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Paul Schwingenschlögl - "Berlin und der Rest der Welt"

Paul Schwingenschlögl ist nicht nur in den Sprachen Französisch, Englisch und Deutsch zuhause, sondern auch als kosmopolitischer Trompeter und Komponist in vielfältigsten musikalischen Richtungen unterwegs. Als Leader von "AFRICAN CHASE EXP", als Gründer der "Neuköllner Internationalen MusikerInnen Initiative" setzte er in Berlin und außerhalb der Stadt neue Akzente.

Letzteres Projekt hatte die Zusammenführung internationaler Musiker in dem Bezirk Neukölln zum Ziel, der in den Medien ansonsten eher zum Stein des Anstoßes auf Grund von Gewalt und 'sozialem Sprengstoff' wurde. Die Inititative fand ihren Abschluß mit einem vielbeachteten Festival im Oktober 1999 in der Werkstatt der Kulturen. Einige am Projekt beteiligte MusikerInnen wollten gerne weitermachen und so entstand das "New Cölln Orchestra", ein Ensemble, das sich der vielfältigen Musik des Balkans widmet.

Versucht man, sich einen Überblick zu verschaffen, so erfährt man, daß es kaum möglich ist, die vielfältigen musikalischen Aktivitäten von Schwingenschlögl unter einen Hut zu bekommen - von improvisierter Musik über Theatermusik, modernem Jazz bis hin zu der Mitwirkung bei Rockevents, Performances und zeitgenössischer E-Musik reicht sein Spektrum - und so ist Vielseitigkeit fast schon zu einem Markenzeichen für ihn geworden. In erster Linie ist Paul Komponist und braucht daher vor allen Dingen immer wieder "professionelle Mitmusiker, die auch bereit sind zu proben."

Paul Schwingenschlögl hält sich lebend und arbeitend nicht nur in Berlin auf, sondern ist etwa die Hälfte seiner Zeit in Paris, wo es viel schwerer geworden ist, in der Musikszene Fuß zu fassen. Er ist gebürtiger Österreicher und machte bereits Anfang der Achtziger Jahre in Wien von sich reden: als erster Trompeter, der bei den "Underground Corpses" Punk-Musik spielte.

Aus privaten Gründen kam er dann 1987 nach Berlin. ""Damals war ich sehr interessiert am Independent-Underground-Rock, der Mitte bis Ende der Achtziger Jahre noch wirklich spannend war; Bands wie 'Tiger hinter Gittern', 'Coal' und Zam Johnsons 'Why Not Orchestra' waren Spiegelbilder dieser Zeit, wir spielten in besetzten Häusern wie dem KOB und die Leute gingen voll mit. Natürlich faszinierte mich auch das vielfältige Nationengemisch Berlins, ich bekam bald Kontakte zu afrikanischen Musikern. Diese Zusammenarbeit hält bis heute an, u.a. im 'African Chase Exp.' Mit der ägyptischen Gruppe 'Salamat' hatte ich dann die Möglichkeit, bei großen Weltmusikfestivals in Barcelona, Paris und Amsterdam aufzutreten. Was den Jazz betrifft, war für mich die DDR-Szene interessanter als das, was damals in Westberlin passierte. Durch meinen Trompetenlehrer Franz Koglmann und den Saxophonisten Walter Malli, die beide häufig in der DDR auftraten, lernte ich schon in Wien renommierte Musiker von dort kennen, wie Klaus Koch, E.-L. Petrowsky und Uli Gumpert."

Das Musikmachen begann schon früh in Österreich: Zunächst begann Schwingenschlögl mit sechs Jahren das Blockflötenspiel, es folgten das Klavier (mit acht Jahren) und schließlich die Trompete, die zunächst "bis zum achzehnten Lebensjahr nur ein zusätzliches Instrument war. Das hat sich dann im Laufe der Jahre verlagert."

Wenn Schwingenschlögl komponiert und diese Kompositionen dem Publikum zu Ohren kommen - und er legt sehr viel Wert darauf, daß er nicht 'für die Schreibtischschublade schreibt' - dann möchte er, "daß die Musik für die Zuhörer spannend und anspruchsvoll, aber auch nicht zu abgehoben ist."

mit Takabanda (2. v. li.)

Wenn er aufzählen soll, wo er überall mitspielt, will er das Helmut Forsthoff-Trio (als Gast dieses Trios steuert Schwingenschlögl auch immer eigene Kompositionen bei) und das Manfred Schulze-Bläser-Quintett nicht unerwähnt lassen; Schulze ist seiner Meinung nach ein "unterschätzter, sehr wichtiger Komponist der DDR-Jazzszene und der zeitgenössischen Musik". Nicht zu vergessen ist die Band Tacabanda, die viele seiner Kompositionen spielt und in die er gemeinsam mit dem Bandleader, dem italienischen Schlagzeuger Paolo Eleodori, eine Menge organisatorische und musikalische Arbeit investiert.

Fragt man Paul Schwingenschlögl nach dem, was er für die lange oder mitttelfristige Zukunft geplant hat, ist ihm "momentan am Wichtigsten die Weiterführung und Entwicklung der bestehenden Gruppen und Projekte - besonders der Gruppen, für die ich komponiere!"

Carina Prange

Aktuelle Tourtermine: On Tour - Schwingenschlögl

Sound: http://besonic.com/schwing

Fotos: n.n.

© jazzdimensions2000
erschienen: 20.4.2000
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