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Kati Albert - "Gesangslehrerin mit Herz"

Kati Albert gehört zu jenen Gesangslehrerinnnen, die einen hohen Anspruch an sich selbst und ihre SchülerInnen stellen. Und das nicht aus einer Laune heraus, sondern durchaus zu Recht: denn nur so kann sie ihre "Adlatusse" zu einem "organisierten Weg mit Erfolgsaussichten" führen. Darüber hinaus ist sie Veranstalterin der inzwischen in Berlin mehr als bekannten "Berliner SängerInnenbörse" - und fällt auch durch ihren besonderen Lebenswandel aus dem Rahmen: jeweils für eine Woche weilt sie in Deutschland, für die andere in Budapest.

Kati AlbertKati Albert (Foto: n.n.)

Die Musik wurde ihr schon sehr früh mit auf den Weg gegeben, denn zuhause in Budapest "gab es stets so etwas wie gepflegte Hausmusik, jeder in ihrer Familie spielte mit mehr oder minder hohem Anspruch ein Instrument." Die Idee, ihr Studium in diese Richtung auszulegen, war also nicht unvorhersehbar - aber eine Einschränkung hatte sie sich vorgenommen: "Ich wollte im Gesangsbereich alle Richtungen studieren - außer Klassik!" Demzufolge wurde also die Jazzmusik einer der Schwerpunkte, und ihr fühlt sie sich noch immer besonders verbunden. In Budapest studierte sie Gesang unter anderem bei Attila Garay, später wurden Norbert Gottschalk, Judy Niemack, Phil Minton und andere ihre Lehrer - heute unterrichtet sie selbst sehr erfolgreich.


Ich habe als Straßenmusikerin angefangen -
manchmal zehn, zwölf Stunden am Tag gespielt ...

Wie hat nun eine junge Frau, damals wohl so hübsch wie heute, nach Deutschland verschlagen? Natürlich auch wieder die Musik - zumindest zunächst. Die Fahrten waren ein Abenteuer für sich: "Ich war hier mit einem himmelblauen Trabi 'on tour' in Deutschland, und habe sozusagen ganz unten - also als Straßenmusikerin - angefangen. Acht Jahre lang hatte ich einen Duopartner, mit dem ich exzessive Trabitouren veranstaltete. Hier sind wir in allen Großstädten gewesen, haben manchmal zehn, zwölf Stunden am Tag gespielt - bis die entsprechenden Summen zusammen waren. Übernachtet haben wir dann im Trabi ... - In kleinere Kneipen wurden wir oft von der Straße aus eingeladen, am Abend zu spielen. Das wäre heute leider so nicht mehr möglich."


Musik und Segeln: Sail and Sing ...

Nachdem sie zwischendurch in Nürnberg gelebt hat, kam sie nach Beendigung ihres Studiums 1991 nach Berlin. Nicht etwa, weil Berlin die" tolle Stadt für die Musik" gewesen wäre, sondern weil es die "einzige Schnittstelle zwischen Musik und Segeln darstellte." - Denn das Segeln ist Kati Alberts favorisiertes Hobby - eine Freizeitbeschäftigung, für die sie im Augenblick leider auch nur selten Zeit hat.

Denn es hat sich etwas Grundlegendes verändert: Seit 1997 pendelt Kati Albert ständig zwischen Berlin - wo sie in erster Linie unterrichtet - und Ungarn - wo ihre Kinder leben, denen sie auf diese Weise für wenigstens zwei Wochen im Monat eine hingebungsvolle Mutter sein kann. Der ständige Wechsel zwischen Berlin und Budapest - jeweils eine Woche dort, dann eine Woche hier - kostet Zeit und Nerven: "Ein Tag der Woche geht für Fahrzeit drauf." - Dieses Leben zwischen zwei Welten erfordert zweierlei: enorme Disziplin und Ausdauer.

Flyer der "8. Berliner Sänger und Sängerinnenbörse" (1999)

Wenn Kati Albert in Berlin unterrichtet, stürzt sie sich mit Leib und Seele in die Arbeit. Dabei bietet sie ihren SchülerInnen viel - will aber auch etwas zurückbekommen: nicht "lediglich Freundlichkeit, sondern vor allem einen hohen Grad an Motivation" seitens ihrer Schüler erwartet sie. - Waren die jungen, angehenden SängerInnen vor einigen Jahren noch mit ganzem Herzen dabei und haben auch mal "Opfer gebracht" - z.B. auf das ein oder andere Freizeitvergnügen verzichtet - so stellt sich die Lage heute anders dar: "die Zeit ist kurzlebig; die jungen Menschen haben hohe Erwartungen - wollen aber nichts investieren - und möchten soviele verschiedene Aktivitäten in ihrem 'Tagesablaufplan' unterbringen, wie nur irgend möglich." - Das nimmt zwar oft auch Kati Albert ein wenig von ihrer eigenen Motivation - dennoch hält sie an ihren Konzepten fest, will mit den jungen Leuten "etwas gemeinsam entwickeln, etwas wachsen lassen."


Menschen interessieren mich nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder Nationalität - das finde ich vollkommen unwichtig.

Erstaunlich ist, daß in es in Berlin keine "ungarische Community" zu geben scheint - zumindest keine, von der Kati Albert wüßte. Für sie ist das aber auch von geringfügiger Wichtigkeit: "Nur weil jemand jetzt Ungar ist oder nicht, wird er mir nicht näher oder ferner stehen. Menschen interessieren mich nicht aufgrund ihrer Hautfarbe oder Nationalität - das finde ich vollkommen unwichtig."

Kati Albert hat weitere Projekte in Planung, bzw. will die vorhandenen - SängerInnenbörse, Livemusiktraining (an der Landesmusikakademie), Vocalensemble (einmal im Monat), Gesangstheorie (zweiwöchentlich), Sommermusikcamp (am Plattensee) - auf jeden Fall weiterhin aufrecht erhalten. Hinzukommen soll aber über kurz oder lang noch eine weitere Unterrichtsschiene: "Geschichte der Jazzmusik". - Jedoch - es erweist sich tatsächlich bereits als problematisch, so etwas wie "Besitzstandswahrung" zu betreiben: "Diese ganzen Projekte vergleiche ich immer mit einem Fahrrad - ich muß stets treten, um es in Bewegung zu halten. Und vieles muß lange im voraus geplant werden, damit es irgendwann möglich wird."

Die Tatsache, daß Kati Albert stets äußerst engagiert ist, macht es wichtig, wie sie findet, daß sie die ihr zur Verfügung stehende Energie sinnvoll einsetzt. Ein wenig, sagt sie, hilft ihr dabei folgender Spruch, den sie auch gleichzeitig als ihr Lebensmotto betrachtet:
"Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden."
(Chr. Friedrich Oetinger)

Carina Prange

 

© jazzdimensions2000
erschienen: 17.12.2000
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