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Karl Schloz - "To make people feel good"

Wenn von "Swing" die Rede ist, wird oft nur an die lang vergangene Swing-Ära gedacht. Doch in der Gegenwart, und im Zusammenhang mit Karl Schloz, bedeutet "Swing", daß die Musik eben swingt - so wie andere groovt. Der Titel von Schloz´s neuer CD läßt auf Feinfühliges schließen, und "A Smooth One" steht auch für Kompositionen, die subtil und sanft für ein gutes Feeling beim Hörer sorgen. Was diesen dann aber angenehm umschmeichelt, ist nicht etwa "Smooth-Jazz", sondern der Klang eines soliden Trios aus Gitarre, Klavier und Baß.

Karl Schloz

Carina: Deine Musik wird oft als "contemporary swinging music" bezeichnet. Wie würdest du in diesem Zusammenhang den Begriff "Swing" definieren und was bedeutet Swing für dich?

Karl: Ich würde meine Musik nicht dem Gattungsbegriff "Swing" zurechnen - damit bezeichnet man eine bestimmte Ära in den 30igern - Benny Goodman, Count Basie etc. - wovon bin ich zugegebenermaßen auch stark beeinflußt bin. Das Wort "Swing" ist für mich der Name für eine Stimmung, die mich erfüllt, wenn ich mir Musik anhöre, wenn ich selber Musik spiele. Es ist eine Art von Spannung, erzeugt das Gefühl einer vorwärtsstrebenden Bewegung. Die besten Spieler dieser Ära haben diese Stimmung in höchstem Maße kultiviert.

Für mich - was meine Musik angeht - soll das nicht heißen, daß ich in irgendeiner Form "retro" spiele, oder mich darauf beschränke, Stücke aus dieser Zeit nachzuspielen. Auch wenn ich mich selbst als einen "Modern Player" bezeichne, ist, was ich spiele, sehr in der Tradition verwurzelt. Es ist aber nicht so, daß ich versuche, einer bestimmten Zeit verhaftet zu bleiben - ich lebe ja schließlich auch in der Gegenwart.

Carina: Alle Songs auf deinem Album "A Smooth One" sind Fremdkompositionen. Aus welchem Grund ist das so? Wie sieht das mit deinen eigenen Kompositionen aus? Ziehst du das Spielen dem Komponieren vor?

Karl: Ich habe viel mehr Erfahrung im Spielen als im Komponieren. Dennoch schreibe ich auch selber Stücke. Mein nächstes Album wird voraussichtlich überwiegend Eigenkompositionen beinhalten. Ich bin der festen Überzeugung, daß auf der einen Seite Spieler und auf der anderen Seite Schreiber geben muß. Der Fall, daß beide in derselben Person erscheinen - und beides gleichermaßen gut -, ist sehr selten. Ich betrachte mich selber viel eher als Ausführender denn als Komponist. Als letzterer muß ich noch Erfahrungen sammeln, aber es entwickelt sich dahin, daß sich mein Schreiben mehr und mehr verbessert.

Carina: Wie sieht es aus - spielst du auch noch irgendein anderes Instrument neben der Gitarre?

Karl: Ich spiele zwar ein bißchen Klavier, aber nur für die Musikschule - ich würde das niemals im Bereich meiner Arbeit als Musiker machen. - Also nur die Gitarre - obwohl: nicht "nur" die Gitarre ... - Ich glaube an die Gitarre als Instrument: sie kann einerseits sehr orchestral sein - wenn ich aber Rhythmusgitarre spiele, betrachte ich das oft als die "wahre" Gitarre.


... also nur die Gitarre - für mich reicht es aus,
mich mit diesem einen Instrument zu beschäftigen!

