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Daniel Küffer - Charme und Können

Mit "Playing Elvis" verwirrte der Schweizer Saxophonist die Jazzgemeinde - dabei spielt diese CD ebenso "jazzig" mit Elvis-Themen, wie andere Musiker mit Stücken und Ideen anderen Ursprungs. Presleys Songs als Grundlage zum "Verjazzen" ist trotzdem zum ersten Mal im "Jazzuniversum" versucht worden. - Sehr gekonnt und warmherzig präsentierte Küffer auf der Bühne des Berliner A-Trane am 26. November nicht nur Songs des "Kings of Rock ´n Roll", sondern auch bewährte Stücke seiner eigenen vorhergehenden Jazz-Trilogie.

Mit von der Partie waren an jenem Abend auf der Bühne selbstverständlich Jean Yves Jung (p), Steve Grant (dr) und Philippe Aerts (b).

Daniel Küffer ist nicht nur Bandleader, sondern positioniert sich stets auf ganz bestimmte Art und Weise, die er im hier folgenden, vor dem Konzert geführten, Interview erläutert.

Anm.: Seit kurzer Zeit existiert zusätzlich zu seiner aktuellen Band ein Duoprojekt Küffers mit dem US-Pianisten John Gentry Tennyson - eine erste Tour fand bereits im Dezember 2000 statt.

Carina: Wie bist du und deine Band auf die Idee gekommen, Elvis-Songs zu covern - und daraus eine CD zu machen?

Daniel: Der Ursprung dieses Projekts kam daher, daß ein Verlag und eine Produktionsfirma in Köln eine ganze Serie von Jazzproduktionen mit sozusagen "bekanntem Liedgut" gemacht haben. - In meiner alten Band spielte ein Gitarrist aus Köln, der hat diese Leute gekannt und wir haben uns da eingeklinkt. Aber alle unsere Ideen waren schon "besetzt" - wir kamen schlicht ziemlich spät ins Boot! - Wir mußten also Brainstorming machen und haben so Allerhand ausprobiert. Irgendwann habe ich gesagt: "Na, dann können wir eh´ gleich den Elvis machen!" - Das war eigentlich ein Witz - aber dann sagten alle: "Hey, das ist ja eine gute Idee!"

Letztendlich haben wir es also vorgeschlagen, und auch die Leute vom Verlag waren höchst begeistert - so war der Anfang! Dann kam natürlich noch die Phase, wo wir haben zusehen müssen, ob es überhaupt funktioniert - ob man da Material findet - und, und, und! - Der Ursprung ist nicht etwa, daß ich ausgesprochener Elvis-Fan wäre, sondern es war eher der Reiz an einem Ding, das überhaupt nicht nahezuliegen scheint.

Und zu gucken, ob das klappt: wir haben danach eine Session gemacht, und eine recht große Release-Tour in der Schweiz - über vierzig Konzerte. Sehr lustig, das tatsächlich live zu spielen, weil die Leute dann immer überlegen: "Ist es das jetzt - oder ist es das nicht?" Es ist nicht so direkt erkennbar - man kann diese Songs nicht "einfach so" nachspielen. Die haben wir schon ziemlich heftig zerpflückt.

Carina: Gibt es denn deines Wissens nach andere Jazzbands, die etwas mit Elvis-Songs gemacht haben?

Daniel: Nein, meiner Meinung nach nicht. Ich habe auch ein bißchen Research gemacht. - Es gibt einen Elvis-Song - dessen Titel ich jetzt vergessen habe - der wurde mal von einer Jazzband als "Standard" genommen. Aber sonst - ich habe im Internet und so nachgeforscht - war das in dem Sinne wohl wirklich das erste Mal!

Carina: Davor hast du die drei CDs einer Trilogie eingespielt: "It´s a jam in town", City Boys", "Le bal des singes" - was war denn da das Thema?

Daniel: Im Prinzip sind eigentlich alle drei Produktionen, die sich mit "Wachsen" beschäftigen. Die erste hat das Thema "Kindheit", die zweite Jugend - und die dritte ist das "erwachsene Leben". Und so ist ein bißchen die Musik "gepolt".

