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Yelena K - "In der Vielfalt Berlins aufgehen"

Yelena K hat sich in der deutschen Hauptstadt schon lange einen Namen gemacht. Die serbische Sängerin, die in Berlin Jazzvocals studierte, kommt nun mit "Yelena K & The Love Trio" und einem neuen Album auf die Konzertbühnen des Landes.

Yelena K.

Die neue CD offenbart uns eine gereifte, intensive Künstlerin, die uns mit ihrer Melancholie ebenso anstecken kann wie mit ihrem Sinn für den Klamauk, das Komische, ja, vielleicht könnte man sagen Clowneske. Dabei kann man es nicht wagen, um was für eine Musik es sich handelt – Schubladendenken und Scheuklappen völlig fehl am Platz, wenn Yelena K die Bühne betritt.

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Yelena K.

Carina: Wenn man im Internet recherchiert, stößt man auf die Tatsache, dass du mit neunzehn Jahren bereits dein erstes Album mit der Rockband Yelena in Jurassic Park veröffentlicht hast. Ist es so, dass du bereits in jungen Jahren ein Interesse an schrägen Bandnamen hattest und das bis heute so geblieben ist?

Yelena: Lustigerweise hatte ich mit der Entstehung dieser Namen nichts zu tun. Der erste ist dadurch entstanden, dass die Bandkollegen zwanzig Jahre älter als ich waren und sich neben mir als Dinosaurier gefühlt haben. Den aktuellen Namen hat Kowatsch vorgeschlagen.

Carina: Wie kam es überhaupt dazu, dass du dich im Künstlernamen mit Y statt mit J schreibst und konnte man deinen Nachnamen schwer aussprechen oder wie entstand die Abkürzung K?

Yelena: Richtig. Als ich nach Berlin kam, konnte ich es mir nicht anhören, wenn die Menschen meinen Namen falsch aussprachen! Deswegen ist aus dem J das Y geworden, und aus Kuljic eben K. Zwischenzeitlich dachte ich daran, vielleicht einfach "Kuljic" zu sein. Als eine Erinnerung an die sozialistischen jugoslawischen Zeiten, als alle sich beim Nachnamen genannt haben.

Yelena K.

Carina: Würdest du sagen, dass "schrill und schräg" einfach deine Natur ist, oder handelt es sich um den Teil deiner Persönlichkeit, den du einfach nicht erwachsen werden lässt?

Yelena: Ich empfinde mich selbst nicht als schräg. Und das, seitdem ich die Region "Ex-Jugoslawien" verlassen habe. Berlin ist ein perfekter Ort, um in der Vielfalt aufzugehen, und die eigene Sprache, die man vielleicht als "schräg" bezeichnen könnte, als völlig normale und berechtigte Facette des persönlichen Ausdrucks wahrzunehmen.

Aber ja, es ist schon richtig, dass ich vielleicht nicht unbedingt erwachsen sein will. Ich gehe davon aus, dass man es nicht unbedingt muss. Wenn "erwachsen sein" heißt, den Konventionen zu folgen, und dadurch die Intuition und die eigenen Bedürfnisse auszuschalten, dann will ich mir auf jeden Fall meine Einstellung bewahren!

Yelena K & The Love Trio - "same"

Carina: Siehst du Singen und Schauspielern als zwei Seiten einer Medaille, als sich manchmal überschneidende, oft aber stark unterscheidende Formen des künstlerischen Ausdrucks an?

Yelena: In meinem Fall würde ich die zwei Dinge nicht strikt trennen. David Marton, der Regisseur mit dem ich arbeite, macht Musiktheater. Er kennt mich sehr gut, ist ein intuitiver Mensch, und würde von mir nicht verlangen, auf der Bühne etwas zu tun, was nicht in irgendeiner Form Teil meiner Persönlichkeit wäre.

Trotzdem sind die Herangehensweisen schon sehr verschieden. Um schauspielerisch eine authentische Situation und Atmosphäre zu erzeugen, braucht man viel mehr Information als beim "reinen" Musikmachen. Durch die Exaktheit, die das Musizieren und Schauspielern innerhalb eines Theaterstücks benötigt, beziehungsweise dadurch, dass man schon im Voraus weiss, wo man "hingehen" will oder soll, erzeugt man einen starken Fokus. Aber gleichzeitig verliert man am Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten, die man beim "reinen" Musikmachen wahrnehmen und verarbeiten würde. Beide Varianten sind aber große Herausforderungen und endlos spannende Sachen für sich.

Carina: Schauspielern läuft ja meist nach sehr festen Regeln ab – brauchst du das Musikmachen als Ausgleich dafür?

Yelena: Man könnte das so sagen. Oder aber: ich brauche das Musikmachen, weil ich eine Musikerin bin und mir mein Leben ohne Musik nicht vorstellen kann!

