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Tilmann Dehnhard - "Vier Ur-Elemente"

Harmonie, Ruhe, die vier Ur-Elemente Wasser, Erde, Feuer, Luft verbunden mit Wind und Wellen, das sind Begriffe, die einem in den Sinn kommen, wenn man der Musik von Jazz Indeed oder auch Tilmann Dehnhards Solostücken lauscht. Seine persönliche Ausstrahlung ist von ebensolcher Ausgeglichenheit geprägt wie seine Musik – gekoppelt mit Spaß am Leben und am Musizieren.

Tilmann DehnhardTilmann Dehnhard, 1968 in Darmstadt geboren, lebt seit seinem fünften Lebensjahr in Berlin und hat mit 12 Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Es folgte Gitarrenunterricht in der Schule und mit 16 Jahren traf Tilmann Dehnhard die Entscheidung, Musiker zu werden – damals übte er schon morgens vor der Schule fleißig im Keller das Flötenspiel. Zum Saxophon übergewechselt hat er erst während seines Studiums an der HdK, "weil man nur mit Flöte im Jazz eigentlich nicht viel zu melden hat. Du kannst in keiner Bigband spielen und den besten Anrufbeantworter der Welt haben, es ruft niemand an, weil er einen Flötisten braucht. Den Job gibt es einfach nicht – das sieht mit Saxophon schon erheblich anders aus."

Ein Stipendium ermöglichte Tilmann den Unterricht bei David Liebman und Liebman ist für ihn bis heute ein Vorbild dahingehend, daß "er grundsätzlich, wenn er ein Projekt angeht, es auch beendet. Das ist einfach eine sehr gute Arbeitseinstellung und damit kommt er auch sehr weit." Ein weiteres musikalisches Idol stellt Rahsaan Roland Kirk dar, "der nicht nur drei Saxophone gleichzeitig spielen konnte, sondern auch unglaublich Flöte gespielt hat und vor allen Dingen durch die vegetative Kraft in seinem Spiel überzeugend war".

90% seines Lebens – wenn man die Schlafenszeit mal abzieht – verbringt Tilmann mit der Beschäftigung mit Musik. Er fühlt sich dabei nicht als workaholic und kommt nebenbei auch noch dazu, öfter mal ein Buch zu lesen, regelmäßig Aikido zu trainieren, ins Kino zu gehen, sich mit Freunden zu treffen und Zeit mit seiner Freundin zu verbringen.

Bei soviel Einsatz für die Musik ist es nicht weiter verwunderlich, daß Tilmann – abgesehen von dem Hauptprojekt Jazz Indeed inzwischen auch ein eigenes Quartett hat (Tilmann Dehnhard Quartett), mit Nicolai Thärichen ein Duo führt (Til & Nic), in einem Saxophonquartett mitspielt (Licence to blow) und sich gerade in einem Solo-Projekt versucht.

Ansonsten sind es die Erfahrungen auf der Bühne, die Tilmann immer wieder das Gefühl geben, daß er für das, was er macht, zurückbezahlt wird. "Das Irre ist ja bei diesen guten Konzerterlebnissen, daß man von denen gar nicht soviel mitkriegt, weil man so sehr in der Musik drin ist. Das ist ein bißchen so wie Bobfahren oder auf jeden Fall eine unglaublich schnelle Fortbewegung. Das hat dann damit, daß Zeit vergeht, gar nicht mehr so besonders viel zu tun, man ist so mittendrin und schaut sich nur mal kurz um und denkt: ´Mensch, ist das geil hier´ - und dann muß man ganz schnell weitermachen."

Tilmann ist der Ansicht, daß es keinen Sinn macht, lediglich für das Publikum zu spielen bzw. Musik nur zielgerichtet zu spielen. "Aber es gibt etwas Außersprachliches, das vermittelbar ist. Und so ist schon eine Art von Kommunikation möglich und es ist nicht alles in den Wind gespielt."

Die erste Antwort, die Tilmann auf die Frage nach einer Lebensphilosophie gab, sei an dieser Stelle festgehalten, weil sie viel bildhafter ist als tiefschürfende Kommentare: "Das Leben hat eine schöne Melodie, aber manchmal läßt der Text zu wünschen übrig – und wenn dir der Text nicht paßt, dann pfeif´ doch drauf......." Die zweite Antwort ist dann bei ihm selbst zu erfragen.Tilmann Dehnhard

Ergänzungen zum Portrait: Tilmann Dehnhard ist ab August ´99 für ein Jahr an der "Pontificia Universidad Javeriana" von Bogota tätig. Er hat dort eine Gastprofessur inne, um vor Ort einen Jazzstudiengang aufzubauen.

Im Januar 2000 tritt er in Berlin nichtsdestotrotz mit dem Tilmann-Dehnhard-Quartett und im Duo auf, und gibt im Mai einen Jazzworkshop für Flöte und Improvisation (Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V.).

Carina Prange

Photos: Jörg Grosse Geldermann/NEXT
 

© jazzdimensions2000
erschienen: 2.8.1999
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