Die Kindheit, das ist das "Nachspielen, Herantasten" - es sind viele Standards drauf, und die ganz alten Kompositionen von mir. Auf der zweiten Platte haben wir ein Projekt mit Solistinnen gemacht. Da sind dabei: Annie Whitehead an der Posaune, Ingrid Jensen, Trompete - und die Sängerin Yvonne Moore. Da war logischerweise der "Geschlechterkampf" - der Umgang mit Frauen - das Thema. Wir haben natürlich viel Musik der drei Frauen gespielt. Die dritte CD stellt das "Erwachsenenleben" dar - also "Arbeit": Selber Machen, selber Schreiben, selber Arrangieren. Logischerweise sind da auch alles Eigenkompositionen von mir.

Carina: Wie bist du zum Saxophonspielen gekommen?

Daniel: Meine Familie ist ziemlich musikbegeistert. Meine Eltern waren in Blas- und Volksmusik in der Schweiz aktiv. Ich habe drei ältere Geschwister - ich bin mit großem Abstand der Jüngste, acht Jahre hintendran - die schon sehr heftig am Musikmachen waren, als ich noch ganz klein war. Eine meiner Schwester ist Berufsmusikerin - die spielt Querflöte. Also war eigentlich klar, daß ich irgendwann was in der Richtung mache - es hat mich auch immer fasziniert, wenn man große Geschwister hat, die schon Konzerte geben. Und ich habe einen Onkel, der hat Saxophon gespielt - und das fand ich einfach "wahnsinnig cool".

Schon von ganz klein auf wollte ich Saxophon spielen. Aber meine Hände waren noch zu klein - man braucht mit der linken Hand eine gewisse Handgröße - dann habe ich halt Klarinette gespielt! Ich bin da ein bißchen hängengeblieben, weil ich zwei sehr gute Lehrer hatte. Bis zum Alter von 16 Jahren habe ich klassisch gespielt - dann habe ich mein erstes Saxophon gekriegt, und war eine Woche später schon in einer Band. Das ging ziemlich rasch! Nicht unbedingt gleich Jazz - am Anfang habe ich sehr viel Funk und Blues gespielt. Mit der Zeit bewegt man sich aber fast selbstverständlich ein bißchen mehr in Richtung Jazz, auf diesem Instrument.

Carina: Mit welchen Voraussetzungen arbeiten Jazzmusiker in der Schweiz - wie würdest du die Jazzszene dort beschreiben?

Daniel: Das ist natürlich sehr allgemein. Ich kann es eigentlich nur aus meiner Warte sagen, weil ich ja nicht wirklich weiß, wie es allen anderen geht. Also - von außen gesehen finde ich die Jazzszene in der Schweiz sehr gut. Es gibt auf der einen Seite erstaunlich viele Klubs, Festivals und Venues, wo man was machen kann - sehr viele Schulen, an denen man unterrichten kann. Auch an öffentlichen Schulen wird moderne Musik immer wichtiger, nicht nur im eigentlichen Sinne Jazz - auch Blues, Pop und das Artverwandte, das man davon ableiten kann.

Das Niveau der Musiker ist erstaunlich hoch, weil viele Leute, die in der Schweiz leben, ins Ausland gehen - die studieren in den USA, oder weiß der Kuckuck, wo. Die Schulen in der Schweiz sind sehr gut - es gibt zwei, drei wirklich gute Schulen - und daher passiert eigentlich sehr viel. - Man muß die Größe des Landes sehen - das ist eigentlich ein Klecks, das sind 5,5 Millionen Leute - das ist eigentlich nichts. - Und im Verhältnis dazu gibt es für die Musiker dort sehr viele Möglichkeiten.

Auf der anderen Seite ist es natürlich so, daß auf den prominenten Festivals - wie überall auf der Welt - die Dominanz des "US-Circle", also der US-Amerikaner und was davon abgeleitet wird, sehr groß ist. Schwierig, da irgendwie reinzukommen. -

Ich war ein bißchen in Frankreich, Italien und Deutschland - ich kenne die Scenes dort zu wenig, um wirklich Vergleiche ziehen zu können. Ganz allgemein geht es - denke ich - einem ausführenden Musiker in der Schweiz nicht schlecht. Da ist schon ein bißchen "Boden" vorhanden. Ich kenne Leute in Italien und Frankreich - das ist wirklich sehr hart dort! - da gibt es fast nichts.

