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Dirk Engelhardt - "Ost, West und zurück"

Am meisten vertraut ist Dirk Engelhardt den Berlinern durch die Band "East to West", in der polnische und deutsche Musiker aufeinandertreffen. Seine Intention für dieses Projekt: "Es gibt einfach eine ganz bestimmte Energie, wenn ganz verschiedene Leute sich treffen, um gemeinsam Musik zu machen. Das ist ein ganz besonderer Moment. Musik ist für mich zu 99% ein solcher Moment - es könnte immer das letzte Mal sein. - Länderübergreifendes hat viel mit dieser Energie zu tun."

Begonnen hat Dirk Engelhardts Interesse für Musik in der Kindheit zunächst mit dem autodidaktischen Spiel der Gitarre - später wurde dann das Hauptinstrument das Saxophon - hinzu kam auch ein wenig Klavierspiel. Studiert hat er zunächst Romanistik und Germanistik. Als ihm klar wurde, daß man "damit nur Lehrer werden kann", entschied er sich, die Musik zu seinem Lebensinhalt zu machen - "Musik ist aber auch als Opposition zu meiner Familie zu sehen."

Im Laufe der Jahre hat Dirk Engelhardt sich mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen auseinandergesetzt, auch eine Zeit lang Klassik gespielt und in klassischem Saxophonspiel Unterricht genommen. Aus der Rattenfängerstadt Hameln zog es ihn 1977 nach Westberlin.

Während seiner Zeit in Paris - von 1990 an waren es insgesamt drei Jahre - widmete er sich, unter dem Einfluß der dortigen Szene, einem zu jener Zeit in Deutschland noch nicht verbreiteten HardBop Stil. - Ein im Verhältnis traditionell zu nennender Ansatz, setzt man ihn in Gegensatz zu den offeneren Avantgardeprojekten, die er später in Berlin mit Karl Berger, Gebhard Ullman und Albert Mangelsdorff verfolgen sollte. - Engelhardt im Rückblick: "Zwischen Frankreich und Polen gibt es mehr Parallelen als zwischen Deutschland und Polen. - In Frankreich habe ich mehr Einfluß durch den dort herrschenden 'Konservatismus' erfahren."

Einiges davon ist an Dirk Engelhardt haften geblieben - er spielt Modern Jazz in einigen seiner Projekte, mischt aber auch gerne - wie bei "East to West" - vollkommen verschiedenartige Einflüsse. Wenn er heute sein deutsch-polnisches Projekt als Hauptprojekt bezeichnet, hat das ein Stück weit auch - wie er sagt - "mit romantischen Gefühlen zu tun".

Denn wenn Engelhardt heute nach Polen fährt, muß er unweigerlich an die Erlebnisse des Jahres 1983 denken: "Damals, drei Monate nach Aufhebung des Kriegsrechts war alles chaotisch, aber die Menschen waren unwahrscheinlich musikbegeistert! An sich gab da nichts - aber Jazz wurde leidenschaftlich aufgenommen. Es war der Sound des Undergrounds, des Widerstandes, es war so etwas wie eine nonverbale Gegenströmung."

Musikalisch hat Dirk oft "die Idee gehabt, in nur einer Band alles zu verwirklichen." - Aber: "Das empfinde ich heute eher als problematisch. Man merkt irgendwann, daß bestimmte Sachen nur mit bestimmten Leuten gehen - oder in bestimmten Situationen." Daher hat er sich immer wieder in den verschiedensten Gruppierungen mit immer anderen Künstlern zusammengetan. - Gehört hat er - in stilistischer Hinsicht - ursprünglich alles, was ihm in seiner Jugend an Musik begegnete. Er bezeichnet sich in erster Linie als "Kind der Jazzrockzeit" - sein Hauptinteresse blieb stets der Modern Jazz.

Intensive Erlebnisse sind es, die Engelhardt immer wieder faszinieren und die er zu erleben und zu wiederholen trachtet. Ein Bild hat er noch heute im Kopf: "... da lebte ich noch nicht in Paris, spielte auch nicht Saxophon - ich sah einen Congaspieler und einen Saxophonisten am Ufer der Seine, hörte ihnen zu vom anderen Ufer aus zu, betrachtete den Sonnenuntergang. Mir ging es dabei sehr gut und ich dachte darüber nach, ob mein Leben mit dem Germanistik-Studium wohl so reibungslos ablaufen wird. Da hatte ich so eine Vorahnung!"

Erfahrungen für sich hat er im Laufe der Jahre sehr viele gemacht, nicht nur im Kontakt mit anderen Nationalitäten, sondern auch das eigene Erleben betreffend. Das Wichtigste - sagt er - ist ihm daher, im Leben immer "dranzubleiben, sich die Leidenschaft zu bewahren."

Carina Prange

Dirk Engelhardt im Internet: www.dirkengelhardt.com

Foto: n.n.

© jazzdimensions2000
erschienen: 9.6.2000
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