse.

Meine Intention mag sich in vielen Augenblicken von der Wahrnehmung durch den Hörer völlig unterscheiden. Der Sound, die Kommunikation mit meinen Mitmusikern. Aber das hundertprozentige Streben nach Ausdruck, Überraschung, Tiefgang, Spielfreude ist ein Gesamtpaket, das wir mit unserem Publikum in den Konzerten teilen.

Carina: Dein Stück "Steve's Workout" ist eine Hommage an Steve Coleman und M-Base. Inwiefern siehst du, oder seht ihr euch, davon beeinflusst?

Christoph: Ich selbst bin eigentlich nur indirekt beeinflusst! Vor allem das jahrelange Spiel mit Frank Speer und Nils Wogram und eine wichtige Achse in der Musik von SUBLIM hat mich nachhaltig inspiriert, mich mit den Ausdrucksmöglichkeiten von "Acoustic Funkjazz" zu befassen und meine ohnehin starken Interessen für metrische Überlagerung und odd-meter zu vertiefen.

Ich bin selber kein "5-Elements"-Hörer und habe Steve Coleman mehr durch Dave Holland wahrgenommen. Ich beschreibe meine Hommage gerne so: "Steve's" steht für den Einfluss von Colemans Freunden auf meine Freunde. Der Sound der Szene um M-Base enthält abstrakt wirkende Melodik und einen bestimmten Stil von Bassfiguren. Wenn mir "Steve's"-Stücke einfallen, enthalten sie vor allem Momente davon!

Carina: In Johannes' Bio steht, dass euer Trio eine "Vorliebe für klangliche Details und ungerade Metren" hat. Johannes, stimmt das?

Johannes: Nehmen wir z.B. mein Stück "Mr. Funny Hat", da haben wir lange gefeilt, wie wir das Zwischenspiel gestalten; dann hatte André die Idee mit dem Glockenspiel. Das ist nur ein "Hauch" – manch einer hätte da nicht eine Minute drauf verschwendet! Aber für uns war das wichtig und ist so jetzt stimmig.

Oder an Andrés "Eptemeenklee"... Daran haben wir über drei Jahre gebastelt, bis wir ein Klangkonzept hatten, mit dem wir zufrieden waren. Was die ungeraden Metren angeht, sage ich immer, dass mein Leben seit Gründung unseres Trios in "schiefen Bahnen" verläuft. Da ist der Funke auf mich übergegangen.

Ungerade Metren fordern neue Wege heraus, neue Melodien und Linien. Althergebrachtes geht nicht mehr auf. Das macht die Sache spannend!

Carina: Wenn es um das Verhältnis von notierter Musik zur freien Improvisation geht, was spielt da die Hauptrolle?

Christoph: Wir improvisieren nicht "frei" im Sinne fehlender Form. Aber wir erspielen uns viele und häufig neue Freiräume über die harmonischen oder rhythmischen Formen unserer Stücke.

André: Bei LNH ist die Ausgangsbasis für Improvisation immer die Klangwelt der jeweiligen Komposition. Wir schreiben mittlerweile alle gezielt für das Projekt und berücksichtigen dabei ganz bewusst die klanglichen und improvisatorischen Möglichkeiten der Trio-Formation.

Christoph: Einige unserer Stücke auf "Tria Lingvo" sind komplexer, sind mehrteilig. Aber über jede Passage gibt es Improvisationen. Die Hauptrolle spielt also ein "ausgewogenes Verhältnis".

Christoph Hillmann

Carina: Bitte ein Schlusswort! Habt ihr so etwas wie eine gemeinsame Bandphilosophie?

Christoph: Die besten Dinge, die mir als Musiker passiert sind, die Möglichkeiten, die sich immer wieder geboten haben, hätte ich mir so nicht vorstellen können. Die noch passieren werden, kann ich mir also wahrscheinlich noch nicht vorstellen! Ich möchte keine Stagnation und lebe und arbeite in ebenso großem Maße dafür, dass das Unbekannte passiert, als das ich konkrete Ziele setze. Meine Bandphilosophie? "Das kleinste demokratische Kollektiv!"

André: Es ist ja nicht ganz einfach dabei nicht nach Kalenderspruch zu klingen. Mich hat ein Gedicht von Hanns-Dieter Hüsch mal zu einer Komposition inspiriert und das geht so: "Ich bin gekommen Euch zum Spaß. Und gehe hin, wo Leides ist. Und Freude. Und wo beides ist. Zu lernen Mensch und Maß". Hier steckt schon manches drin, was mir im Leben und in der Musik wichtig ist.

Johannes: Das hätte ich nicht besser sagen können! Vielleicht mag ich noch ergänzen: Die Stärken der Mitmusiker protegieren und von ihrer Vielfalt und ihren unterschiedlichen Talenten profitieren.

Carina Prange

CD: Lemke-Nendza-Hillmann - "Tria Lingvo"
(JazzSick Records 5035JS)

Lemke-Nendza-Hillmann im Internet: www.lemke-nendza-hillmann.de

JazzSick Records im Internet: www.jazzsick.com

Fotos: Pressefotos (2,3,4: Rudy Couvreur, 5,6,7: Susanne Wittelsbürger)

© jazzdimensions 2011
erschienen: datum
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