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Cymin Samawatie - "Cyminology"

Mit ihrem Debüt "Per Se" ließ die Band Cyminology vor rund zwei Jahren erstmals aufhorchen und begeisterte Fachpresse sowie Publikum gleichermaßen. Mit "Bemun" legte die vierköpfige Formation vor einiger Zeit nach und bewies damit, dass sich eine Konstante in der hohen Qualität ihrer Musik abzeichnen würde. Das Besondere an Cyminology sind neben der musikalischen Reife die in persischer Sprache gehaltenen Texte, die zu einem großen Teil alten Gedichten entnommen wurden.

Cyminology

Mittlerweile sind aber auch die ersten Eigenkompositionen hinzugekommen, für die sich in erster Linie natürlich die Sängerin (und Namensgeberin der Band) Cymin Samawatie verantwortlich zeichnet. Sie besitzt neben einer klassisch geschulten Stimme eine unglaublich starke Bühnenpräsenz und zieht das Publikum in ihren Bann - nicht nur bundes-, sondern mittlerweile weltweit, wie sie im Interview verriet.

Hermann Mennenga sprach mit Cymin Samawatie

Hermann: Du bist gerade mit Cyminology aus New York zurück. Wie war es dort und wie seid ihr beim amerikanischen Publikum mit eurer Musik aufgenommen worden?

Cymin: New York war für uns eine wirklich wertvolle und intensive gemeinsame Zeit. Nach 10 Auftritten innerhalb von zwei Wochen waren wir zwar alle sehr erschöpft, aber es hat sich absolut gelohnt. Das New Yorker Publikum hat uns sehr herzlich aufgenommen. Es gab sogar einige Zuhörer, die zu zwei bis drei Konzerten gekommen waren und jedesmal neue Freunde mitbrachten. Das hat mich besonders berührt.

Ein Highlight für mich war auch unser Auftritt in Harlem. Das Publikum dort, hat uns auf eine ganz eigene Art und Weise ihre Zuneigung gezeigt. Es gab dort für uns sogar eine besonders schöne und herzliche Auszeichnung von der anwesenden "Harlem Diva" und dem Curator des "Museum of International Black Culture".

Cymin Samawatie

Hermann: Es waren bei eurem Aufenthalt auch Fernsehaufnahmen geplant. Was ist daraus geworden und wann wird man diese zu sehen bekommen?

Cymin: Ja, wir wurden an zwei Tagen von einem Fernsehteam begleitet. Das Ergebnis wurde am 27. Juni 07 auf 3sat innerhalb der Sendung "Kulturzeit", ausgestrahlt.

Hermann: Die "next generation" Geschichte von der Zeitschrift jazzthing war euer Einstieg, so möchte ich es mal formulieren, ins Jazzgeschäft. Wie seid ihr darauf gekommen, euch dort zu bewerben?

Cymin: Wir haben uns bei verschiedenen Labels beworben und hatten dann das Glück, dass gleich drei Labels an unserer CD Interesse hatten. Wir haben uns dann für die "next generation" - Reihe entschieden. Die Zusammenarbeit mit dem Label Double Moon Records und der Zeitung Jazzthing war für uns der perfekte Start ins Jazzgeschäft. Wir sind immer noch sehr dankbar dafür!

Cyminology - "Bemun"

Hermann: Hattest du persönlich mit dem riesigen Erfolg von Cyminology gerechnet?

Cymin: Nein, ich habe damit nicht wirklich gerechnet, aber es natürlich immer gehofft. Wir sind alle sehr dankbar, dass wir schon so weit gekommen sind. Und das, obwohl wir erst die zweite CD veröffentlicht haben.

Hermann: Du bist in Braunschweig geboren. Woher kommt deine Vorliebe für persische Lyrik?

Cymin: Meine Eltern stammen beide aus dem Iran. Mir sind also somit beide Kulturen vertraut. Die Begeisterung für die persische Lyrik hat bei mir angefangen, als meine Tante mir 2003 die Gedichte von Omar Khayyam aus dem 13. Jahrhundert vorstellte. Die persische Lyrik ist seitdem ein großer Schatz für mich, indem ich immer noch gerne forsche.

