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Loren Stillman - "Musikalische Welten auf Knopfdruck"

Loren Stillman, der New Yorker mit britischen Wurzeln, erlernte das Saxophonspiel bereits mit sieben Jahren. Heute wird der Altsaxophonist, Jahrgang 1980, als Hoffnungsträger des Jazz gehandelt und als eine der kreativsten Stimmen seiner Generation bezeichnet.

Loren Stillman

Im Quartett mit Nate Radley, Gary Versace und Ted Poor erschien auf Pirouet Records kürzlich Stillmans Album "Winter Fruits": entspannte, filigrane Musik voll lyrischer Intensität und komplexem Rhythmenspiel.

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Loren Stillman

Carina: Du giltst als "eine der eigenständigen Stimmen" unter den zeitgenössischen Saxophonisten. Was macht, von deiner eigenen Warte, die Originalität in deinem Spiel aus?

Loren: Schwer zu beantworten. Allein schon deshalb, weil ich für mich gar nicht in Anspruch nehmen würde, eine "eigenständige zeitgenössische Stimme" zu sein! Andere haben das gesagt, und irgendwie landete das in meiner Biographie. Ich habe in der Tat jahrelang hart an meinem Sound gearbeitet.

Grundgedanke ist, das Instrument als Erweiterung des Stimmapparates zu betrachten. Wenn ich nur wenig Zeit zum Üben habe, dann konzentriere ich mich auf meinem Klang. Der Klang ist das erste, was das Ohr erreicht. Hat jemand keinen guten Klang, wird es ihm schwerfallen, Zuhörer zu finden.

Carina: Du hattest, wie viele andere auch, Dave Liebman als Mentor. Was war das wichtigste, dass er dir beibrachte?

Loren: Ich genoss im Vorfeld eine recht intensive Ausbildung im klassischen Repertoire und hatte meinen Ton anhand der Methode von Joe Allard geschult. Liebman bekräftigte mich in meinem Streben nach einer eigenen Stimme auf dem Instrument.

Er war meine Inspiration darin, diese zu finden – und auch meine Sprache als Improvisator. Die Aufgabe eines Lehrers ist aus meiner Sicht, das "Pferd zur Tränke zu führen". Nicht jedoch, dafür zu sorgen, dass es auch trinkt. So jedenfalls arbeitete Liebman und tut es noch immer. Ich höre nur Gutes über ihn von seinen Schülern.

Loren Stillman

Carina: Du bist in London geboren, allerdings in New York aufgewachsen. Finden sich Spuren deiner britischen Herkunft in deiner Musik?

Loren: Nicht soweit ich das sehen kann! (lacht)

Carina: Hast du aber trotzdem vielleicht ein anderes Verhältnis zum europäischen Jazz und zur Klassik, verglichen mit deinen Kollegen? Oder fühlst du wortwörtlich "ganz amerikanisch"?

Loren: Was meine Einflüsse angeht, die kommen von allem und jedem, was ich im Lauf meines Lebens gehört und gesehen habe – innerhalb und außerhalb der Musik, amerikanisch und nicht-amerikanisch.

Ich bin der Meinung, dass Nationalität heutzutage nur eine geringe Rolle spielt, wenn es um die Entwicklung als Jazzmusiker geht. Musikalische Welten, die man sich in jahrelangem Studium erarbeiten müsste, stehen einem auf Knopfdruck zur Verfügung. Ich versuche gegenüber allen Möglichkeiten offen zu bleiben, die sich mir bieten!

Loren Stillman - "Winter Fruits"

Carina: Bereits jetzt als "führende neue Stimme" der New Yorker Szene bezeichnet zu werden, ist das ein Segen? Oder sogar eher hinderlich?

Loren: Ich kann nicht sagen, ob das eine oder andere zutrifft. Es klingt schmeichelhaft und ist auf jeden Fall besser, als schlechte Kritiken zu bekommen. Allerdings sind Kritiken nicht mein Motiv dafür, zu spielen und zu komponieren. Es geht darum, der Welt ein Statement darzubringen.

Ein Statement, das mir als Person und Künstler gerecht wird. Wenn man dabei bekannt und berühmt werden sollte, dann ist das einfach Glück.

Carina: Eine Frage zur neuen CD "Winter Fruits". Verglichen mit dem Vorgänger "Blind Date", worin besteht aus deiner Sicht die Entwicklung?

Loren: Ich würde sagen, dass "Blind Date" etwas durchgeplanter war, was Arrangement und Solis angeht. "Winter Fruits" dagegen entstand viel spontaner. Die Band ist in der Zwischenzeit mehr zusammengewachsen und wir hatten Spaß an dieser Arbeitsweise und der Dynamik, die sich so ergab.

Loren Stillman

Carina: Zwei der Kompositionen stammen von Ted Poor, deinem Schlagzeuger. Wie kam es, dass eine davon als Titeltrack ausgewählt wurde?

Loren: Nun, Teds Stücke hatten gar keine Titel gehabt, bis wir als Band ihm damit aushalfen! (lacht)

Der Titel "Winter Fruits" spielt ursprünglich auf "Curb Your Enthusiasm" an, eine sehr beliebte Comedy-Show, die von Larry David produziert wird. Deren Humor fanden wir als Band gut, aber das nach der Show benannte Stück "Winter Fruit" hat sich von diesen Ursprüngen wegentwickelt, hin zu einer eigenen, durch die Musik getragenen Bedeutung.

Carina Prange

CD: Loren Stillman - "Winter Fruits" (Pirouet Records PIT3042)

Loren Stillman im Internet: www.lorenstillman.com

Pirouet Records im Internet: www.pirouetrecords.com

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2010
erschienen: 29.1.2010
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