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Metro - "Fusionmusik at it´s best!"

Mit einer "Metro" hat die Musik der gleichnamigen Band nur insofern etwas gemeinsam - den Gedanken an eine einfahrende, laute U-Bahn - als daß beim Auftritt im Berliner A-Trane der dort sonst übliche Lautstärkepegel "ein wenig" überschritten wurde und die Gehörgänge der Zuschauer ganz gut durchgepustet wurden. Metro, das ist Fusionmusik, ist nicht unbedingt Jazz, sind die spannenden Ideengeflechte von Chuck Loeb und Mitch Forman - und: es ist in erster Linie Musik, die den Spielern einen Heidenspaß bereitet.

Metro

In der Konstellation mit Loeb (g), Forman (keys), Wolfgang Haffner (dr) und Victor Bailey (b) wurde vor kurzem die CD "Metrocafé" eingespielt - ergänzt durch Percussionspieler, und bei einem Song durch die Sängerin Carmen Cuesta.

Das Record-Release-Konzert mußte in geänderter Besetzung stattfinden: Victor Bailey wurde - kongenial - durch den New Yorker Bassisten Jerry Brooks vertreten. Bailey selbst war zu diesem Zeitpunkt gerade mit Joe Zawinul auf Tour. Das Quartett brachte den Club in Stimmung - was ein Livemittschnitt des Abends dokumentieren wird - einfach gute, rockige, peppige, manchmal auch jazzige Musik!

Die vier Protagonisten dieses Abends äußerten sich im Gespräch folgendermaßen:

Chuck und Mitch, ihr seid die Begründer der Band Metro. Die Idee, eine gemeinsame Band zu gründen ist sehr alt - warum war es erst im Jahre 1994 möglich, ein eigenes Projekt zu beginnen?

Chuck: Ich denke, die Sache ist die: als wir ursprünglich zusammengespielt haben, war das mit Stan Getz, dem Jazz-Saxophonisten. Und was danach passierte war, daß wir in diese ganze Welt der Studioarbeit in New York hineingerieten und während dieser Zeitperiode - da kann ich für uns beide sprechen - spielten wir nicht sehr viel live. Und wir haben unterschiedliche Projekte gemacht, uns in verschiedene Richtungen bewegt.

Mitch: Ich denke, wir brauchten eine Art Katalysator von außen. Tatsächlich haben wir dann zusammengespielt, als wir eine Tour mit Bill Evans und die Aufnahmen zu seiner Platte "A Petite Blonde" gemacht haben. Wir trafen Joachim Becker und er fragte uns: "Warum macht ihr Jungs nicht eine Band auf?" Und das war der Anfang - ich denke, wir brauchten einen kleinen Stoß von außerhalb.

Wie würdet ihr die Kernidee des Projektes beschreiben?

Chuck: Ursprünglich - da es aus dem "Petite Blonde"-Projekt heraus entstanden ist - würde ich sagen, war es ein Seitenprojekt davon. Aber dann stellte es für uns die Gelegenheit dar, grundsätzlich über nichts anderes nachzudenken außer Musik zu schreiben, die wir mögen, eine Gruppe von Leuten zusammenzustellen, mit denen wir wirklich spielen wollten, und einfach wirklich gute Musik aufzunehmen.

Mitch: Da war ein Wort am Anfang - es stammt auch von Joachim Becker - und das Wort ist: "slamming". Er sagte: "Alles muß slamming sein!" - In letzter Zeit sind wir vielleicht ein bißchen weniger "slamming" ...

Gitarre, Bass, Keyboard und Schlagzeug - das hört sich an, als sei Metro ein Standard Quartett - was ist das Besondere an der Band? Wolfgang, was würdest du sagen?

Wolfgang: Es ist die Kombination aus den Musikern, die zusammenspielen. Jeder besitzt seine eigene Sprache, seinen eigenen Stil. Natürlich auch die Kompositionen - wir spielen nicht nur die Stücke von einem aus der Band - vielmehr schreibt Mitch eine Menge, Chuck ebenso, und auch ich habe das ein oder andere Stück komponiert. Ich denke, das wesentliche ist diese Kombination und die "Tunes".