Mein Lehrer, Bucky Pizzarelli, sprach eine Menge über die vielen Richtungen und Möglichkeiten des Instruments. Oft, wenn ich seine Bands hörte, klangen sie nach einer ganzen Bigband - das lag daran, wie er die Gitarre spielte. Es hörte sich nach soviel mehr, soviel größer an. Und im nächsten Moment hörte es sich an, wie klassische Sologitarre, dann wie Jazz-Gitarre - mit einem intimeren Sound: sehr subtil und filigran.

Carina: Du spielst eine siebensaitige Gitarre - kannst Du uns Näheres über das Instrument und seine Spieltechnik erzählen?

Karl: Ich spiele eine handgebaute siebensaitige Gitarre von Bill Moll, einem Gitarrenbauer aus der Nähe St.Louis. Mein Hauptinstrument, und eine wirklich schöne Gitarre! Obwohl sie einen Tonabnehmer besitzt, ist sie eigentlich dafür gedacht, rein akustisch gespielt zu werden. - Der erste Jazzgitarrist mit sieben Saiten war ja George Van Eps, der in den 30er Jahren damit anfing.

Die siebente Saite - das habe ich von Bucky Pizarelli - wird zum tiefen A gestimmt, eine Oktave unter der 5. Saite. Genau der Ton der A-Saite auf dem Bass. Das erlaubt einem, in den ganzen b-Tonarten zu spielen, As oder Es - und dabei echte Bassnoten zur Verfügung zu haben. Normalerweise ist der tiefste Ton der Gitarre ein E - spielt man also in Es, so ist der tiefste Basston beinahe eine Oktave darüber, also eigentlich kein Basston mehr.

Mit der siebten Saite kann man besser orchestrieren, ähnlich dem "drop-voicing" am Klavier. Das eignet sich hervorragend, um einen Sänger in einem Duo zu begleiten - es erweckt den Eindruck einer größeren Besetzung, als ob ein Bass dabei wäre. Das gibt dem Sänger ein angenehmeres Gefühl, er hört Bass und Akkorde. Auch beim Solospiel habe ich die Möglichkeit in einer Lage hohe und tiefe Töne zu spielen.

Karl Schloz

Außerdem besitze ich eine Benedetto "Manhattan" - gebaut von Bob Benedetto, dem möglicherweise berühmtesten aller Gitarrenbauer. Eine extrem schön klingende Gitarre, die ich vor allem im Studio benutze. Allerdings auch sehr empfindlich - nicht daß ich Angst hätte, sie aus dem Koffer zu nehmen, aber wenn ihr etwas passiert wäre sie quasi unersetzlich. Als Rhythmusgitarre verwende ich am liebsten eine 1939er Epiphone Deluxe - die früher Bucky gehört hat, er hat sie in den 40ern gespielt.

Carina: Spielst du nur in kleinen Formationen - etwa im Trio oder im Quartett - oder auch in Bigbands?

Karl: In der Zeit, in der ich in New York arbeitete, war es meine wichtigste Erfahrung, in einer Bigband zu spielen - die "Tony Corbiscello"-Bigband. Zweieinhalb Jahre lang habe ich stets zwei Gigs pro Woche mit seiner Band gehabt. Ich spielte bei ihm fast nur geradlinige Freddy Green-Count Basie -Rhythmusgitarre.

Das war ein großer Einfluß auf mein Spiel - soweit es das Lernen dessen betraf, was "Timing" wirklich bedeutet, oder das Lernen von Tunes. Ich habe hunderte von Tunes gelernt, die natürlich alle von der Bigband-Ära herkamen. Das hatte einen großen Effekt auf mein Repertoire - und alles was ich spiele, tendiert noch immer gerne in diese Richtung.

Soweit es meine eigenen Bands betrifft, halte ich die Besetzung kleiner - für mich ist da mehr zu tun. Und es gibt eine größere Chance, Auftritte zu bekommen! Die Frage der Ökonomie spielt natürlich auch eine Rolle - es ist viel billiger, eine kleinere Gruppe am Laufen zu halten, verglichen mit einer Bigband.

