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Martin Schrack - "Ans Geld darf niemand denken!"

Die Zukunft ist ungewiss, nicht nur die persönliche und momentan die wirtschaftliche, sondern auch die der vielleicht besten Big Band Deutschlands. Gemeint ist die "Bobby Burgess Big Band Explosion", die selbst weit über eine Dekade nach dem Tod ihres Gründers, des Posaunisten Bobby Burgess, ihren Fortbestand und, vor allem, ihre Qualität sichern konnte.

Martin Schrack

Mitte April diesen Jahres nun sorgte eine Pressemitteilung für Aufregung, nach der es die Bobby Burgess Big Band Explosion nicht mehr geben soll. Nachfolger wäre die Jazz Factory Band, hieß es darin weiter. Diese Meldung wurde zwischenzeitlich wieder dementiert. Grund genug, einmal mit einem der ehemaligen Leiter, dem Pianisten Martin Schrack, zu sprechen, um etwas Licht in diese Sache zu bringen.

Hermann Mennenga sprach für Jazzdimensions mit Martin Schrack

Hermann: Martin, wie bist du zur Bobby Burgess Big Band Explosion gekommen?

Martin: Mitte der 80er Jahre gab es eine Reihe von jungen Jazzmusikern im Großraum Stuttgart, die anspruchsvolle Big Band Literatur spielen wollten, Musiker wie Klaus Graf, Andi Maile oder Eberhard Budziat. Man hat sich also untereinander ausgetauscht, und bald wurde mit Bobby Burgess der ideale Leader gefunden.

Nach wenigen Proben war dann die Gundbesetzung der Big Band komplett. Soweit ich mich erinnere, war ich ab der zweiten Probe dabei und bin bis zum heutigen Tag Mitglied der Band.

Martin Schrack

Hermann: Warst du damals schon Profimusiker?

Martin: Ja. Ich hatte gerade ein klassisches Klavier- und Kompositionsstudium hinter mir und war dabei, die Jazzgeschichte rückwärts aufzurollen. Begonnen hatte ich mit Fusion und Free und irgendwann lande ich noch bei Dixieland...

Hermann: Die "Explosion" hat sich über die Jahre hinweg unter der Leitung von Posaunist Bobby Burgess einen hervorragenden Ruf erspielt. Wie habt ihr als Band es geschafft, nach seinem Tod 1997 weiterzumachen – erfolgreich weiterzumachen?

Martin: Nun, jeder der beteiligten Musiker wollte, dass die Band weiterbesteht. Grundbedingung dabei war stets: der künstlerische Anspruch muss so hoch wie bisher angesetzt sein. Genau dieser Anspruch hielt die Band zusammen.

Das heißt, Musiker, die ihre richtigen Gagen mittlerweile bei Rundfunkbigbands, an Hochschulen als Dozenten etc. erhielten, blieben hinsichtlich der Burgess Big Band bei dem Vorsatz, ohne große Verdienstperspektiven ein künstlerisches Juwel am Leben zu erhalten.

Bobby Burgess Big Band Explosion - "live at Rosenau"

Hermann: Bis vor kurzem hast du, zusammen mit den beiden Saxophonisten Klaus Graf und Andi Maile, die Band geleitet und organisiert. Zur Zeit gibt es in der Band starke Veränderungen. Wie sehen diese Veränderungen aus?

Martin: Graf, Maile und ich haben Anfang 2009 die Organisation und Leitung der Bobby Burgess Big Band niedergelegt. Die Band wurde aber nicht aufgelöst. Es ist aber momentan unklar, ob sich jemand bereit findet, die Band weiter zu führen.

Hermann: Bedeutet die Abgabe der Leitungstätigkeit auch einen Rückzug aus der Band für dich?

Martin: Nein, ich betrachte mich weiterhin als Mitglied der Burgess Big Band – aber es wird sicherlich schwierig, einen Leiter und einen Manager für die Band zu finden.

Martin Schrack

Hermann: Du hast mit den beiden anderen früheren Leitern eine neue Bigband gegründet, das Jazz Factory Orchestra. In wie weit unterscheidet sich diese von der BBBB Explosion?

Martin: Nun, es sind sehr viele Musiker aus der Burgess-Besetzung auch im Jazz Factory Orchestra zu finden. In Zukunft wollen wir vermehrt Musiker aus dem Grossraum Stuttgart dazuholen und dabei auch junge, enorm talentierte Musiker einsetzen.

Weiterhin wollen wir das Programm erweitern, noch mehr Bandmitgliederarrangements spielen und Programme featuremäßig auch auf einzelne Instrumentalisten fokussieren. Im Kurzen: Unsere Spesenrechnungen müssen geringer gehalten, unsere Programmatik soll erweitert werden.

B. B. Big Band Explosion - "live at Rosenau Vol 2"

Hermann: Ihr hattet vor kurzem eure Premiere. Wie ist es gelaufen?

Martin: Sehr sehr gut! Wir waren überrascht - beim ersten Gig spielten wir einen Set mit traditioneller Big Band Musik (Basie) und den zweiten Set mit eigenen, bzw. Bob-Mintzer-Arrangements. Es lief wie am Schnürchen. Da waren schon junge Musiker an tragenden Positionen dabei, beispielsweise Marcel Gustke an den Drums, ein sehr talentierter Musiker.

Martin Schrack

Hermann: Wer gehört der Band sonst noch an?

Martin: Die Band hat im Moment noch keine feste Erstbesetzung. Ich vermute, wir werden besetzungstechnisch für jede Position zwei bis drei Musiker zur Auswahl haben und das ist gut so.

Natürlich Namen wie Klaus Graf, Andi Maile, Michael Lutzeier am Saxophon; Johannes Herrlich, Ian Cumming, Eberhard Budziat an den Posaunen; Frank Wellert, Ralph Hesse, Trompeten; Veit Hübner, Paul Hochstädter und mich selbst in der Rhythm Section kann man aber schon nennen.

Hermann: Ist eine neue Bigband überhaupt noch zeitgemäß? Und vor allen Dingen finanzierbar?

Martin: Diese Fragen kann ich nicht beantworten, es hört sich so theoretisch an! Wir versuchen einfach, es zu tun, es so gut wie möglich zu tun. Und ans Geld darf bei einer Jazz Big Band wie dieser eh niemand denken – sonst würde ganz andere Musik dabei herauskommen!

Hermann Mennenga

CD: Bobby Burgess Big Band Explosion - "live at Rosenau Vol.2"
(Mons Records MR 874458)

Martin Schrack im Internet: www.schrack.de.tt

Mons Records im Internet: www.monsrecords.de

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2009
erschienen: 12.9.2009
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