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Charlotte Greve - "Ich versuche zu spielen, was ich höre"

Nein, bahnbrechend neu ist die Musik nicht, die uns die Saxophonistin Charlotte Greve mit ihrem Lisbeth Quartett in der Folge 30 der Reihe “Jazz thing Next Generation” präsentiert. Aber es gibt keinen Grund zur Enttäuschung: die Musik der CD “Grow” ist wunderschön. Wohin die junge Künstlerin noch wachsen möchte, darüber gibt sie im folgenden Interview Auskunft.

Charlotte Greve

Hermann Mennenga sprach für Jazzdimensions mit Charlotte Greve

Hermann: Charlotte, der Name deiner Formation ist “Lisbeth Quartett”. Wer ist diese geheimnisvolle Lisbeth?

Charlotte: Mein zweiter Name ist Elisabeth und früher wurde ich manchmal “Lisbeth“ genannt. Deshalb heisst jetzt auch die Band so. Wir hatten keine Lust, es Charlotte Greve Quartett zu nennen, das klingt so – naja. Lisbeth Quartett hat einfach einen guten Wortlaut.

Hermann: Deine Aussprache klingt norddeutsch. Woher kommst du?

Charlotte: Ich bin in Verßen bei Uelzen geboren und in der Lüneburger Heide aufgewachsen. Zum Teil auf dem Land in der Nähe von Bad Bevensen, zum Teil in Lüneburg, wo ich auch zur Schule gegangen bin.

Charlotte Greve

Hermann: Zur Zeit studierst du in Berlin, sozusagen im Mekka der Jazzmusiker. Was gefällt dir dort?

Charlotte: Berlin ist ein wunderbarer Ort für kreative Menschen und Überzeugungstäter. Die Jazz-Szene hier ist sehr lebendig und das "Jazz Institut Berlin" bietet einem eine großartige Plattform für die eigenen Vorhaben durch guten Unterricht und gute Workshops. Die Schule ist sehr gut vernetzt, was den Studenten sehr zugute kommt. Außerdem gibt es so viele gute Musiker in Berlin, die einen inspirieren und antreiben.

Hermann: Kommen wir zu deiner Musik. Deine erste CD heißt "Grow". Hast du diesen Namen bewusst gewählt? Und wohin willst du wachsen?

Charlotte: Der Name ist ganz bewusst gewählt. Er beschreibt den Zustand, in dem wir uns die ganze Zeit befinden. Dies ist meine erste CD, und sie ist eine Momentaufnahme, wie alles was wir tun. Manchmal ist es schwer zu realisieren, dass man nie fertig wird mit dem Lernen, und dass man immer weiter wächst – oder weiter wachsen muss. Aber oft ist es auch schön, dies festzustellen: Es geht immer noch weiter und man bleibt hungrig, bleibt nie stehen.

Lisbeth Quartett - "Grow"

Hermann: Du bist ja noch sehr jung, gerade mal 21. Trotzdem klingt dein Album schon ziemlich reif. Liegt das an den alten Saxophonisten wie Wayne Shorter, Joe Henderson oder John Coltrane, die dich hörbar beeinflusst haben?

Charlotte: Ich habe immer versucht, die Musik, die mir wirklich gefällt, in mich aufzusaugen und mich beim Spielen darauf konzentriert, der Melodie und der Geschichte zu folgen und nicht irgendwelchen komplexen anderweitigen musikalischen Gedanken. Ich versuche also immer, das zu spielen was ich höre.

Stilistisch liegen wir irgendwo zwischen Mainstream und Modern Jazz. Das hat es alles schon gegeben, wir machen nichts bahnbrechend Neues. Wir machen halt nur die Musik, die gerade so in unseren Köpfen ist, und daraus entsteht dann der momentane Bandsound.

Hermann: Von Joe Henderson gibt es eine wunderschöne Version der Ballade "Beatrice". Du machst ihm auf deiner CD Konkurrenz mit einer gelungenen Neuinterpretation. War er so ein bisschen Vorbild für dich bei der Bearbeitung des Stücks?

Charlotte: Nein, eigentlich nicht. Aber es ist eine sehr schöne Aufnahme.

Hermann: Was sind deine persönlichen Favoriten auf der CD?

Charlotte: Am besten gefällt mir die Ballade “Slow Town”, weil es so gut atmet. Es entwickelt sich auch jedes Mal komplett anders, wenn wir es spielen. Es lässt einem viel Freiraum für alle möglichen Sachen, die darin passieren können. Man weiß bei diesem Stück am Anfang nie, wo es hinführt. Für mich hat das etwas Magisches und darum spiele ich es sehr gerne.

Charlotte Greve

Hermann: Dein Quartett besteht aus dir am Saxophon, Manuel Schmiedel am Piano, Martin Krümmling am Schlagzeug – und Marc Muellbauer am Bass. Marc spielt ja unter anderem auch mit Julia Hülsmann und dürfte bei weitem der Bekannteste von euch sein. Wie hast du ihn für das Quartett gewinnen können?

Charlotte: Marc ist Lehrer an der Hochschule, und ich hab ihn einfach gefragt ob er mal Lust hat zu jammen. Ich habe dazu ein paar eigene Stücke mitgebracht, wir haben ein bisschen gespielt und hatten alle Spaß. Am Ende hat er nur gesagt: Wenn ihr mal einen Gig spielen wollt, oder so, will ich mitmachen! Und dann war er plötzlich der Bassist der Band...

Hermann: Das Jahr 2009 war für dich sicherlich spannend. Was wünscht du dir für das neue Jahrzehnt?

Charlotte: Ich wünsche mir, dass wir mit der Band ganz viel spielen und unterwegs sein können und so immer mehr zu einem Ganzen zusammenwachsen und die Musik weiterentwickeln können.

Hermann Mennenga

CD: Lisbeth Quartett - "Grow" (Double Moon DMCHR 71080)

Charlotte Greve im Internet: www.myspace.com/charlottegreve

Lisbeth Quartett im Internet: www.myspace.com/lisbethquartett

Double Moon Records im Internet: www.doublemoon.de

Fotos: Pressefotos (Jochen Quast)

© jazzdimensions 2010
erschienen: 3.2.2010
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