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Wolfgang Haffner - "Music is Life"

Die Liste derjenigen, mit denen der Schlagzeuger Wolfgang Haffner Studioaufnahmen und Tourneen bestritten hat, liest sich wie ein "Who is Who" der Jazzmusik - mit einigen Ausnahmen selbstverständlich. Ein so gefragter Sideman in der Jazzwelt ist er nach eigenen Angaben geworden, weil er mit ständigem Übungseinsatz und der Orientierung "nach oben" unermüdlich dabei war - und sich sein Ruf als hoffnungsvoller Drummer bald über Nürnberg hinaus weltweit herumsprach.

Wolfgang Haffner

Aber nicht nur der Fleiß alleine ist es, der ihn zu einer Jazz-Ikone werden läßt: Haffner verfügt über das Talent, sich mit Begeisterung in die unterschiedlichsten musikalischen Zusammenhänge hineinzufinden. - Sein neues Solo-Album "Urban Life" präsentiert energiegeladene Musik mit einer großen Anzahl von Gastmusikern - darunter viele berühmte Namen. Haffners exzellentes Schlagzeugspiel äußert sich jedoch wenig solistisch, sondern bleibt integrativ im Hintergrund.

Carina: Europa, Osteuropa, Asien - oder verstärkt die USA - wie sieht deine musikalische Orientierung - in Form von Zusammenarbeit mit Musikern, der Inspirationssuche für die Zukunft - aus? Hat die derzeitige politische und gesellschaftliche Situation, auch in bezug auf die Musikszene in New York, darauf einen Einfluß?

Wolfgang: Amerika war und ist für mich ein großer Einfluß. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, daß sich das durch die momentane Situation in der Welt ändern wird. Vielmehr werden sich die verschiedenen Einflüsse und Eindrücke meiner Tourneen in meiner Musik niederschlagen. Mal sehen, wo die musikalische Reise dann so hinführt ...

Carina: Die Platte "Urban Life" wird deine achte Eigenproduktion sein. Alle Kompositionen dieses Albums sind aus deiner Feder. Dein Schlagzeugspiel steht aber - auch aufgrund der zahlreichen Gastmusiker - nicht sehr im Vordergrund. Für wie wichtig hältst du innerhalb einer Band den Part des Schlagzeugers?

Wolfgang: Als Schlagzeuger hat man zunächst die Aufgabe, das rhythmische Fundament zu legen. Weiterhin hängt die dynamische Entwicklung eines Songs ebenfalls sehr vom Schlagzeug ab. Ich achte darauf, mit meinem Spiel den jeweiligen Song musikalisch bestmöglichst zu unterstützen. "URBAN LIFE" allerdings ist ein musikalisches Statement von mir als Komponist, Arrangeur und Produzent. Das Langweiligste sind für mich "typische Schlagzeugerplatten", wo ein Drum Fill den anderen jagt, und alles möglichst kompliziert ist.

Carina: Erläutere doch bitte ein wenig deine persönliche Schlagzeugtechnik. Wie ist deine Herangehensweise Live und im Studio? Ist dein persönlicher Sound generell abhängig von einem bestimmten Drumset oder ist "Haffnersound" immer "Haffnersound"?

Wolfgang: Ich gebe immer einhundert Prozent, mache also von daher keinen Unterschied, ob ich im Studio spiele, oder ein Konzert. Beim Produzieren beachte ich natürlich, daß die Songs nicht zu lang werden, da sie sonst selten oder gar nicht im Radio gespielt werden. Im Konzert hingegen kann ein Stück, welches auf der Platte fünf Minuten dauert, schon mal fünfzehn Minuten lang sein, je nachdem, wie die Stimmung auf der Bühne ist. Mir macht es großen Spaß, Songs zu schreiben und Platten zu produzieren, aber wenn es dann nach endlosen Tagen und Nächten im Studio endlich wieder mit der Band auf Tour geht, bin ich der glücklichste Mensch der Welt!


Ich gebe immer einhundert Prozent, mache also von daher
keinen Unterschied, ob ich im Studio spiele, oder ein Konzert.