Karl Schloz - "A Smooth One"

Carina: Dein Album hat den Titel "A Smooth One" - hat das etwas mit dem zu tun, was aus kommerziellen Gründen momentan "Smooth Jazz" genannt wird?

Karl: Nein, es war ausschließlich meine Idee, das Album so zu betiteln. Nagel-Heyer-Records - Frank Nagel-Heyer, - meinten, wir sollten aber sicher gehen, daß die Leute begreifen, daß es kein Smooth Jazz ist. Und es ist sicherlich keiner! - Es sind eine ganze Menge Kompositionen auf der Platte, die lose mit Benny Goodman in Verbindung gebracht werden können.

Als ich dabei war, mir über den Namen des Albums Gedanken zu machen habe ich an diese Ära gedacht. Es gibt tatsächlich einen bestimmten Song, ich weiß nicht genau, ob er von Benny Goodman geschrieben ist - aber er heißt "A Smooth One", ein Stück, das jeder schon mal gehört hat. Ich habe es zwar auf dem Album nicht gespielt, aber ich dachte, daß der Titel einfach paßt. Weil die Musik eine solche Atmosphäre hat, gleichzeitig beruhigend und intensiv - auf eine sehr sanfte Art und Weise.

Carina: Die Magie von Rhythmusgitarre und "subtle harmonie" - um dich zu zitieren - scheint für dich sehr wichtig zu sein. Welche Techniken benutzt du, um dieses Ziel zu realisieren?

Karl: Nun, Rhythmusgitarre ist primar eine unterstützende Rolle, was ich mag! - ungefähr zur Zeit Wes Montgomeries gab es diesen Split bei den Gitarristen. Noch in den späten 50ern konnte man das Gitarrenspiel ganzheitlich betrachten. In den 60er Jahren schlüpften Gitarristen solistisch gesehen in die Rolle der Bläser, spielten die Melodie.

Davor waren alle Gitarristen auch großartige Rhythmusgitarristen - Herb Ellis, Charlie Christian, Barney Kessel - alle spielten auch hervorragend Rhythmus. Das war Teil des Gitarrenspiels - die unterstützende Rolle für die Band. Das macht sie für mich zum Teil der Rhythmusgruppe, zusammen mit Bass, Klavier und Schlagzeug.

Wenn die Rhythmsection gut zusammenspielt - "locks up" - dann verhält sie sich wie ein einziges Instrument. Für mich ist das das Größte - außerdem macht es Spaß! Es gibt dem Solisten eine verläßliche Basis um sich festzuhalten - außerordentlich wichtig, aber immer weniger Gitarristen möchten sich in dieser unterstützenden Position sehen ...

Karl Schloz

Was ich als "subtle harmonies" bezeichne, geht darauf zurück, wie ich den Jazz grundsätzlich betrachte. Es gibt gewisse Traditionen, Songformen, Chordchanges. Nicht daß ich nur so spielen möchte, ich meine, daß sich Musik entwickeln muß - aber sie sollte auch einen Ursprung besitzen. Aber es ist immer gut, bei den Grundlagen anzufangen und ab da zu variieren. Nur ganz behutsam - Leute sollen sich nicht Sachen anhören müssen, die "schwierig" klingen, um den Eindruck zu erwecken, auch schwer zu spielen zu sein. Zuhören sollte keine "Arbeit" sein.

Harmonien können sehr komplex sein, sich dabei aber immer noch angenehm anhören - das ist es, was ich anstrebe. Eine gewisse Komplexität, die aber dem Zweck dient, schöne Musik zu machen, und sowohl dem Hörer als auch den Musiker in mir befriedigt.

Carina Prange

Nagel-Heyer-Records im Internet: www.nagelheyer.com

Bill Moll Instruments im Internet: www.mollinst.com

Fotos: Carina Prange

Cover: wœllergestaltung, Hamburg

Anmerkung: Eine ungekürzte Version dieses Interviews erschien im Jazzpodium 2/2002

© jazzdimensions2002
erschienen: 14.2.2002
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