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Michael Rodach - "Mal klassisch ruhig, mal technisch schräg"

Mal klassisch ruhig, mal technisch schräg

Michael Rodach, momentan bekannt insbesondere durch die CD mit David Moss (Fragmentary Blues) hat eine neue Solo-CD aufgenommen, die mehr seinem Gitarrenspiel gewidmet ist als das bei seinen ersten beiden "Soloalben" der Fall war. Dort hatten Hörspiel- und Tanztheateraufträge die Alben gefüllt.

Michael Rodach

Bis die neue Scheibe in Kürze erscheint, kann man sich "Fragmentary Blues" zu Gemüte führen oder Rodach mit der - in erster Linie von der Improvisation lebenden - Gruppe Shank auf der Bühne erleben. Oder man hört ihm zu, was er über Improvisation, seine Vorbilder oder seine Instrumente zu sagen hat ...

Wie bist du denn zur Band "Shank" gekommen?

Andreas Weiser (perc) kenne Ich seit ungefähr sechzehn, siebzehn Jahren. Wir haben gemeinsam bei den "Elefanten" gespielt, einer Band, die man gewissermaßen als Lokalmatadoren bezeichnen könnte - das Quasimodo war jedenfalls immer voll, wenn wir auf der Bühnen standen. Die Band hat sich zwar vor sieben Jahren aufgelöst, wir arbeiteten anschließend aber auch bei anderen Projekten zusammen. - Es kam dann so, daß sich "Shank" von ihrem Posaunisten trennten. Da dachten sie an mich - der Schlagzeuger (Matthias Trippner) kannte mich damals aber noch nicht - wir haben probeweise miteinander gespielt, und ich sagte: ‚Mir ist das ein bißchen zu knapp - ich würde gerne noch ein Melodieinstrument mit hinzunehmen!'. Also haben wir Martin Klingenberg (tr) gefragt. Und das ergänzt sich wirklich ausgezeichnet.

David Moss & Michael Rodach - "Fragmentary Blues"

Wir haben einmal im Proberaum gespielt - auch zusammen improvisiert. Stichwort Improvisation: Das ist übrigens etwas, was mir manchmal leid tut - das solche Improvisationen in der Regel niemand zu hören bekommt. Das habe ich so oft erlebt, auch zum Beispiel mit David (Moss). Wir waren auf Tour mit Kevin Coyne und David. Und was da in der Pause - in der Garderobe - was da weitergeht! Praktisch vom Konzert nahtlos weitergeht! Und keiner kriegt es mit ... Das ist so köstlich, das ist wirklich köstlich! Du müßtest ein Aufnahmegerät mitlaufen lassen, und dann später veröffentlichen. Manchmal erscheint sowas ja in Biographien ...

Hattest du - musikalisch gesehen - Vorbilder - beispielsweise Gitarristen oder ...?

Das müssen ja nicht Gitarristen sein. Vorbilder waren für mich merkwürdigerweise auch Leute, die gar nicht unbedingt Musik machten. Auch für die Musik! Vorbilder auch rein technischer Natur. Nimm zum Beispiel Artisten, die ich im Zirkus gesehen habe: Die machen oben in der Luft über der Manege einen zweifachen Salto und fangen sich dann wieder auf. Und ich sehe diese Bewegungen, wie satt das sitzt - und da hängt natürlich ein bißchen mehr von ab, wenn die sich nicht fassen! Und du "kämpfst" ja als Lernender genauso. - Also, Vorbilder hat ja auch viel mit der Zeit zu tun, in der sie für einen wichtig sind. Du lernst und guckst, wo es lang geht.

Artisten schaue ich mir gerne an, weil die Bewegung schön ist - fast als ob du Horowitz auf die Hände guckst oder auch Glenn Gould: Es gibt eine Aufnahme, da schaut die Kamera ihm so über die Schulter (er spielt Goldberg-Variationen von Bach, glaube ich). Er spielt so, daß seine Finger ganz kurz vor dem Anschlag auf den Tasten landen - aber in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit! - einen winzigen Moment verharren - und dann runtergehen. Also, das ist fast - ich will nicht sagen, unmenschlich, aber schon sehr dicht dran - der ist sehr weit gewesen. Und dadurch kriegt er natürlich eine unglaubliche Tonbildung. Dieselbe Sicherheit wie dieser Artist sie hat. Das gilt genauso für Sportler und vergleichbare Leute - ich schaue mir auch gerne ein schönes Spiel an. Soweit zu Vorbildern - aber Musiker sind darunter natürlich auch sehr viele ....

Gibt es für dich favorisierte Gitarrenmodelle?

Also: Für die elektrischen Sachen besitze ich eine sehr schöne Stratocaster von 1959, eine schöne alte. Ich habe schon viele alte Instrumente probiert und gespielt, die... wie soll man sagen? - dieser Hals alleine: der ist wie ein Schwert, ist leicht, geht schnell - die Tonbildung ist stärker als bei anderen Gitarren. Es gibt Gitarren, die funktionieren "besser" - in Anführungszeichen! - aber haben nicht soviel Output.

Rodach - "Musik für Fische" (1994)

Menuhin erzählte einmal, er besäße eine Geige von Amati und eine Stradivari. Die Stradivari sei schwer zu spielen, die Amati dagegen läse ihm seine Wünsche von den Augen ab, hätte aber im Vergleich zur Stradivari weniger Ausdruck. - Meine Stratocaster, das ist ein Glücksfall, diese 59iger! So eine alte Gitarre, die wirklich gut funktioniert, auch die Stimmung perfekt hält! Vor allem wo ich ja auch viel mit dem Tremeolohebel arbeite. Dieses Instrument hält die Stimmung genausogut wie eine mit festgeklemmten Mechaniken.

Dazu muß ich noch erwähnen, daß ich einen Gitarrenbetreuer habe: Lutz Heidlindemann, den "Guitar-Doc". Wir kennen uns schon seit langer, langer Zeit. Immer wenn es ein Problem gibt, dann repariert er mir das oder baut was um.

Meine anderen Instrumente: Ich habe eine kleine Martin, von 1927, mit einer Fichtendecke. Es ist eine Stahlsaitengitarre, und sie ist sehr leicht. Mit ihr spiele ich die ganzen akustischen Sachen - jetzt auch auf der Moss-Rodach-Platte. Schließlich gibt es noch eine klassische Gitarre: eine Daniel-Friedrich, das ist ein Gitarrenbauer aus Paris. Gebaut wurde sie ungefähr 1974. Das ist die wertvollste Gitarre von allen, und die ist auch sehr schwer zu spielen. Das sind die drei wichtigsten.

Zum Schluß: Was ist für dich das Wichtigste im Leben - gibt es für dich so etwas wie eine Lebensphilosophie?

Krishna Muti hat mal gesagt: "Eigentlich wollen wir uns alle nur vergnügen." Jeder hat seinen Grund, wenn er etwas macht - letztlich tut er etwas für sich. Ich habe mir die Musik ausgesucht, weil ich dachte, damit etwas Angenehmes zu machen.

Carina Prange

Diskographie (Auszug):
Rodach - "Musik für Fische"
(Traumton, 1994)
Rodach - "Haus am Meer"
(Traumton, 1997)
David Moss & Michael Rodach
- "Fragmentary Blues" (Traumton, 1999)

Shank: Andreas Advocado - zwischen den großen Städten

Traumton im Internet: www.traumton.de

Fotos: n.n.
Cover: Ledesi Agentur / M. Rodach (Musik f. Fische), Heide Mollenhauer (Frag. Blues)

© jazzdimensions2000
erschienen: 31.1.2000
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