 

Mein Sound ist nicht von einem bestimmten Drumset abhängig, es sind verschiedene Komponenten die zählen. Ich weiß wie ich klingen will, und entsprechend schlage ich eine Trommel oder ein Becken an. Das ist ein Lernprozeß, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Danach erst kommt das Equipment, also die Größe der Trommeln, aus welchem Holz sie gefertigt wurden, Felle, Drumsticks, Anschlagswinkel. Ich habe mich für Yamaha Drums und Paiste Cymbals entschieden, da ich auf diesen Instrumenten am Besten klinge, und sie zudem supergut verarbeitet sind.

Carina: Wie komponierst du? Am Klavier? Wenn für dich "Music is life" gilt - ist Musik wirklich das "ganze" Leben? Wie eng ist dein "musikalisches Leben" an das Schlagzeug geknüpft?

Wolfgang: Ich schreibe gewöhnlich sehr häufig am Klavier - wobei ich in letzter Zeit auch verstärkt versucht habe, ohne Instrument zu schreiben, um einfach bestimmte Muster auszuschalten! Die Jazzszene hat mich die letzten Jahre furchtbar gelangweilt, und so bin ich seit einiger Zeit häufig bei House und Hip Hop Events - um einfach mal wieder anderes Zeug hören. Dadurch habe ich neue Einflüsse bekommen, die auf "Urban Life" zu Hören sind.

Die Ideen habe ich oftmals auf irgendeinen Zettel notiert und dann Zuhause ausgearbeitet - das Klavier hatte dabei in diesem Fall überhaupt keine Funktion. Wenn ich komponiere und produziere, spielt auch das Schlagzeug meistens keine tragende Rolle. Zuerst kommt der Song - und dann überlege ich mir, wie ich ihn am Besten begleite. Innerhalb einer Band drücke ich mich natürlich hauptsächlich durch mein Schlagzeugspiel aus - bei "Urban Life" hingegen ist das Schlagzeug neben dem Komponieren, Arrangieren und Produzieren lediglich ein Teil meines musikalischen Ausdrucks.

Wolfgang Haffner

Carina: Du spielst auch mit der "alten Garde" des deutschen Jazz - abgesehen von vielen anderen Projekten, an denen du beteiligt warst und bist - wie fühlst du dich, wenn Doldinger, Mangelsdorff, Dauner, Weber neben dir auf der Bühne stehen? Im Vergleich zu ihnen bist du ja noch sehr jung ...

Wolfgang: Ich habe viel Spaß mit den "old friends", wir kennen uns auch schon lange! Beim Mangelsdorff-Dauner Quintett spiele ich seit 1986, und bei Klaus Doldinger´s Passport war ich von 1989 bis 2000. Ich bin dort der Schlagzeuger und treibe die Band nach vorne - das Alter zählt nicht, wenn man zusammen Musik macht. Es kommt nur darauf an, ob die Chemie zwischen den Bandmitgliedern stimmt, oder nicht.

Carina: Welche Musikerpersönlichkeiten haben bei dir einen besonders starken Eindruck hinterlassen? Gab es z.B. etwas, daß du von Lalo Schifrin für dein eigenes musikalisches Verständnis lernen konntest?

Wolfgang: Da muß ich Albert Mangelsdorff und Wolfgang Dauner nennen, auch Chaka Khan, Michael Brecker, Joe Pass, Joe Sample und Bob James - alles Musiker von denen ich sehr viel gelernt habe! Die Aufnahmen mit Lalo Schifrin waren für mich sehr beeindruckend, er ist ein großer Meister der Filmmusik - und außerdem ein supernetter Typ. Mit solchen Musikern arbeiten zu dürfen, habe ich mir als Jugendlicher schon gewünscht - und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen!

Carina Prange

Dies ist eine gekürzte Version des im Jazzpodium 12/2001 mit Wolfgang Haffner erschienenen Interviews.

CD: Wolfgang Haffner - "Urban Life" (Skip-Records 9019-2)

Skip-Records im Internet: www.skiprecords.com

Wolfgang Haffner im Internet: www.wolfganghaffner.com

Foto: Ssirus W. Pakzad.

 

© jazzdimensions2001
erschienen: 12.12. 2001
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