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Bill Evans - "Der persönliche Touch"

Ein langer Weg zum Ziel: je bekannter die Interviewpartner, desto schwieriger der Pfad zum Interview?! Nach einer Verabredung, die nicht stattfand, einigem hin- und hertelephonieren, dem Nachfragen im Café des Quasimodo ... kam dann doch noch die Überraschung: Ich durfte ihn kennenlernen und schließlich auch mit ihm reden:

Mit einem lebenslustigen, energiesprühenden, auf den ersten Blick eher ruhig wirkenden, auf den zweiten aber vor Power fast platzenden Menschen. Bill Evans - der wirklich nur ungerne irgendwo stillsitzt - scheint ständig in Bewegung zu sein. Und er redet genauso rasant...

Bill Evans (Foto: n.n.)

Dem Interview folgen sollte später ein Konzert, in dem Bill seine supergute Tagesform nochmals bestätigte und das Publikum mitriß. Wann hat man in der letzten Zeit im Quasimodo so viele Menschen im Konzert das Tanzbein schwingen sehen?

Carina: Wie kamst du auf die Idee, daß Musik machen dein Beruf sein soll?

Bill: Ich mußte darüber nicht nachdenken, es ist etwas, das ich immer schon gemacht habe. Da war keine Entscheidung, die getroffen werden mußte – es war einfach das, was ich tat.

Carina: Du warst in so vielen Ländern, hast du mal daran gedacht, die U.S.A. zu verlassen?

Bill: Nein, weil es dort ist, wo ich aufgewachsen bin - wo ich lebe. Ich fühle mich da am wohlsten. Ich denke manchmal, es ist dasselbe für jeden – wo auch immer du zuerst bist, wird für dich das Angenehmste bleiben. Obwohl das nicht für jeden wahr ist! – Ich habe nie in Erwägung gezogen, woanders hinzugehen. Ich lebe nicht in der Stadt, ich lebe im Norden, auf dem Lande.

Carina: Es ist nun die elfte CD – wie fühlt sich das für dich an – ist es ein spezieller Moment in deinem Leben oder nur ein weiterer Schritt voran, oder was würdest du sagen?

Bill: Nur ein weiterer Schritt vorwärts – für mich ist alles in meiner Solo-Karriere tatsächlich noch neu, weil ich gerade mal die letzten sieben Jahre mit meiner Band auf Tour bin. Es ist der Anfang der ersten zehn Jahre meiner Solo-Laufbahn. Es ist alles irgendwie neu und frisch. Ich denke, noch fünf Jahre weiter – kann sein, daß ich dann meine fünfzehnte oder sechzehnte CD gemacht haben werde. Dann erst mag man es so ansehen, als wenn ich es eine Zeit lang getan habe. Im Moment erscheint es mir aber noch sehr frisch, weil es weitergeht, weil ich daran arbeite, noch immer an den Einzelheiten ´rumrätsel, die ich spielen will, und ich alles erst aufbaue. Es ist eine sehr neuartige Erfahrung.

Bill Evans - "Touch"

Carina: "Touch" – warum dieser Titel für die CD?

Bill: Weil ich alles selbst produziert, arrangiert und geschrieben habe, und sehr viel "mit Instinkt" daran gearbeitet habe. Ich wollte, daß die CD genau das ist, was ich in meinem Kopf gehört habe. Und so ist es - wie man sagt: "Sie gaben ihm den persönlichen Touch." Das ist das, was ich tat. Ich denke, es ist ein passender, schöner Titel für die CD.

Carina: "Little Hands, Little Feet", was drückt dieses Stück für dich aus?

Bill: Es ist eine Art Meilenstein für mich im kompositionellen Schreiben – ich mag die Art wie die Melodie arbeitet. Das Stück stellt dar, was mein Spielen gerade jetzt ausdrückt. Wie andere Songs auch, aber dieser spezielle Song zeigt ganz besonders das, was ich bei meinem Spielen fühle – es hat es maximal auf einen Punkt gebracht.


Every time when I have taken chances, even when it doesn´t work,
I am usually glad I did, because I learned something every time.
Don´t play it safe – playing it safe is boring!

 

Carina: Wenn du auf Tour bist, wieviel Einfluß haben deine täglichen Stimmungen, wieviele Höhen und Tiefen gibt es – ich denke, es ist schwer, einen Abend nach dem anderen ständig zu spielen?

Bill: Die lustige Sache ist, ich kann total müde sein, vollkommen müde von zwanzig Stunden Fahren oder so. Aber in der Minute, wo ich anfange, auf der Bühne zu spielen, bekomme ich einen Adrenalinstoß und ich bin inspiriert durch die Leute, die uns anschauen, die uns nie zuvor gesehen haben. Und sie sind inspiriert, eine gute Show zu hören und zu sehen. Und das ist es, was mir meine Energie gibt – auch wenn ich direkt nach der Show zusammenklappen würde. Aber währenddessen bekomme ich aus irgendeinem Grund immer die Energie, die ich brauche, um zu spielen. Das ist eine außergewöhnliche Sache. – Nach ungefähr eineinhalb Monaten bin ich fertig um nach Hause zu gehen, und eine Pause zu machen - auch deswegen, weil ich andere Interessen habe. Ich mag viele andere Dinge tun. – Aber wenn ich für zwei Stunden auf der Bühne spiele, fühlt es sich großartig an, egal wie müde ich bin. Manchmal habe ich sogar besser gespielt, wenn ich sehr, sehr müde war. Ich weiß nicht, warum das so ist.

Bill Evans (Foto: n.n.)

Carina: Hast du eine Art Lebensphilosophie?

Bill: (und diese Antwort auf Englisch, weil es in der Originalsprache einfach besser klingt:)
"Be free and do what you feel." – No, I would say, my philosophy of life is – as much as you can don´t be afraid to take chances! Every time when I have taken chances, even when it doesn´t work, I am usually glad I did, because I learned something every time. Don´t play it safe – playing it safe is boring. You know, you only get one chance at life to do what you want to do. - When I am 75 years old, I want to get to that point: I want to be able to sit down and to be able to tell crazy stories at things I did. That´s a good answer.

Carina Prange

© jazzdimensions1999
erschienen: 10.10.1999
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