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George Duke -
"Der Beginn von etwas ganz Neuem"

Endlich hat er mal wieder ein Album unter eigenem Namen herausgebracht – "Face the Music" ist der Titel von George Dukes neuem Werk. Und selbstverständlich spielt Duke alles, was Tasten hat, höchstselbst – vom Klavier über den Moog-Synthie bis zum guten alten Clavinet und dem Wurlitzer-E-Piano. Gestecktes – und erreichtes – Ziel: Ein natürlicher, funky Bandsound, der sich unter anderem auf die Verwendung eines Kontrabasses anstelle des E-Basses stützt.

George Duke

Viele Jahre lang hatte Duke sich in erster Linie hinter den Kulissen bewegt, in der Funktion des Produzenten auf der anderen Seite gestanden. So mancher Platte hat er dabei zu Auszeichnungen verholfen: George Duke war der Mann hinter "The Calling" von Dianne Reeves; jenem Album, welches den Grammy in der Sparte "bestes Jazz-Vocal-Album" erhielt.

Als Produzent aktiv seit Ende der 70er Jahre, kennt George Duke das Musikgeschäft von allen Seiten. Nun ist er einen weiteren Schritt gegangen – seit kurzer Zeit existiert Dukes eigenes Label BPM-Records. Propagiertes Ziel ist, dazu beizutragen, die Kontrolle über die Musik dorthin zurückzugeben, wohin sie George Dukes Meinung nach gehört: In die Hände der Musiker...

Carina: Fangen wir gleich mit einem Detail an – warum war es dir so wichtig, anstelle des elektrischen Basses einen Kontrabass auf deinem neuen Album einzusetzen?

George Duke: Den "Upright Bass", musst du wissen, habe ich schon immer geliebt. Und in den Händen eines wahren Meisters, wie Christian McBride einer ist, klingt er noch unvorstellbar viel besser. Das Instrument hat ja von sich aus schon eine Tiefe, fügt der Musik eine Qualität hinzu, die der E-Bass so nicht bieten kann. Das ist ähnlich beim Vergleich von richtigem Klavier mit einem synthetischen Pianosound. Es gibt eine bestimmte Dimension, die bei den akustischen Instrumenten vorhanden ist, die mit einem elektronischen Surrogat niemals realisiert werden kann.

George Duke - "Face The Music"

Carina: Auf "Face The Music" bildet die Rhythmusgruppe den ‚Fokus' und stellt die eigentliche 'Identität des Albums' dar – wie du es so schön gesagt hast...

George Duke: Es war meine Idee. Eine konstante Rhythmusgruppe für das gesamte Album. Das sollte mein verbindendes Element sein; der Klebstoff, der alles zusammenhält – wichtig schon deswegen, weil die Musik auf diesem Album sehr unterschiedlich sein würde, auch stilistisch gesehen. Hierfür wollte ich eine Gruppe starker musikalischer Persönlichkeiten zusammenbringen, gerade in technischer Hinsicht. Leute, die wirklich spielen können, und die sich nicht scheuen, das auch zu zeigen: Es gibt nämlich schon zuviel Musik, die vollkommen gleich klingt – weil die Musiker hinterm Berg halten und nichts rauslassen. Ich wollte Jungs, die Willens sind, einfach "zu machen".

Christian McBride spielt den Kontrabass ganz der Jazzschule entsprechend. Der Drummer, "Little John" Roberts, kommt vom HipHop, weiß aber haargenau, wie er mit seinem Instrument umzugehen hat. Schließlich Jef Lee Johnson, der als Gitarrist schon immer in der Hendrix-Ecke war. Und ich dann da mittendrin – das Ganze hätte auch total schief gehen können! Aber es hat super geklappt und ich bin mit dem Album sehr zufrieden.

George Duke

Carina: Wenn man auf diese Weise jüngere mit älteren, erfahrenen Künstlern zusammenbringt, können beide Seiten dann voneinander lernen, voneinander profitieren?

George Duke: Auf jeden Fall! Ich denke, ein Teil des Problems, das die Musik heutzutage betrifft, beruht darauf, das hier eine Verbindung auseinandergerissen ist. Zumindest besteht sie nur noch aus einem seidenen Faden. Die meisten jungen Künstler, insbesondere, wenn du die HipHopper betrachtest – meinetwegen auch die R´n´B-Leute, was auch immer R´n´B heute sein mag – die sind alle außerhalb unserer Bands groß geworden.

Weißt du, als ich ein junger Musiker war – mit zwanzig oder so – da wollte ich mir meine Helden, wie Sly and the Family Stone, Miles Davis oder Cannonball Adderley, nicht nur ansehen. Ich wollte mit ihnen auf der Bühne stehen, tatsächlich mit ihnen Musik machen. Sie direkt fragen können, warum sie dies oder jenes spielen, ob sie dies oder jenes schon probiert haben: Zeig mir was, bring mir was bei! Information aus erster Hand, darum ging es. Von ihnen zu mir. Das Zuhören allein ist zuwenig, verstehst du? Ich wollte sie erleben.