Carina: Du bist ja eigentlich in erster Linie Bandleader - wie ist denn das - wünscht du dich manchmal in die Positon des Sideman zurück, wo man nicht ganz soviel Verantwortung hat?

Daniel: Im musikalischen Sinne habe ich das so gelöst, daß ich bei all meinen Sachen, die ich selbst als Leader mache, zwar so ein "bißchen außen vorneweg" bin - als Name! - aber versuche, innen sehr viel von meinen Leuten mitzunehmen. Ich stelle niemanden dafür an, daß er einen Part ´runterspielt, sondern versuche, ihn als Musiker und als Mensch wirklich einzubinden. Das war seit der Gründung des Quartetts so - davor eigentlich auch schon.


Wenn man viele eigene Projekte macht,
bekommt man den Stempel "Bandleader" aufgedrückt.
Man ist nicht mehr unbedingt jemand, der angerufen wird ...

Mit Leuten, die das begreifen funktioniert es sehr gut - und mit Leuten, die das nicht tun - oder nicht wollen - wird es ein bißchen schwierig. Da muß ich auf gewisse Weise den "Arbeitgeber" spielen - das möchte ich eigentlich nicht. Ich sehe mich höchstens als "Projektgestalter" - und dann hat es sich. - Das ist das Eine; das Andere - für mich eigentlich das einzige Problem: wenn man viele eigene Projekte macht, bekommt man den Stempel "Bandleader" aufgedrückt. Man ist nicht mehr unbedingt jemand, der angerufen wird und den jemand in ein anderes Projekt einbindet - weil die Leute denken: "Der macht ja sein Zeug!"

Für mich wäre es rein inhaltlich manchmal schön, irgendwo einfach mitzuspielen. Aber das passiert sehr wenig - im Moment gibt es eine Band aus der französischen Schweiz - da spiele ich halt mit. Wenn man mal selbst so ein bißchen seinen Weg macht, dann entfernt sich ein gewisser Teil der Szene. Nicht bösartig oder mutwillig, das ist einfach ein Prozess, der einsetzt.

Daniel Küffer Quartet - "Playing Elvis"

Carina: Was bedeutet es für dich, Saxophonist zu sein?

Daniel: Für mich ist Musik eine der schönsten Arten der Kommunikation. Unabhängig von Kulturen, von Grenzen - charakterunabhängig zum Teil auch! - Also: daß man mit oder vor Leuten Musik machen kann, zu denen man sonst keinen Draht hätte oder finden würde. Aber das ist eher die Bedeutung der Musik - der Musiker ist eben derjenige, der das ausführt - ich verbinde mit dem Beruf nichts Spezielles.

Das ist für mich mehr so, daß ich mein Leben darauf verwenden kann, Musik zu spielen - wirklich eine der schönsten Arten, mit Leuten in Kontakt zu kommen. Weil es tausend Möglichkeiten gibt, wo man das tun, umsetzen kann. Daraus entstehen auch sehr viele Begegnungen - das finde ich schön. Manchmal sind es Gespräche, manchmal ist es einfach ein gutes Konzert. - Von dem her ist es etwas, was mich sehr erfüllt.

Eine Zeit lang - ich habe nicht immer Berufsmusik gemacht! - habe ich als Produzent gearbeitet - und irgendwann, wenn man den ganzen Tag vorm Computer hockt - hat sie mir sehr stark gefehlt, die Kommunikation. Und die verbinde ich mit dem Musikersein - alles andere ist nicht so wichtig. - Und daß man morgens nicht um sechs Uhr aufzustehen braucht, das ist dann einfach zu schön ...

Carina Prange

CD: Daniel Küffer Quartet - "Playing Elvis"
(BEV/Jazztown)

Daniel Küffer Quartet im Internet: www.dk4.net

Cover: Adrian Siegenthaler, Bern

© jazzdimensions2001
erschienen: 31.1.2001
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