Carina: Siehst du "Yelena K & The Love Trio" als gemeinsames Projekt mit Kristian Kowatsch an – ihr arbeitet ja seit mehr als drei Jahren zusammen)? Denn im Bandnamen taucht Kristian ja nicht auf…

Yelena: Yelena K & the Love Trio ist, genauer gesagt, ein gemeinsames Projekt mit Kristian Kowatsch, Gary Hoopengardner und Jan Roth. Das Konzept "Sängerin plus Begleitband" interessiert mich nicht. Ich habe eigentlich seit langem gekämpft, um als Musikerin und nicht als Sängerin wahrgenommen zu werden. Hoffentlich kann man das auch durch den Sound der Platte erkennen!

Carina: Ist "The Love Trio" eine ironische Bezeichnung? Wohin soll der Hörer inhaltlich gelenkt werden?

Yelena: Es gibt keine Ironie! Es ist ganz einfach: Es gibt nur die Liebe. Ah, jetzt klinge ich auch noch romantisch… (lacht) Der Bandname stammt aus der Zeit, als wir immer noch Jazz gespielt haben. Ich kann nicht wirklich behaupten, dass wir jetzt Jazz spielen – eher "eigenwillige Popmusik". Ehrlich gesagt, wir haben uns viel mehr mit der Musik beschäftigt, als mit der Frage, wie wir uns und die Musik nennen könnten.

Yelena K.

Carina: In einem PR-Text steht allerdings, dass "das erklärte Ziel der Band der kompromisslose Ausdruck im musikalischen Moment" sei...

Yelena: Es ist immer schwierig die Infotexte zu verfassen; sich in ein paar wenigen Sätzen zu beschreiben und versuchen zu verkaufen. Diese Beschreibung entstand in der Zeit, als wir noch viel frei improvisiert haben – und seitdem lebt sie von der "Copy/Paste" Funktion!

Jetzt klingt mir "kompomisslos", und überhaupt ein "erklärtes Ziel" zu haben, wie ein Zwang. Und ich will auf der Bühne nichts "müssen". Ich will nur sein – und Spass haben!

Carina: Wenn du vergleichst, damals gab es Y Move, heute ist es Yelena K & The Love Trio – wo siehst du Veränderungen, Entwicklungen, Wechsel der Inhalte und mehr?

Yelena: Diese zwei Projekte unterscheiden sich grundsätzlich. Beide sind ungefähr in der gleichen Zeit entstanden. Y Move war aber um vier Jahre schneller mit der ersten Veröffentlichung.

Dadurch, dass die Mitglieder des Love Trio alles andere als gute Geschäftsmenschen sind, hat die Produktion der ersten CD viel länger gebraucht, um zustande zu kommen! Die Band hatte dadurch aber auch Zeit, reif zu werden. Das hat unsere Entwicklung unterstützt, und unseren künstlerischen Anspruch weitergebracht. In der Zwischenzeit waren neue Songs und neue Arrangements alter Songs entstanden.

Carina: Du hast ja in Berlin Jazzgesang studiert. Inwieweit hat das Studium deine Stimme verändert bzw. die Möglichkeiten derselben und den bewussten oder unbewussten Umgang mit deiner Stimme?

Yelena: Bevor ich mit der Ausbildung anfing, war ich eigentlich eine richtige "Rockröhre". Ich wusste über mehrere Jahre gar nicht, wie meine Kopfstimme klingt und vor der ersten Gesangsstunde bei Judy Niemack musste ich zum HNO Arzt gehen, weil alle davon ausgingen, dass mit meiner Stimme etwas ernsthaft nicht in Ordnung war.

Zum Glück stellte sich heraus, dass ich nur eine gute Technik brauchte; und viel Arbeit mit der Stimmtherapeutin Annette Goeres. Relativ schnell konnte ich die neu gewonnenen Möglichkeiten meines Gesangs genießen. Trotzdem war für meine Entwicklung das Wichtigste, in Berlin zu sein und mit den hervorragenden Musikern in der Stadt zusammenzuarbeiten.

Yelena K.

Carina: Deine jugoslawische Herkunft, inwiefern spielt sie in deinen künstlerischen Ausdruck mit hinein?

Yelena: Das tut sie ganz zweifellos. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich diejenige bin, die eine konkrete Antwort auf diese Frage geben kann.

Carina: Hast du so etwas wie eine Lebensphilosophie?

Yelena: Am ehesten wäre zu sagen: Sich inspirieren zu lassen, inspirieren zu können, weiter aus den eigenen Erfahrungen zu lernen – um das Leben in der Gegenwart natürlich und spontan leben zu können.

Carina Prange

CD: Yelena K & The Love Trio - "same" (Doublemoon DMCHR 71085)

Yelena K. im Internet: www.myspace.com/yelenakthelovetrio

Doublemoon Records im Internet: www.doublemoon.de

Fotos: Pressefotos (Ulrike McCullough)

© jazzdimensions2010
erschienen: 5.10.2010
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