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Muriel Zoe - "Sängerin ohne Schubladen"

Mit ihrem Debutalbum Red and Blue hat die Wahlhamburgerin 2003 mit Jazzstandards aufhorchen lassen, mit ihrem zweiten Album hat sie aber den Weg schon vorgezeichnet, den sie mit "Flood", ihrem neuen Album konsequent weiter gegangen ist.

Muriel Zoe

Muriel Zoe passt in keine Schublade, sie kombiniert Singer/Songwriter-Elemente mit durchaus jazzigen Einfällen und setzt mit ihrer angenehmen Stimme lässig luftige Akzente, wobei sie mal fröhlich, mal melancholisch zu klingen vermag.

Christian Salentinig sprach für Jazzdimensions mit Muriel Zoe

Christian: Nach Red and Blue (2003) und Neon Blue (2005) hast Du mit flood ein neues Album auf dem Markt. Diesmal im Namen ganz ohne Blue und auch mit weniger Jazz als bisher. Wie kam es dazu?

Muriel: Nun, das war für mich abzusehen. Auf der ersten CD waren nur zwei eigene Stücke von mir, auf der zweiten CD hatte ich dann etwa die Hälfte der Songs selbst geschrieben, auf der neuen CD sind alle Stücke von mir. Ich bin musikalisch eher aus der Singer/Songwriter-Ecke und hatte mit dem Jazz erst später Kontakt bekommen.

Muriel Zoe

Christian: Für mich ist "Flood" ein sehr schönes Album, das ja auch in keine Schublade passen muss. Auffällig ist aber, dass die Platte teilweise schon recht melancholisch und nachdenklich klingt. Bist Du ein nachdenklicher Mensch?

Muriel: Ich bin fröhlich und nachdenklich zugleich, würde ich sagen. Mein letztes Jahr war aber auch geprägt durch, sagen wir "Umbrüche auf verschiedenen Ebenen", was sicher auch in die Platte mit eingeflossen ist und im Klang und in der Stimmung einiger Songs zu hören ist.

Christian: Wie entstehen eigentlich Stücke bei dir?

Muriel: Die meisten Stücke der neuen CD habe ich zurückgezogen alleine in meinem Keller geschrieben. Oft wusste ich nicht mal, ob draußen die Sonne schien oder ob es regnete. Ich habe die Band erstmals ganz bewusst ruhig gestellt, mich alleine aufs Schreiben konzentriert und dann die Stücke im Keller vorweg aufgenommen.

Muriel Zoe - "Flood"

Christian: Das bedeutet, das gesamte Arrangement entwickelst Du alleine oder ist dann schon die Band dabei?

Muriel: Also, früher spielte ich der Band die Demos im Proberaum vor, und wir entwickelten das gemeinsam. Bei der neuen CD war es schon anders, da habe ich bereits mit Sounds und Instrumenten gearbeitet, auch mal mit einer zweiten Stimme. Natürlich habe ich dadurch auch länger alleine daran gearbeitet.

Christian: Die Besetzung hat sich ja auch geändert…

Muriel: Ja, das war gewissermaßen auch ein Findungsprozess. Stephan Gade hat das Album produziert und auch mitgespielt. Es war natürlich auch riskant, mit komplett neuen Leuten zu aufzunehmen, aber das hat insofern für mich Sinn gemacht, da ich Musiker gesucht habe, die ihren musikalischen Schwerpunkt auch eher im Bereich Singer/Songwriter haben und nicht unbedingt aus der reinen Jazzszene kommen.

Christian: Etwas Anderes: Du sprichst Deutsch und singst Englisch. Kam Dir jemals in den Sinn, auf Deutsch zu singen?

Muriel: Ich habe drei Jahre als Kind in Indien gelebt und war da auf einer britischen Schule. Insofern also ist Englisch für mich immer präsent gewesen.

Christian: Ja, aber fühlst Du Dich sicherer auf Englisch?

Muriel: Ich höre mir sehr gerne auch Deutsch gesungene Sachen an. Aber bei mir hat es sich einfach so ergeben, da ich im englischsprachigen Raum mit Musik begonnen habe. Als ich etwa vierzehn Jahre alt war, habe ich mit meinen ersten eigenen Stücken angefangen. Und da hat sich gar nicht die Frage gestellt, da war klar, dass es auf Englisch sein wird! Ich habe auch schon für andere Leute mal auf Deutsch etwas geschrieben und probiere das für mich im stillen Kämmerlein aus. Es interessiert mich also schon.

Muriel Zoe

Christian: Wer sind eigentlich Deine musikalischen Vorbilder?

Muriel: Hmm, das ist schwierig, klar gab es auch bei mir Einflüsse von den verschiedensten Seiten wie Joni Mitchell, The Police oder Little Feat

Christian: Nicht gerade die Vorbilder, die man sich bei einer Sängerin, die ihr Debutalbum mit Jazzstandards herausgebracht hat, erwartet…

Muriel: Einige meiner Lieblings CDs sind aber auch Jazz CDs! Etwa von Betty Carter und Carmen McRae. Ergeben hat sich das damals fast zufällig, da ich ein Programm mit Jazzstandards fertig hatte, einfach weil ich die Stücke toll fand. Vielleicht war es auch von Vorteil, dass ich ohne studierten Hintergrund die ersten Aufnahmen gemacht habe.

Und als wir gemerkt haben, dass sie gut geworden sind, haben wir sie einfach an Plattenfirmen geschickt und so kam letztendlich der Kontakt zu ACT zustande. Ich habe nie ein Jazzstudium absolviert und würde mich auch nicht als Jazzsängerin bezeichnen, es hat mich einfach interessiert, mich mit dem Material zu beschäftigen.

Christian: Wie kommt Du eigentlich auf den Künstlernamen Muriel Zoe? Ich meine, Zoe bedeutet Leben auf Griechisch, was hast Du…

Muriel: (unterbricht lachend) Nein, das ist viel einfacher! Zoe ist wirklich mein zweiter Vorname, da musste ich zum Glück nicht lange nach einem Künstlernamen suchen. Meinen eigentlichen Nachnamen habe ich dann irgendwann einfach weggelassen.

Christian Salentinig

CD: Muriel Zoe - "Flood" (Blue Pearls 903812)

Muriel Zoe im Internet: www.murielzoe.com

Blue Pearls Music im Internet: www.bluepearlsmusic.com

Fotos: Pressefotos

Mehr bei Jazzdimensions:
Muriel Zoe - "Red and blue" - Review (erschienen: 26.8.2003)

© jazzdimensions 2009
erschienen: 6.5.2009
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