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Dirk Strakhof - "Über Afrika nach Osteuropa"

Jazzbassisten gibt es wie Sand am Meer. Jazzbassisten, die ehemals Gitarristen waren, und deren Baßspiel dadurch hörbar geprägt ist - wie es bei Dirk Strakhof der Fall ist - sind schon seltener. Wirklich einmalig aber ist Strakhofs Projekt "Batoru". Diese Band hat sich bereits durch Festivalauftritte einen Namen gemacht - ihr Repertoire wird in erster Linie durch Strakhofs Kompositionen bestimmt.

Batorus Instrumentenkombination ist ebenso ungewöhnlich wie der resultierende Sound: Stimme (Michael Schiefel), Akkordeon (Peter Ralchev), Marimba/Vibraphon (Franz Bauer), Bass (Dirk Strakhof, Foto) und Percussion/Tupan (Stoyan Yankoulov). Abgesehen hiervon ist ein bulgarisch-deutsches Lineup auch heute noch eine Seltenheit - zumal die beiden beteiligten Bulgaren nicht in Deutschland leben.

Batoru war nicht immer ein nach Osteuropa ausgerichtetes Projekt. Ursprünglich begann alles mit einer Reise Dirk Strakhofs nach Afrika, die den Grundstein für seine afrikanisch-deutschen Impressionen legen sollte: Strakhof nahm 1995 an einem Percussion-Kurs in Gambia teil. Und dann hatte er das Glück durch zwei weitere Reisen dreimal in einem Jahr in Afrika zu sein.

Strakhof: "Speziell dieser Percussion-Kurs hat mich inspiriert, was ich aber erst gemerkt habe, als ich wieder in Berlin war. Innerlich liefen diese ganzen Rhythmen immer weiter, und wenn ich mich daran setzte, ein Stück zu schreiben, tauchten wieder kleine Schnipsel davon auf. Ich habe das nicht etwa gründlich studiert, sondern diese Rhythmen einfach in mich reingelassen. Die daraus entstandenen Stücke sind also keine afrikanischen Stücke in eigentlichen Sinne. Mich haben diese minimalistischen Sachen sehr interessiert - vor allem war der Sound der Trommeln ständig präsent. Das Ergebnis sollte eine Hommage an Afrika darstellen."

Die Wendung des Projektes hin zu bulgarischen Rhythmen und Instrumenten entsprang einer Inspiration auf dem 98er Festival "Jazz across the border". Strakhof sah und hörte Stoyan Yankoulov auf seiner bulgarischen Trommel, der Tupan, spielen und war begeistert:

Strakhof: "Yankoulov beim Spielen zu sehen ist faszinierend - totale Ruhe und bewegtes, aufregendes Spiel wechseln sich ab - dabei scheint er dennoch in sich zu ruhen. Schon das Instrumentarium fand ich phantastisch - zusätzlich war für mich entscheidend, daß ich einen Percussionisten für mein sich veränderndes Projekt haben wollte - kein Drumset."

Batoru (rechts: Yankoulov)

Nachdem Strakhof Yankoulov für eine Zusammenarbeit gewinnen konnte, war das Festival "Jazz across the border 1999" Auslöser für die Umsetzung eines gemeinsamen Bandprojektes - der künstlerische Leiter Günther Huesmann hatte gefragt, ob die beiden nicht etwas gemeinsam präsentieren wollten. Strakhof holte sich zusätzlich den Vibraphonisten Franz Bauer, sowie den Akkordeonspieler Peter Ralchev mit ins Boot, dessen ausgefallenes Spiel ihn auf einem Demoband fasziniert hatte.

Das heute auf Batorus aktueller CD "Tree of Sounds" zu hörende Ergebnis ist eine Mischung aus Jazz und Weltmusik, elektronischen Klängen und traditionellen Instrumenten. Dialoge finden statt zwischen dem Sänger Michael Schiefel und der Tupan, das Akkordeon wirkt auch an Stellen ohne weitere Begleitung noch expressiv - und vieles mehr. Kompositionen für eine solche Band zu schreiben ist Strakhofs selbst gestellte Aufgabe - und es ist nicht leicht, sich auf diese unterschiedlichen Instrumente und Musiker einzulassen.

Batoru - "Tree of Sounds"

Strakhof: "Ich schreibe meine Kompositionen speziell für die Musiker, mit denen ich zusammenspiele. Ich höre mir Aufnahmen an, habe den Klang der Instrumente ganz vor meinem inneren Ohr. Anschließend versuche ich, die Musik so zu komponieren, daß die Spieler sich selbst verwirklichen können. Gleichzeitig will ich erreichen, daß etwas entsteht, was darüber hinausgeht. Etwas, das mehr als die Summe aller Spieler ist."

Wenn man Batoru live erlebt - und allein die Tupan ist ein eindrucksvolles Instrument -, den Applaus und die Begeisterung des Publikums wahrnimmt, so kann man dieses Unterfangen offensichtlich als gelungen ansehen.

Zurück zu dem Menschen selbst: Neben seiner Tätigkeit als Bandleader und Komponist von Batoru kommt für Dirk Strakhof sein regelmäßig spielendes Klaviertrio "Out of Print" und die Sideman-Tätigkeit bei dem Projekt "Das Lied" von Tim Sund & Erika Rojo hinzu. Über sein eigenes Baßspiel ist zu sagen: Er spielt "anders als andere Bassisten" - dies wurde bereits erwähnt.

Strakhof: "Ich gehe von der Melodie aus, bin ein melodischer Spieler. Ich habe manchmal Schwierigkeiten mit anderer Leute Baßsoli, weil die sehr rhythmisch angelegt sind. Ich versuche im Gegensatz dazu, Melodie reinzubringen und - vor allen Dingen - den Sound. Das ist auf jeden Fall durch mein vorhergehendes Gitarrenspiel entstanden. Es wirkt sich eben schon aus, daß ich vor dem Bass stets ein solistisches Instrument gespielt habe."

Dirk Strakhof hat - abgesehen vom Wechsel des Instruments - im Laufe seiner künstlerischen Karriere auch den Sprung von der Klassik zum Jazz gemacht, hat die Verlagerung des Projektes Batoru von einem afrikanischen zu einem osteuropäischen Schwerpunkt vollzogen. Bei soviel äußerem Wandel ist es wichtig, selbst stets einen "inneren Ruhepunkt" zu haben:

Strakhof: "Musik ist ein Stück Lebensenergie. - Die Kommunikation ist in der Musik für mich von sehr großer Bedeutung, der Austausch über Länder- und kulturelle Grenzen hinweg. - Nach meinen Ursprüngen in einer christlichen Familie habe ich überall mal ein bißchen reingeschnuppert. Daraus entstand eine eigene, persönliche Philosophie. Darin habe ich für mich einen Halt gefunden, das gibt mir Kraft, mit der Musik weiterzumachen - und spiegelt sich auch in ihr wieder."

Carina Prange

CD: Batoru "Tree of Sounds" (Nabel Records 4685)

Batoru - "Tree of Sounds"
Da es sich um eine absolut seltene - um nicht zu sagen, bisher einzigartige - Instrumentenkombination handelt, ist eben das Ergebnis ungewöhnlich. Und schön! ... [mehr]

Fotos: n.n.

Cover: Dirk Strakhof (Foto) / Nabel (Design)

Anm.: Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form im Jazzpodium 2/2001

© jazzdimensions2001
erschienen: 4. 2. 2001
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