Jeder von Euch ist in so viele verschiedene Projekte verwickelt - wie macht ihr es möglich, daß ihr gemeinsam auf Tour gehen könnt?

Mitch: Es ist sehr schwierig - du brauchst eine Art Zeitplan, jeder muß sagen: o.k., diesen Zeitblock kann ich dafür zur Verfügung stellen. Und man muß es sehr, sehr lange im Voraus planen. Sonst wird es nie was!

Chuck: Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, daß dies ein Projekt ist, das uns sehr am Herzen liegt. Und somit versuchen wir, Zeit dafür freizuschaufeln. Wolfgang ist wohl derjenige, dessen Zeitplan am engsten ist. Er ist ständig beschäftigt, Aufnahmen mit den verschiedensten Leuten zu machen. Er liebt diese Band, und ich ebenfalls - Mitch und Jerry genauso. - Wir versuchen, uns dieser Sache zu verschreiben und etwas aufzubauen und von daher denke ich, es fällt uns zunehmend leichter, dieses "Time-Commitment" zu finden.

Wenn ihr Stücke schreibt, denkt ihr dann speziell an die Spieler, die diese Stücke aufführen werden?

Chuck: Absolut! Von Anfang an, wenn ich Stücke schreibe, denke ich speziell an die Leute, die sie spielen werden. Absolut. Mitch, ist das für dich genauso?

Mitch: Nein, überhaupt nicht! Ich probiere einfach vieles aus. Natürlich habe ich das Projekt dabei im Kopf, aber ich probiere, schmeiße den Müll weg und behalte das, was ich für nicht so "trashig" halte.

metro - "metrocafé"

Chuck und Mitch - ihr seid beide Produzenten und Leader - gibt es Streitigkeiten, wenn es zwei Bandleiter gibt?

Mitch: Es gibt zwar einige Unstimmigkeiten, aber die münden dann alle in einen Joke. Wir kennen uns nun schon so lange, es ist wie ein Streit unter Brüdern. Und dann kommt immer etwas Produktives dabei heraus.

Chuck: Die Wahrheit ist - Hand auf´s Herz - in erster Linie die: alle in der Band haben einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor. Tatsächlich gibt es eine ganze Menge von Leuten, die nicht ertragen können, um uns herum zu sein - weil wir die ganze Zeit reden und Witze machen! - Das ist die eine Sache - und außerdem - wie Mitch sagt - ich kann einerseits eine Art Tyrann sein, und andererseits wie ein Kind.

Mitch: Ich denke, am Ende läuft es irgendwo immer auf einen Kompromiss hinaus.

Wolfgang: Für mich sind Mitch and Chuck manchmal wie ein altes Ehepaar. Da sind kleine Meinungsverschiedenheiten - aber am Ende geht alles gemeinsam in die richtige Richtung. - Wäre jeder immer mit allem einverstanden, dann wäre es auf die Dauer langweilig! Diese Spannung ist kreativ ...

Wie wichtig ist es für euch, Spaß in der Musik zu haben?

Jerry: Es ist sehr wichtig - darum dreht sich alles! Wir haben vorher über Persönlichkeiten gesprochen - ich denke, mit dem Musikmachen ist das folgendermaßen: ein Instrument zu spielen stellt lediglich eine Erweiterung von dem dar, was wir sind. Nur wenn wir auch sonst ´rumhängen und Spaß haben können, sind wir dazu auch in der Lage, sobald wir mit den Instrumenten auf der Bühne stehen. Deine Persönlichkeit äußert sich sozusagen bevor sich der Künstler in dir äußert. Man muß befreundet sein, und gut miteinander auskommen - dasselbe passiert dann auch auf der Bühne!

Carina Prange

CD: metro - "metrocafé" (Hipboprecords HIBD 8024)
mehr bei Jazzdimensions: Rezension von "metrocafé"

metro im Internet: www.metrojazz.com

Foto: n.n.; Cover/Art Direction: Colin Parker, Michael Banks (Foto)

Anm.: Dieses Interview erschien in leicht veränderter Form im Jazzpodium 2/2001

© jazzdimensions2001
erschienen: 15.2.2001
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