Hermann: Warum habt ihr eigentlich den Namen Cyminology gewählt? Weil du als Sängerin im Vordergrund stehst? Oder hat euch das Wortspiel einfach nur gut gefallen?

Cymin: Cyminology enthält zwar meinen Namen, ist aber trotzdem auch ein Bandname. Ich bin hauptverantwortlich für die Kompositionen und stehe als Sängerin auch etwas mehr im Vordergrund. Dadurch enthält auch unsere Musik sehr viel von meinem Wesen. Cyminology steht aber auch für einen ganz bestimmten Bandsound und der wird von jedem einzelnen gleichermaßen geprägt.

Hermann: Apropos Prägung: auf eurem aktuellen Album "Bemun" hat der Gitarrist Frank Möbus als Produzent fungiert. Inwieweit hat er euch geprägt?

Cymin: Frank Möbus ist ein außergewöhnlicher Musiker, den wir alle sehr schätzen. Durch den Meisterkurs des Deutschen Musikrats "Pop Camp", hatten wir die Möglichkeit, zwei Wochen mit ihm zusammenzuarbeiten. Er hat durch seine Ideen unseren Bandsound verfeinert. Es stärkt naturlich auch das Selbstbewußtsein, wenn man von so einem erfahrenen Musiker wie Frank bestätigt wird.

Cyminology

Hermann: Wenn man dich live erlebt, dann fällt auf, dass du kein Mikrofon brauchst, um kleinere Hallen mit deiner Stimme auszufüllen. Hast du eine klassische Gesangsausbildung genossen?

Cymin: Ich genieße es, mit meiner Stimme so flexibel umgehen zu können. Das ist natürlich alles nur eine Frage des Trainings. Hierfür habe ich mich auch bei Techniken aus der klassischen Stimmbildung bedient. Während meiner klassischen Ausbildung vor ca. 10 Jahren habe ich mich in erster Linie auf das Schlagwerk konzentriert. Gesang war damals nur mein Nebenfach.

Hermann: Ein Glück, dass sich das geändert hat! Obwohl es ja auch zu wenige Schlagzeugerinnen und Percussionistinnen gibt. Was hat dich dazu gebracht, Jazz zu singen? Die Verdienstmöglichkeiten können es ja eigentlich nicht gewesen sein...

Cymin: Ich habe schon als Teenager angefangen eigene Stücke zu schreiben. Hierfür hatte damals die Musik von Lenny Kravitz einen großen Einfluss auf mich. Mit dem Jazz bin ich erst während meiner klassischen Ausbildung in Berührung gekommen. Mir hat es besonders viel Spaß gemacht, wenn ich improvisiert habe. Das hat mir manchmal in der klassischen Musik gefehlt. Aus diesem Grund habe ich mich dann entschieden Jazz zu studieren. Über Verdienstmöglichkeiten habe ich mir nie wirklich Sorgen gemacht.

Hermann: Wie hat sich Cyminology gefunden?

Cymin: Benedikt und ich haben gemeinsam angefangen in Berlin zu studieren. Wir haben vor ca. 7 Jahren angefangen im Duo zu musizieren und ein gemeinsames Repertoire mit eigenen Stücken zu erarbeiten. Ein Jahr später kamen dann Ralf am Bass und Sebastian am Schlagzeug dazu. Mit Ralf habe ich schon 1993 als Gesangs-Gitarrenduo angefangen gemeinsam zu komponieren und Konzerte zu geben. Ketan spielt seid 2004 mit uns. Ich freue mich sehr, dass wir ihn damals als neuen Schlagzeuger für uns gewinnen konnten.

Cymin Samawatie

Hermann: Letzte Frage: Wie geht's weiter mit Cyminology? Was darf der Hörer erwarten?

Cymin: Wir haben viele Ideen, die ich jetzt noch nicht verraten möchte. Zur Zeit arbeiten wir an neuen Stücken für unsere dritte CD.

Hermann Mennenga

CD: Cyminology - "Bemun" (Doublemoon / SunnyMoon)

Cyminology im Internet: www.cyminology.de

Doublemoon Records im Internet: www.doublemoon.de

Bandfotos: Andree Möhling, Portraitfotos: André Wagner

© jazzdimensions 2007
erschienen: 27.9.2007
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