Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / interviews / szene berlin / 2006

Lyambiko - "Sängerin aus Leidenschaft"

Wenn die Sängerin Lyambiko auf der Konzertbühne von ihrem Bandkollegen Torsten Zwingenberger vollmundig mit den Worten "The most beautiful voice in Swing, Latin and Soul Jazz!" angekündigt wird, ist das ein Moment, an dem ihr, wie sie sagt, die Röte ins Gesicht steigt. Dennoch - völlig unbegründet erscheint diese bewußt hochgreifende Vorstellung nicht: Lyambiko gilt als eine der "besten Stimmen" Berlins, ist Frontfrau, Vorzeigesängerin und somit auch Aushängeschild der nach ihr benannten Band.

Lyambiko

Die Gruppe bestehend aus ihr, Torsten Zwingenberger (dr), Marque Löwenthal (p) und Robin Draganic (b), tourt fast ununterbrochen und bezwingt Sprosse auf Sprosse der Leiter, die sich "deutsche Jazzcharts" nennt.

Auf dem Hamburger Label "Nagel Heyer Records" erschienen ist das swingende Debutalbum "Out of this mood" - mit einem Erfolg, der international von sich reden macht und die Band immer wieder von neuem überrascht. Der herzlichen, persönlichen Ausstrahlung der 27-jährigen Sängerin Lyambiko tut die Erfolgsgeschichte keinen Abbruch.


In einem Interview mit Carina Prange äußert sie sich zu ihrem Einstieg in den Jazz, ihrer Band, ihren Plänen und dem Standort Berlin.

Carina: Der "Work Song" der neuen CD scheint genau für dich gemacht - warum ist eher die Barmusik der 40er/50er Jahre dein Thema, wo sich deine Stimme so wunderbar für den Blues eignet - wie wäre es mit einer Orientierung in diese Richtung?

Lyambiko: Das haben die Kollegen auch schon zu mir gesagt: "Wie wäre es, wenn du mal Blues singen würdest?" Zum Beispiel Marque Löwenthal, der Pianist, meinte: "Du könntest Blues machen und dann könntest du alles rauslassen." - Und er fügte hinzu, das sei total einfach, Blues sei das Einfachste was es gäbe. Genau da bin ich anderer Meinung - ich habe sehr viel Respekt davor: manchmal fühlt man sich nach Blues und manchmal nicht.

Lyambiko - "Out Of This Mood"

Carina: Du bist in Thüringen aufgewachsen und deutsch-afrikanischer Herkunft - wie wirkt sich dieser Spagat zwischen den Kulturen auf dein Leben aus? Fühlst du dich in einer multikulturellen Stadt wie Berlin wohler?

Lyambiko: Ich mag das Lebensgefühl dieser Stadt, ich finde es klasse, in Berlin zu leben. Wenn man sich vorstellt, wie ich in einer thüringischen Kleinstadt aufgewachsen bin - da waren wir schon so etwas wie die "kleinen grünen Männchen mit drei Beinen"- etwas Besonderes schon aufgrund der Erscheinung. Als ich vor drei Jahren nach Berlin kam, habe ich gesehen, daß es hier total bunt ist. Es ist ganz egal ist, wie man aussieht, was einerseits gut ist, - man fühlt sich wohl zwischen den vielen verschiedenen Kulturen -, andererseits merkt man, daß man "so besonders" gar nicht ist.

Meine Abstammung bedeutet keinen "Spagat zwischen den Kulturen", da mein Vater ziemlich früh weggegangen ist. Ich kann mich allerdings noch an ihn erinnern - ich war ca. 6 Jahre alt. Aber von der Mentalität bin ich doch eher deutsch - wenn ich Kontakt mit Afrikanern habe, merke ich schon, daß sie eine ganz andere Lebensart und Denkweise haben.

Lyambiko

Carina: Dein Name - Lyambiko, hat der eine Bedeutung?

Lyambiko: Ein Name steht für etwas. Man muß Aufmerksamkeit erregen und das gelingt über den Namen. Mein bürgerlicher Name ist eher ein Allerweltsname - ich verwende meinen Familiennamen väterlicherseits: mein Vater heißt Raphael Appolinari Lyambiko. Und ich weiß, daß er vor zwanzig Jahren auch Musik gemacht hat und von daher paßt das.

