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Lenard Streicher - Schauspiel und swingender Lounge-Jazz

Bildschirm oder Bühne? Der Berliner Lenard Streicher ist Sänger, Songwriter, Komponist und Musiker einerseits, gleichzeitig aber auch Schauspieler in Fernsehen oder Musical. Bei TV-Sendungen wie "Die Bubi Scholz Story" oder "Zwei Engel auf Streife" zeigte er, wenn auch bisher in Nebenrollen, sein Talent, und nach einer Musicalausbildung an der Neuköllner Oper stand er bereits auf der Bühne des Theaters des Westens.

Lenard Streicher

Entgegen allem äußeren Anschein der Verzettelung gehört seine eigentliche Leidenschaft, wie er bekundet, der Musik und - last but not least - dem Entertainment. Als Barpianist, als der "Musiker zum Anfassen", der Alleinunterhalter und Publikumsliebling - oder einfach nur als der Mann mit der Gitarre, der Geschichten erzählt und Lieder singt. Sein Album "Songs in the Key of Love" zeigt ihn in stilistischer Anlehnung an Dean Martin: Eigenkompositionen im Gewand swingender Cocktailparty-Musik - auf dem Coverfoto Lenard Streicher, ganz Sonnyboy, im Anzug, mit stilechter Zigarre ...

Carina: Deine Liveauftritte sollen eine Mischung aus Tanz, Komik und Gesang sein. Auch deine Qualitäten als Entertainer werden hoch gelobt. Muß ein Künstler heute möglichst auch Entertainer sein, um erfolgreich zu sein?

Lenard: Entertainment habe ich immer geliebt, schon bei Dean Martin, Frank Sinatra und anderen. Das Publikum wirklich zu unterhalten zählt für mich; von Anfang an eine gute Atmosphäre zu schaffen. Und zu erreichen, dass auf diese Art und Weise die Zuhörer wirklich entspannt sind. Dabei - ebenfalls entspannt - auf der Bühne zu stehen und meine Musik zu machen ist wunderbar. Wenn jemand redet oder mal dazwischen ruft, damit habe ich überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: ich finde es schön, wenn sich im Publikum was tut - darauf kann ich eingehen. In Las Vegas beispielsweise ist das bei Konzerten oder Clubgigs viel normaler, die Leute gehen bei der Musik mit, geben auch Szenenapplaus, was hier leider ungebräuchlich ist.

Lenard Streicher

Carina: Die Musik auf dem neuen Album ist leicht; swingende Balladen, Liebeslieder, etc. - wie kam diese spezielle Zusammenstellung zustande?

Lenard: Der Ursprung war, dass ich ein Demo hörte, auf dem Werbejingles für ein gewisses dunkles Bier drauf waren - darunter eine Version von Ray Brown. Diese Lounging-Kultur, die sich in Berlin in den letzten Jahren entwickelt hat, möchte ich eins-zu-eins rüberzubringen. Nicht in Form elektronischer Beatmusik wie es sonst oft geschieht, sondern mit der originalen Swingmusik - nämlich Dean Martin, Swingjazz, Cocktails usw. Und diese Atmosphäre wollte ich in einer Art Konzept-Konzert verpacken. Das war meine Idee. Als ich diesen Song "Magic of Black" hörte, wurde "Magic of Love" daraus, und somit war eigentlich die Idee geboren für "Magic Key of Love" auf meinem Album. Und dann habe ich die ganzen restlichen Songs geschrieben.

Lenard Streicher - "songs in the Key of Love"

Carina: Du hast eine vierjährige private Gesangsausbildung im Bereich Musical, Song und Chanson genossen. Inwieweit erschien dir diese Ausbildung vielversprechender als der Besuch einer öffentliche Schule oder Hochschule?