Und das gibt's heute nicht mehr, weil ja diese wohlsituierten Jungs nicht mit uns und in unseren Bands aufgewachsen sind, nie mit uns gespielt haben. Okay, sie sampeln das, was wir gemacht haben – aber das ist nicht genug! Künstler meiner Generation haben eine Menge Wissen zu vermitteln. Andernfalls wächst die Musik auch nicht – sie stagniert. Einfach, weil die Nachfolger nicht das Können besitzen, sie auf einen höheren Level zu heben.

Carina: Wie erreicht man diesen höheren Level? Was macht gute Musik aus?

George Duke: Musik als Medium an sich ist spirituell. Sie ist dann am besten, wenn sie spontan entsteht – der Musiker ist nur ausführendes Organ. Ich lasse einfach diesen Spirit durch mich durchfließen. Wenn ich als Person dabei aus dem Weg bleibe, also nicht versuche, die Dinge zu kontrollieren, dann wird es am besten.

Was man von sich schieben muss, sind alle Bedenken, ob das Publikum es mögen wird, den Drang nach Beifall und das damit verbundene Schielen nach dem Trend. Nur, als Musiker läufst du ständig Gefahr, dem zu verfallen, glaub mir! Sobald es dir aber gelingt, dies alles außer Acht zu lassen, sobald die Musik fließen und geschehen kann, wird es automatisch gut.

Ganz genau das habe ich auch mit meinem neuen Album versucht. Ich habe meinen Leuten gesagt: Denkt nicht an Radiotauglichkeit, nicht daran, dass der Song zu lang sein, oder zu viele Noten haben könnte. Denkt nicht über die Fans nach. Denkt nicht an die Kritiker. Schiebt all das beiseite. Geht ins Studio, seid Musiker!

George Duke

Carina: Was ändert sich durch das Internet? Findet gerade eine Revolution im Musikbusiness statt?

George Duke: Was den Verkauf von CDs betrifft, denke ich, reicht das Internet allein nicht aus. Da brauchst du mehr als das. Aber es ist eine sehr, sehr wichtige Plattform. Für sich betrachtet, mag es allein schon durch die Möglichkeit des Downloads von Musik und die Verbreitung von Informationen der wesentliche Faktor sein, der das Business tiefgreifend verändern wird. Und vielleicht zum Positiven.

Ich gehöre, weiß Gott, nicht zu denjenigen, die der Ansicht sind, Musik sei frei. Musik ist nicht frei. Sie ist, wenn du so willst, frei "in ihrer Seele – aber es wird damit auch eine Menge Geld umgewälzt, es sind viele Begehrlichkeiten damit verbunden – daraus resultieren die ganzen Probleme. Bei den Leuten, die glauben, übers Ohr gehauen zu werden – womit sie auch sicher recht haben! – herrscht große Frustration. Aus vielerlei Gründen: Die CDs sind zu teuer und den Löwenanteil von dem Geld, das da verdient wird, bekommen sicher nicht die Künstler.

Das ist etwas, was ich mit meinem Label ändern will – auf meine kleine, bescheidene Weise. Einfach, indem ich die Verträge, die ich mit Künstlern abschließe, für die Musiker günstiger gestalte. Allein um Geld zu scheffeln bin ich nicht im Geschäft, es geht mir gut genug. Der Dreh- und Angelpunkt meiner Firma ist die Musik selbst – und so soll es bleiben. Zwischen dem kreativen Prozess und dem was finanziell reinkommt muss schon ein Gleichgewicht sein. Aber was ist das Credo der Major-Firmen? Nur der Ertrag!

Mit Musik hat das bei denen nichts mehr zu tun, die haben sie einfach ausgegrenzt aus dem Ganzen. Das würde ich eher mit einer Ölgesellschaft oder ähnlichem vergleichen; sowas kann ich nicht unterstützen. Es gibt viele Musiker, die nach Wegen suchen, es anders zu machen. Ich glaube, dass wir gerade den Beginn von etwas ganz Neuem erleben. Und ich gehöre zu denjenigen, die das Glas als halbvoll ansehen – ich bin Optimist!

Carina Prange

Aktuelle CD: George Duke - "Face The Music"
(BPM/JJT/Challenge 77025)

George Duke im Internet: www.georgeduke.com

SunnyMoon Distribution im Internet: www.sunny-moon.com

Fotos: Frank Bongers

Vollständiges Interview im Jazzpodium (Ausgabe: 01/04)

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© jazzdimensions2004
erschienen: 18.3.2004
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