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Lisa Bassenge - "Jazz goes Pop"

Mit ihrem Album "Going Home" schaffte das Lisa-Bassenge-Trio bereits einen großen Sprung - als Entdeckung wurde sie den Lesern der Büchergilde Gutenberg vorgestellt. Nach dem "Nach Hause Gehen" ist es nun "ein Seufzer, ein Lied" (A Sigh, A Song), die dem zweiten Album ihren Namen gaben. Das gleichnamige Stück ist die einzige Eigenkomposition der CD - ansonsten sind es Klassiker der Gegenwart, bis hin zu Rio Reisers "Junimond", die den Vorrang haben.

Lisa Bassenge

Das Lisa Bassenge Trio besteht neben der Sängerin mit dem schönen Namen, die das Aushängeschild der Band ist, aus Paul Kleber am Bass und dem Mastermind Andreas Schmidt, der neben seinem Pianospiel die meisten Songs auswählt und arrangiert.

Carina Prange sprach in Berlin mit der konzentrierten Künstlerin.

Carina: Popsongs zu verjazzen, wieviel hat das damit zu tun, den Jazz kommerzieller, mehr vermarktbar zu machen? Ihr seht euch als Trendsetter bezogen auf das Covern von Popsongs zur Verwendung im Jazz - gab es dafür keine Vorbilder, die das bereits versucht haben?

Lisa: Auf die Vermarktung bezogen: der Gedanke war uns eigentlich nicht so wichtig. Für uns war es entscheidend, den Standards des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts so eine Art von Ewigkeitswert zu verleihen. Und sie einfach schön zu gestalten. - Vorbilder in dem Bereich gibt es auf alle Fälle: Herbie Hancock - "New Standards" beispielsweise - oder auch Holly Cole. - Obwohl ich uns jetzt nicht als teutonische Variante von Holly Cole sehen würde; das ist schon was ganz Eigenes, was wir machen, meiner Meinung nach ist es für Deutschland etwas Einzigartiges.

Carina: Wonach wählt ihr eure Songs aus bzw. welche Kriterien an einem Song sind für dich wichtig, damit er dir singenswert erscheint?

Lisa: Die Songs auf unseren neuen Platte sind größtenteils von Andreas Schmidt, unserem Arrangeur, ausgewählt worden, weil er ja der erste ist, der mit dem Stück in Kontakt kommt und sich damit befaßt. Und die Songs legt er uns dann mehr oder weniger vor und wir sagen dann: "Ja, wollen wir machen." Oder: "Nein, wollen wir nicht machen." Für mich ist in erster Linie wichtig, daß ich mit dem Text und mit der Melodie gut klarkomme und daß ich das Gefühl habe, daß es einen direkten Zugang zum Song gibt. Ich muß selber irgendetwas spüren, wenn ich den singe.

Lisa Bassenge

Carina: Wenn man die Liste der Songs auf diesem Album durchschaut, sind es in erster Linie Lieder, die von Männern gesungen wurden - Ausnahme: der Marilyn Monroe-Klassiker "My heart belongs to Daddy"und das Joni Mitchell-Stück "Blue", "My Guy" - gesungen von Mary Wells. Ist es gerade der Gegensatz des weiblichen Pendants, der den Reiz dann ausmacht?

Lisa: Natürlich achten wir schon darauf, auch Stücke zu nehmen, die sich im Original stark von dem unterscheiden, was wir damit machen. - Die Instrumentierung verändert sich ja auch größtenteils - z.B. bei "Junimond" von Rio Reiser sind u.a. eine E-Gitarre und ein Schlagzeug im Original dabei.Und wir bringen das auf diese Ebene, daß wir das in so einer abgespeckten Trioform machen - Klavier, Kontrabaß und weiblicher Gesang. Und natürlich ist es auch schön, wenn das ein Stück ist, das vorher von einem Mann gesungen wurde, weil dadurch diese Unterschiede noch mehr rauskommen. Aber: viele von den Stücken sind im Original auch von Frauen gesungen worden.

Carina: Wieviel hat das auch mit Mut zu tun, wenn man sich an berühmte klassische Songs aus dem Popbereich herantraut? Gibt es manchmal eine Identifikation mit den Originalen?