Lenard: Zu dieser Ausbildung kam es, weil ich mit achtzehn beim "Bundeswettbewerb Gesang" für Song und Musical mitgemacht hatte, und den 3. Platz belegt habe. Ich war ganz überrascht von der Reaktion. Verschiedene Leute rieten mir, hier anzuknüpfen: "... 'n bisschen mehr Handwerk könnte schon sein!" Daraufhin fing ich an, zu studieren. Privat - für mich eine einfache Entscheidung, weil ich schon immer lieber mit Privatlehrern gearbeitet habe. Es ist zwar teurer, aber im Endeffekt - das ist jedenfalls meine Meinung - fährt man einfach besser.

Bei Eddy Rhein, der leider inzwischen verstorben ist, hatte ich Unterricht in Jazzphrasierung - sehr, sehr speziell. Wir haben tatsächlich ein dreiviertel Jahr nur an einzelnen Sätzen gearbeitet; an der Mikrophontechnik, und probiert: wie phrasiere ich, wann atme ich, wann mache ich das und das. Da geht es ans Eingemachte - aber interessant! Für mich war es wichtig, das Handwerkliche zu lernen. Weil ich immer schon wusste, etwas anderes will ich auf keinen Fall machen.

Carina: Bereits in sehr jungen Jahren hast du Klavier gespielt. Gitarrenunterricht hattest du ebenfalls als Teenager - spielst du heute noch Gitarre?

Lenard: Auf der Bühne begleite ich mich bei der Hälfte des Programms auf der Gitarre. Mit Klavier habe ich angefangen, mein erstes Instrument - musikalische Früherziehung, so mit vier oder fünf Jahren. Mein Großvater war Pianist, meine Mutter hat neben ihrem Beruf klassischen Gesang studiert. Alle in unserer Familie haben ein Instrument gespielt. Gitarre habe ich erst autodidaktisch gelernt, später aber auch ein paar Jahre Unterricht genommen. Ja, da war ich ausnahmsweise mal bei der Musikschule ... - hatte einen ganz tollen Lehrer und habe zwei Jahre an meiner Technik gearbeitet. Ein bißchen Klassik, ein bißchen Bluegrass, ein bißchen Country.

Lenard Streicher

Carina: Du unterrichtest selbst an der Rock-Pop-Schule Berlin, und bezeichnest dich als "Vocal-Coach." Was genau ist ein Vocal-Coach, was macht er?

Lenard: Das wurde vor eineinhalb Jahren sozusagen an mich herangetragen; unterrichten in dem Sinne wollte ich eigentlich nie. Vocal-Coach heißt es deswegen, weil es sich um eine reine Rock-und-Pop-Schule handelt: Keine klassische Ausbildung, wie ich sie gehabt habe. Eigentlich ist das eher etwas für die Leute - ob professionell oder semi-professionell - die man jetzt bei diesen Casting-Shows sieht.

Da gibt es ja momentan einen riesigen Run. Ein enormes Interesse von Leuten, die singen wollen, und alle wollen sie große Popstars werden. Die Schule deckt im Grunde genommen diese Nachfrage. Natürlich nenne ich mich Vocal-Coach auch deswegen, weil ich kein richtiger Gesangslehrer bin. Ich sehe mich als eine Art von Trainer, also auf gleicher Augenhöhe mit den Leuten. Ein Coach zu sein, stellt etwas anderes dar, als dieses Lehrer-Schüler-Verhältnis. Ein Seminar meinetwegen ... wie gesagt auf gleicher Augenhöhe: denn die sind ja teilweise schon drin im Business, die sind schon am Machen, haben oft auch bereits einen Schallplattenvertrag. Aber es gibt irgendwelche Schwächen, die auszubügeln sind, eine gewisse Technik, die noch fehlt. Und da helfe ich dann nach.

Carina Prange

CD: Lenard Streicher - "Songs in the Key of Love"
(Mons Records 874 - 359)

Lenard Streicher im Internet: www.lenard-streicher.de

Das Interview erschien im Jazz Podium

Photos: Pressefotos

© jazzdimensions2004
erschienen: 24.4.2004
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