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Regina Carter - Meisterin der jazzigen Geige

Die Jazzgeigerin Regina Carter vereint gleich zwei Eigenschaften in sich, die sie zum Mitglied einer Minderheit im Musikbusiness - und nicht nur im amerikanischen - machen: sie ist eine Frau, und sie ist schwarz. Das hindert sie jedoch in keinster Weise daran, eine Geigenspielerin zu sein, der nur wenige ihrer männlichen Kollegen das Wasser reichen können.

Regina Carter

Zusammen mit Kenny Barron legte sie kürzlich das Album "Freefall" vor - Thomas Dern sprach mit der Künstlerin, deren CD er als Aufhänger für das Gespräch nahm:

Nur Klavier und Violine. Nichts weiter. Das soll eine Jazzplatte sein? - Ist sie! Eine sehr ungewöhnliche, spontane und unglaublich fesselnde CD sogar. Was sonst soll auch herauskommen, wenn sich zwei Meister ihres Faches zusammen tun: Regina Carter und Kenny Barron.

Aber die Platte ist nicht nur für den Hörer etwas Unglaubliches:

Regina Carter: Wir sind bereits vor vier Jahren einfach mal ins Studio gegangen und haben geschaut, was passiert. Es war einfach unglaublich! Man kann es nicht anders als mit "Magie" beschreiben, wenn man mit jemandem wie Kenny zusammen arbeitet. Mit ihm stößt man in musikalische Bereiche vor, die man sonst nie erreicht hätte. - Aber wir hatten beide in den letzten Jahren zu viel zu tun, daß es mit der Platte nichts wurde. Erst jetzt haben wir es geschafft!

Schon nach den ersten gemeinsamen Takten wußten sie, daß diese Kombination etwas Besonderes war. Sie haben sich gegenseitig aus der Reserve gelockt, aus jedem das Beste herausgeholt:

Regina Carter: Es war wunderbar mit Kenny - aber auch eine große Herausforderung. Ich konnte nicht - wie sonst immer - die Melodie spielen, und dann das Solo. Ich mußte auch begleiten wenn Kenny spielte. - Dies war etwas anderes für mich, und sehr wichtig. Eine tolle Erfahrung, um nicht festgefahren zu sein!

Thelonius Monk und Wayne Shorter - das sind zwei der Komponisten, die als würdig erachtet wurden, Titel zu diesem Projekt beizusteuern. Denn es war sofort klar, daß es keine 08/15 Stücke sein konnten, die sie aufnehmen würden. Und der "Retter des südamerikanischen Regenwaldes" ist auch mit von der Partie:

Regina Carter: Wir haben zum Teil gemeinsam komponiert, wie beim Titelstück "Freefall", jeder hat also ein paar Eigenkompositionen mitgebracht - aber wir haben auch unsere persönlichen Lieblingssongs dabei. Ich wollte unbedingt "Squatty Roo" von Johnny Hodges spielen - eine nette, amüsante kleine Melodie, die einfach Spaß macht. Und Kenny kam zum Beispiel mit "Fragile" ins Studio, einem Song von Sting.

Brahms, Mozart, Debussy: Noch lange nicht alles, was ein Klavier und eine Geige zu bieten haben - was Carter und Barron hier eindrucksvoll zeigen. Die beiden Künstler zaubern unterschiedlichste Musik, die vielfältiger nicht sein könnte:

Regina Carter: Wie soll man die Platte beschreiben? Ich tue mich sowieso immer schwer mit diesen Schubladen. Ich sage einfach, es ist "Mood-Music". Es ist eine ganze Reise - ein paar Balladen, ein wenig Avantgarde und ein kleines bißchen Klassik. Einfach "Mood-Music".

Regina Carter

Aber mit dem ungewöhnlichen Jazzinstrument hat Regina Carter es nicht immer leicht. Trotz so bekannter Vorgänger wie Stephane Grapelli, Jean-Luc Ponty oder Didier Lockwood scheint sich noch nicht bei allen Zuhörern herumgesprochen zu haben, daß man auch auf vier Saiten swingen kann. - Deshalb versteht Regina Carter ihre Konzerte nicht nur als reine Musikvorstellung. Sie versucht ihr Publikum zu bilden, klärt es darüber auf, was "hinter" der Musik steckt:

Regina Carter: Als Geiger im Jazz muß man immer beweisen, daß man kein klassischer, oder ein Country & Western-Musiker ist - obwohl es ja schon einige bekannte Jazzgeiger gab. In der Tat erzählen mir eine Menge Leute nach Konzerten, daß ihnen vorher gar nicht klar war, daß die Geige auch ein "Jazzinstrument" sei. Viele Leute wissen außerdem nicht wirklich, was Jazz ist. Sie sagen, sie würden keinen Jazz mögen, aber eigentlich verstehen sie ihn nur nicht. - Aus diesem Grund will ich sie "unterrichten" - die Musik mit ihnen durchsprechen. Ich erkläre ihnen, was gerade passiert - und viele berichten mir anschließend begeistert, daß sie dadurch viel mehr Spaß an der Musik haben!

Im Sommer diesen Jahres werden Kenny Barron und Regina Carter gemeinsam auf Tournee in Europa sein. Doch Regina Carter plant schon weiter - sie will anschließend wieder mit ihrem Quintett ins Studio gehen. Nur - was da rauskommen wird, kann sie noch nicht sagen. - Kein Wunder auch, wenn man gehört hat, wie vielfältig ihr Violinenjazz sein kann.

Thomas Dern

CD: Kenny Barron & Regina Carter - "Freefall" (Verve /Universal)

Verve im Internet: www.vervemusicgroup.com

Universal im Internet: www.jazzecho.com

Fotos: Verve

© jazzdimensions2001
erschienen: 26.5.2001
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