Lisa: Es gibt beides: manchmal sind die Originale wahnsinnig große Vorbilder von uns - wie beispielsweise Joni Mitchell oder Tom Waits, oder vom letzten Album: die Beatles - oder für mich auch Madonna. Aber manchmal nehmen wir ganz bewußt Stücke, die eigentlich, wenn man sie das erste Mal im Radio hört, eher ein bißchen oberflächlich rüberkommen. Wir versuchen dann, denen eine Tiefe zu verleihen oder sie mit einem Sinn auszustatten.

Lisa Bassenge

Carina: Paul Kleber und du, ihr seid auch Teil der NuJazz-Band "Mikatone", Andreas Schmidt ist auch in vielen anderen Projekten aktiv - wie grenzt man sich da ab, musikalisch?

Lisa: Für uns ist dieses Trio ein sehr schöner Ausgleich gegenüber den anderen Projekten, die wir machen. Es ist eine sehr entspannende, sehr ruhige Musik und es macht einfach Spaß, die zu machen. - Und wir alle haben unsere Projekte, wo wir auch schnelle Sachen spielen und uns austoben.

Carina: Ihr bezeichnet euch als demokratische Band (Andreas hat fast alle Stücke der neuen CD ausgesucht) - aber: die Band ist nach dir benannt und du bist auch das "Aushängeschild" - wie geht das zusammen? Siehst du dich nicht manchmal doch als Leaderin oder wie läuft das?

Lisa: Nein, ich sehe mich nicht als Leaderin. Es ist einfach so: ich bin die Frau, ich habe einen schönen Namen und das eignet sich einfach sehr gut als Aushängeschild. Aber die musikalische Leitung - oder künstlerische Direktion - während der Aufnahmen von der Platte haben wir alle drei gemacht. Und die Arrangements hat ganz klar Andreas geschrieben - bis auf "Junimond", das von Paul Kleber arrangiert wurde. Und von daher sind die Männer dahinter genauso wichtig wie ich.

Carina: Du hast einmal gesagt: "Egal mit wem und was ich singe, mein Gesang und meine Stimme unterscheiden sich dabei gar nicht. Das ist einfach meine Art." - Wie meinst du das - singst du deiner Meinung nach immer gleich oder würdest du das als persönliche Note bezeichnen - wie definierst du dich und deinen Gesang selbst?

Lisa: Ich glaube schon, daß es eine Kontinuität in meinem Gesang gibt und daß ich immer ziemlich ähnlich gesungen habe. Natürlich habe ich mich weiterentwickelt über die Jahre, aber ich habe nie versucht, jemand anderes zu sein oder zu singen wie jemand anderes. Vielleicht war das ganz früher mal so - aber: das ist es, was ich damit sagen wollte. - Egal, was ich singe, es klingt ähnlich dadurch, daß meine Stimme immer ähnlich klingt.

Lisa Bassenge Trio
  (v.l.: Andreas Schmidt, Lisa Bassenge, Paul Kleber)

Carina: Um eure Songs in Jazzstücke zu verwandeln, arbeitet ihr viel mit Reduktion. Läßt sich so mehr Persönliches aus den Songs herausholen - gilt: je mehr Reduktion, desto besser" oder "in der Reduktion liegt die Kraft"?

Lisa: Es gibt ja diesen Spruch: "Reduce it to a max" und das ist eigentlich so ein bißchen unser Stilprinzip. Aber trotzdem ist es kein absolutes "Muß" - wenn wir sagen, wir wollen halt´ noch ein bißchen mehr machen, ist das nicht verboten. Es gibt da nicht irgendwelche Dogmen, die wir befolgen, sondern wie machen einfach die Musik so wie sie uns gefällt und wie sie gut klingt.

Carina Prange

CD: Lisa Bassenge Trio -"A Sigh, A Song" (In-Akustik)

Lisa Bassenge im Internet: www.lisa-bassenge-trio.de

Fotos: Pressefotos

Dieses Interview erschien in anderer Form bereits im Jazz Podium xx/xx

© jazzdimensions2003
erschienen: 22.1.2003
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