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Peter Wolbrandt - "99% Kraan"

"Peter Wolbrandt - der von Kraan? Gibt es den denn noch?" - Was einst - in den Siebzigern - eine der bekanntesten Jazzrockbands gewesen ist, macht wieder von sich reden. Nicht etwa, weil plötzlich nur noch Musik aus dieser Zeit gehört würde! Sondern vielmehr, weil Kraan sich zum 30jährigen Jubiläum ein Revival gegönnt hat. Eine Jubiläumstour durch Deutschland soll dem Herzbergfestivalkonzert und einer Japantour folgen.


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war der Ansicht, daß ein Interview mit Peter Wolbrandt (Gitarre) von großem Interesse ist - einmal wegen der Zeitlosigkeit von Kraans Musik - man kann sie nämlich nach wie vor wunderbar hören und geniessen. Zum anderen lag uns besonders an der Person Peter Wolbrandt, weil er viel weniger im Licht der Öffentlichkeit steht als das andere Gründungsmitglied Hellmut Hattler (Bass) - und wir ihn etwas aus seiner Versenkung holen wollten ...

Carina: Eine Frage zur Band: zum dreißigjährigen Jubiläum habt ihr euch reformiert: a) wie sind die ersten Konzerte gelaufen?

Peter: Mir hat es Spaß gemacht, live mit Kraan zu spielen!. Der Sound war gut. Die meisten Fans trauen sich jedoch nicht die Wahrheit zu sagen, so weiß ich nicht genau, was da überhaupt passierte! Wir wollen jedenfalls weitermachen.

Carina: ... und: b) wären dreißig Jahre nicht auch ein Grund, um genau an diesem Punkt Schluß zu machen und als Legende "in die Geschichte einzugehen"?

Peter: Mein Anliegen war eher die Musik, nicht die Show. Da ich vor 30 Jahren keine Saltos auf die Bühne legte, kann ich noch locker auftreten.

Carina: Du bist nicht nur der Gitarrist der Band, sondern Helmut und ihr, ihr singt auch gelegentlich - wie kam es dazu und was verbindest du mit dem Gesang?

Peter: Meine Kollegen und Fans spornten mich immer an, doch zu singen. Mit Gesang transportiert man Geschichten - die ich alle kenne! Instrumentalmusik ist weitaus "geheimnisvoller".

Carina: Wie würdest du sagen hat sich dein Gitarrenspiel im Laufe der Jahre verändert?

Peter: Es wird sich ändern, wenn die Finger schlapp werden. Noch ist es nicht soweit. Schnelle Musik ist aufregend! Manchmal versuche ich jedoch in einen Ton alles rein zu legen, was ich an Konzentration habe. Sollten die Zuhörer dabei einschlafen, wäre ja immerhin auch schon was erreicht ...

Carina: Welches Equipment benutzt du heute?

Peter: Röhrenamps! Marshallboxen ... Telecaster!

Peter Wolbrandt (Herzberg Festival)

Carina: Ihr habt die unterschiedlichsten Sachen gemacht, ohne euch "untreu" zu werden - mal deutschen Gesang, mal englischen Gesang, mal gar keinen - mal Musik à la Weather Report, mal Softeres, mal Rockigeres - im Rückblick, was gefällt dir am Besten und was spielst du heute am Liebsten?

Peter: Weather Report war eine wunderbare Band. Wenn ich sie heute höre, weiß ich nicht mehr genau, was mich eigentlich so daran faszinierte. - "Programmierte" Jazz-Musik gefällt mir heute am Besten. Was immer das ist - Drum `n Bass?

Carina: Eure Coverentwürfe sind farbenfroh, witzig und originell - wie seid ihr auf die Ideen gekommen?

Peter: Die meisten Coverentwürfe kamen von mir! In den 70ern hab´ ich viel gezeichnet, meistens während der langen Busfahrten oder in Hotels.

Carina: Hatte eure Musik deiner Meinung nach auch eine politische/sozialkritische Komponente oder war es für dich eben einfach nur Musik - wie ist das heute?

Peter: Damals war es interessant, in einem Haus zu wohnen und zu proben. Die 60er waren noch in den Köpfen. Die Band bestand damals aus sehr unterschiedlichen Charakteren! Selbst heute weiß ich nicht genau, auf welchem "Trip" jeder einzelne war. Wenn mehr Leute zu einer Band kommen, als zu manchem Politiker, stand schon mal die Überlegung im Raum, ob eine Band Einfluss haben kann! - Wem der Erfolg zu Kopf steigt, muß dort auch entsprechend Platz bereitstellen. Jan hat mal 1974 eine TV Live-Sendung gestört. Es ging um Arbeitgeber/Arbeitnehmer: Wir kamen auf den Index!

Carina: Das Verhältnis der Musiker untereinander bei Kraan wurde immer als "demokratisch" bezeichnet ...

Peter: Wie der Zufall es wollte, hatten wir alle einen gehörigen Respekt voreinander! So regelte sich viel von selbst ...

Carina: War das immer so? Wie haben sich die Musikerwechsel darauf ausgewirkt - und gab/gibt es auch mal Streß untereinander?

Peter: Wir haben uns jedenfalls nie geprügelt. Ich denke wir wurden alle gut erzogen.

Carina: In den Siebzigern seid ihr eine überaus bekannte Band gewesen - wie ist das heute?

Peter: Es blieben ein paar Fans, die heute fast so alt sind wie wir. Helmut Hattler ist derjenige, der viel im Licht der Öffentlichkeit steht.

Carina: Wieviel Prozent von Kraan machst du deiner Meinung nach aus?

Peter: Neunundneunzig Prozent!

Carina: Jeder von Euch hat "nebenbei" sich auch noch anderen Projekten gewidmet - was gab es bei dir für Projekte außer/neben Kraan?

Peter: Habe Programmiersprachen gelernt. - Kraan schrumpfte ´92 zu TabTwo. So musste ich mich nach einem Job umschauen. Der Anfang war zermürbend! Heute hab´ ich in der Region ein paar feste Kunden ...

Carina: Was bedeutet es für dich, ein Musiker zu sein?

Peter: Erwartungen zu erfüllen, wenn man auf die Bühne geht. So lebt man nur für diesen Event.

Carina Prange

Aktuelle CD: der gesamte Backkatalog von Kraan ab 1977 wird in den kommenden Monaten von FÜNFUNFVIERZIG wiederveröffentlicht.

Empfehlung: Kraan - "Flyday" (Fünfundvierzig CD 45106)

Kraan im Internet: www.kraan.dk

Hellmut Hattler im Internet: www.hellmut-hattler.de

Foto(s): Ute Luckhaupt (Herzbergfestival 2000)

© jazzdimensions2000
erschienen: 6.9.2000
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