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Esbjörn Svensson Trio -
"Grappa ist eine Art Bandgetränk"

Das Album "Strange Place of Snow" war für die drei sympathischen Schweden ein phantastischer Erfolg, den die vor kurzem erschienene Platte "Seven Days of Falling" allerdings noch in den Schatten stellen sollte. Das Trio, bestehend aus Esbjörn Svensson (p), Dan Berglund (b) und Magnus Öström (dr), ergatterte vor ein paar Tagen schon zum zweiten Mal in diesem Jahr den German Jazz Award.

Esbjörn Svensson Trio

Überhaupt werden die drei Musiker seit gut einem Jahr mit europäischen Musik-Preisen überhäuft. Ihre Konzerte sind schon längst Großereignisse, in die das Publikum strömt wie sonst nur zu Pop-Events. Doch den drei Jungs von E.S.T. scheint die überraschende Popularität nichts anhaben zu können. (pt)

Charmant und humorvoll beantworteten sie am Rande des Festivals Jazz Baltica in Salzau die Fragen von Dirk Meißner.

Dirk: Ihr kommt gerade von einer Tour durch Japan, Canada und den USA, am Montag fliegt ihr weiter nach Italien und dann in die Schweiz, wisst ihr noch, was ein Glas Bier in Schweden kostet?

Esbjörn: Ja klar, so um die ...
(Es folgt eine aufgeregte Diskussion auf Schwedisch.)

Magnus: ... also, es sind auf jeden Fall mehr als 4 Euro, aber meist noch teurer. Wir trinken aber eigentlich sowieso lieber deutsches Bier.

Dirk: Wie war es denn als schwedische Band in Japan?

Dan: Es ist irre, die behandeln einen wie Popstars, ständig sind Leute um dich herum, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist, und wirklich alle waren unglaublich höflich. Na und das Essen war großartig. Sushi.

Magnus: ...höfliches Sushi.

Dirk: Und wie war es in der Türkei?

Esbjörn: Also direkt in der Türkei waren wir nicht, nur in Istanbul, und da haben uns die Leute wirklich sehr liebevoll behandelt ...

Dan: ...und das Essen war wirklich fantastisch.

Esbjörn Svensson

Dirk: Dann seid ihr wahrscheinlich glücklich, gleich in Italien spielen zu können.

Dan: Oh ja. Das Essen in Italien ist wirklich spitze.

Esbjörn: Sie haben da wirklich wahnsinnig gutes Essen ...

Magnus: ...und Grappa. Den Grappa nicht vergessen ...

Esbjörn: ...stimmt, Grappa ist so eine Art Bandgetränk.

Dirk: Kann es sein, daß ihr eure Tourneen speziell darauf abstimmt, wo es gutes Essen gibt?

Esbjörn: Nein, aber es ist schon interessant, in jedem Land so auf ganz unterschiedliches und vorzügliches Essen zu treffen.

Dirk: Nun, aber was ist mit England? Ihr spielt ja auch da.

Esbjörn: Stimmt. Naja. Aber in London bekommst du wirklich internationale Küche.

Dan: Außerdem ist das englische Bier so gut, dass du allein damit durchkommst.

Magnus: ...und in Irland kann man Guiness trinken und in Schottland gibt's diesen irren Whiskey.

Dirk: Nun würde ich gerne über euren Erfolg reden. Ihr werdet überall als “trio of the decade" gefeiert, als “beste Jazzband Europas", könnt ihr die Preise, die ihr so bekommen habt, überhaupt noch zählen?

Esbjörn: Es ist so, wenn du so einen Preis bekommst, dann gibt es eine großartige Party, alle sind nett zu dir. Aber wenn ich am nächsten Tag aufwache, dann hat sich gar nichts geändert, ich übe, ich bereite meine Sachen vor, wir machen Musik. Also eigentlich ändert das nicht so viel.

Magnus: Es ist dies ja auch schon unsere achte Platte, wir machen da einfach immer weiter.

E.S.T. - "Seven Days Of Falling"

Dirk: Ich habe gehört, es soll auch schon kreischende Mädchen bei euren Konzerten geben, die Stofftiere auf die Bühne werfen.

Esbjörn: (lacht) Also es gibt tatsächlich schon dieses Phänomen, dass das Publikum etwas übertrieben auf uns reagiert ...

Dan: ...aber diese kleinen Tierchen, die müssen wir uns schon noch selber kaufen.

Dirk: Es taucht ja immer gleich die Frage auf, ob das noch Jazz ist, was ihr da so macht, oder schon Pop...

Esbjörn: ...schau mal, es ist ganz einfach so: Wir machen so lange Musik zusammen und wir machen einfach das, was wir mögen und was auch auf der Bühne funktioniert ...

Magnus: ...mir ist das auch total egal, wie du das nennst.

Dirk: Also ich kann mir nicht vorstellen, das Keith Jarrett seinen Flügel durch einen Verzerrer schickt und das Schlagzeug mit Flanger-Effekten gedoppelt wird.

Esbjörn: Vielleicht hat er es einfach noch nicht ausprobiert.

Dirk: Wie denkt ihr denn über das Solo. Die Jazzidee ist ja meist: Erst kommt ein Thema, dann spielen alle ein Solo und dann nochmal ein Thema. Bei euch dagegen habe ich den Eindruck, dass ihr einfach alle zusammen Musik macht.

Esbjörn: Das stimmt absolut. Mit diesem “Technik zeigen" in den Soli haben wir schon lange nichts mehr zu tun und mit den Formen ist es ja so: in der klassischen Musik gibt es unglaublich viele verschiedene Formen - Sonate, Symphonie usw. - im Jazz immer nur das eine, also, Jazz ist da langweilig.

Dirk: Wo seht ihr denn die den Unterschied zu eurer letzten Platte “Strange Place for Snow". Ich denke, es sind jetzt mehr Effekte dabei?

Esbjörn: Wir waren mit “Strange Place" ziemlich lang auf Tour und da probieren wir viel aus, und was uns davon gut gefällt, das haben wir dann auf “Seven Days" weiterverfolgt.

Esbjörn Svensson Trio

Dirk: Es kann also sein, dass Dan bei einem Konzert ganz unerwartet auf den Verzerrer für seinen Bass tritt?

Dan: Na und ob!

Magnus: Er ist der “Distortion Man"!

Esbjörn: Das sind die Stellen auf unseren Konzerten, wo ich beim Spielen aufstehe und rumschreie ...

Magnus: ...das ist nicht alles so festgelegt, warum auch.

Dirk: Es gibt also keine neue Richtung, also mehr Rock oder Drum´n´Bass, mehr Effekte?

Magnus: Nein, wir denken überhaupt nicht so, wir machen einfach, was uns gefällt. Keiner denkt etwa, wir sollten das hier so machen, damit es den anderen gefällt.

Dirk: Euer Lied O.D.R.I.P etwa könnte durchaus einen MTV Award als “Best International Rock Band without a singer" gewinnen.

Dan: (lacht) Schlag das bitte unbedingt MTV vor.

Dirk Meissner

Aktuelle CD: E.S.T. - "Seven Days of Falling" (ACT 9012-2)

E.S.T. im Internet: www.esbjornsvenssontrio.com

ACT Music im Internet: www.actmusic.com

Photos: Mit freundlicher Genehmigung von ACT Music.

Mehr bei Jazzdimensions:
E.S.T. - "Seven Days of Falling" - Review (erschienen: 29.9.2003)
E.S.T. live im Tränenpalast 18.10.2003 - Review (erschienen: 20.10.2003)

© jazzdimensions2003
erschienen: 26.11.2003
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