Eine Anekdote hierzu: er hat mit einer Gruppe zusammengespielt, die sich im Free-Jazz-Bereich bewegt und die Fusion zwischen Jazz und afrikanischer Folklore gemacht hat. Ich bin - durch Zufall - mit 17, 18 Jahren in die gleiche Band gekommen und habe erfahren, daß mein Vater dort früher dabei war. Sie haben mir Aufnahmen und alte Photos gegeben und waren furchtbar aufgeregt. - Ich denke, daß ich das Interesse an Musik ein Stück weit meinem Vater zu verdanken habe - wahrscheinlich wird das schon irgendwie vorgelebt.

Carina: Songs oder Lyrics selber schreiben, wäre das interessant für dich?

Lyambiko: Ich habe das als Teenager gemacht, aber jetzt erstmal außen vor gelassen, um mit den Standards zu arbeiten, die wir haben. Wir planen eigene Stücke - unser Pianist beispielsweise schreibt Stücke, und ich habe vor, die Texte dafür zu schreiben.

Das ist in Arbeit und soll dann auch auf die nächstes Jahr nachfolgende CD. Koste es, was es wolle - man muß ja auch Eigenkompositionen machen! (lacht) - Das ist wirklich etwas sehr Schönes, daß man etwas von sich selber gibt...

Carina: Das Projekt "Löwenthal, Zwingenberger, Draganic" gab es ja bereits bevor du zur Band kamst - kommst du dir manchmal seltsam vor mit diesen "älteren Herren" in einer Band? Macht es sich bemerkbar, daß du das neueste Bandmitglied bist?

Lyambiko: Ja, natürlich macht sich das bemerkbar -, aber ich glaube, das größte Problem ist meine relative Unerfahrenheit. Ich sehe, sie machen seit Jahren Musik, und als Profis wissen sie genau was sie tun. Die Gruppe gibt es jetzt seit Anfang letzten Jahres und noch komme ich mir manchmal vor wie das "kleine dumme Kind". Dann verstehe ich gar nicht, weshalb sie gelegentlich sogar nach meiner Pfeife tanzen, wenn ich sage: "Ich will das Stück und ich will es so!" Und sie sagen: "O.k." - das ist schon irgendwie merkwürdig.

Lyambiko & Band

Es ist zwar nicht unbedingt das einzigste Problem - aber schon oft komisch, wenn mir mal wieder auffällt: "Ups, ich bin hier die einzige Frau in der Gruppe!" Es gibt einfach diesen Zusammenhalt zwischen Männern - noch dazu, wenn sie sich so lange kennen. - Dafür, daß sie alle drei Männer sind und sich eben so lange kennen, kann ich mich, glaube ich, ganz gut durchsetzen.

Carina: Wer sucht eigentlich bei euch die Songs aus? Ist die Band demokratisch strukturiert -oder hat jemand die Führung?

Lyambiko: Also, zunächst fingen wir mit meinem vorhandenen Repertoire an - die anderen meinten, es sei ein gutes Repertoire, weil es aus relativ selten gesungenen Standards bestand. Heute sage ich immer, wenn jemand ein Stück hat, das ihm am Herzen liegt, dann soll er es zur Probe mitbringen.

Letztendlich muß die Band aber meine Entscheidung akzeptieren, es gibt eben Songs, die würde ich einfach nicht singen. - Wenn ich singe, dann bin ich es, die dort vorne steht. Ich muß es empfinden können, ich muß dafür gerade stehen können.

Carina Prange

Das Interview erschien bereits im Jazz Podium, Ausgabe 10/02

CD: Lyambiko - "Out of this Mood" (Nagel Heyer Records 2021)

Nagel Heyer Records im Internet: www.nagelheyer.com

Lyambiko im Internet: www.lyambiko.de

Fotos: Dank an Thorsten Zwingenberger

© jazzdimensions2002
erschienen: 28.10.2002
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: