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Laura Vane - "Blue Eyed Funk Viper"

Musik befindet sich in ständiger Bewegung. Ohne jenen Einfluss gäbe es nicht diese oder jene Strömung, ohne diese eine Stilblüte, diesen anderen großen Hit, würde dieses oder jene Album, Künstler X oder Sänger Y völlig anders klingen. Soul macht da keine Ausnahme. Das Genre hat sich in den letzten Jahren, Jahrzehnten, einer Vielzahl von Entwicklungen und Strömungen hingeben wollen und teils müssen.

Laura Vane

Neben dem bodenständigen, vocalgetriebenen Soul, der, eigentlich als Seitenarm, seit über einem halben Jahrhundert gleichförmige Daseinsberechtigung proklamiert, gab es immer wieder Auswüchse und Entwicklungen, die mal überlebten und sich spiralförmig in den nächsten Level drehten, aber auch kurzzeitige Stilblüten, die sich in langer Sicht nicht bewährten.

Ein Portrait der Sängerin Laura Vane von Michael Arens

Da gab es Dinge wie "New Jack Swing" (auch "Swing Beat" genannt), R'n'B (im Sprachgebrauch seit den frühen Neunziger Jahren fälschlicherweise für rauen, straßen- und clubtauglichen Soul verwendet), "NuSoul" bzw. "NeoSoul" (Erykah Badu, Jill Scott, D’Angelo), "Blue Eyed Soul" (von Dusty Springfield über Daryl Hall bis eben Laura Vane & The Vipertones) oder die Sixties Soul-Bewegung der vergangenen acht, neun Jahre (Amy Winehouse, Sharon Jones) bis zu Kleinst-Genres wie "Electro" (der Verbindung zwischen dem, was man heute als "Boogie" oder "Early Eighties-Disco-Soul" kennt und frühen Rap-Stücken – mit geschätzten 100 Songs sicher eines der kleinsten Subgenres von Soul) oder "2Step" (erinnert sich noch jemand an den einstigen 2Step-Mega-Act Artful Dodger?).

Eine weitere Entwicklung all dieser Strömungen ist der simple Groove, der sich der emotionalen Seite all dieser Stile bedient und für den bis heute kein echter Name erfunden wurde. Ein bisschen House, ein netter, gerne weiblicher Gesang, eine Portion elektronische Musik, schmatzender Funk, handgespielte, fast akustisch anmutende Gitarrenriffs und knackige Bassläufe – gepaart mit einem überschwenglichen Gefühl für Sechziger Jahre-Soul-Harmonien.

In dieses Bild passt Laura Vane, gebürtige Engländerin mit dem Herz und der Stimme auf dem Soul-Fleck. Zusammen mit Jonathan Radford, eher unter dem Pseudonym Diesler bekannt, und gerade mit seiner “Tracks On The Rocks“-Kompilation (Freestyle Records/Groove Attack) im besagten Groover-Fahrwasser verdient erfolgreich, machte sich Laura Vane nach einschlägigen Erfahrungen auf zu ihrem ersten Album unter eigenem Namen.

Laura Vane

Ton van der Kolk und Phil Martin, beide Teil des sogenannten "Dutch Nu Soul Movement" (der Sampler “Socialized Jazz Beats 2“ auf dem Label von Laura Vane & The Vipertones, Social Beats, ist erst kürzlich im Vertrieb von Groove Attack erschienen) und Väter und Ideengeber diverser Soul- Funk- und Groove-Projekte wie Aiff, The Jazzinvaders oder den Soul Snatchers, gesellten sich zum Duo Vane/Radford und die Vipertones waren geboren.

Laura Vane, strotzend vor Energie und schlicht natürlich bis in die Zehenspitzen, wollte mir die eigentliche Entstehungsgeschichte der Band und des aktuellen Albums “Laura Vane & The Vipertones“, wohl einem der besten Funk, NuFunk, NuJazz, Groove-Alben der letzten Jahre nicht vorenthalten:

Laura Vane: Das Album wurde von uns vier Vipertones geschrieben, von mir, von Jonathan Radford, auch als Diesler bekannt, und Phil Martin und Ton van der Kolk aus den Niederlanden. Die beiden waren es auch, die in Kontakt mit Jonathan standen, um an einem Projekt zusammenzuarbeiten.
Zu der Zeit hatte ich große Probleme mit meinem Solo-Material. Jonathan und ich hatten schon des öfteren zusammen gearbeitet, hatten bereits drei oder vier Sachen veröffentlicht. Jedenfalls gab es schon zuvor seitens Phil Martin und Ton Interesse an einer Zusammenarbeit mit mir, aber das Timing stimmte irgendwie nie. Wir fingen alle vier an, uns diesbezüglich zu schreiben und schließlich wurden wir als Band für ein Festival in Holland gebucht.
Wir spielten eine Stunde zusammen und verstanden uns prächtig. Direkt am nächsten Tag trafen wir uns im Studio und verbrachten dort drei volle Tage, nur, um zu sehen, was passiert. In diesen drei Tagen schrieben wir “Man Of Your Word“ und “Steam“. Ich flog zurück nach England, und erst dann entschieden wir uns, zusammen ein ganzes Album zu machen.

Bei all den satten Bläsersätzen des Albums und der präzisen, dabei wohlwollend eingesetzten Vokalakrobatik von Laura Vane fällt ein weiterer wichtiger Baustein des Projektes Laura Vane & The Vipertones ins Auge: Die Optik.

Laura Vane & The Vipertones

Das Album kommt im leicht unterkühlten, dabei groovedurchspülten Sixties-Look daher, ohne den Fokus auf den aktuellen Zeitgeist aus den Augen zu verlieren. Laura Vane erklärt das mit ihrer einvernehmenden und ansteckenden Offenheit:

Laura Vane: Für mich persönlich ist die Optik eigentlich ja nicht so wichtig. Das gebe ich nicht oft und nur sehr ungern zu! Ich bin recht altmodisch in meiner Herangehensweise an Musik grundsätzlich. Ich singe so, wie ich mich fühle, und so, wie ich will. Die Musik kommt für mich vor allem anderen.
Natürlich achten wir alle irgendwie darauf, wie wir aussehen, besonders, da ich ja oft vor allen anderen auf der Bühne im Vordergrund stehe. Der Look des Albums, des Projektes kommt also erst an zweiter Stelle für mich. Wie auch immer, das heißt natürlich nicht, dass wir uns nicht viel Mühe damit gegeben haben.
Ich möchte, dass die Menschen sich das Album anhören, mich anhören, die Vipertones hören, ohne dabei zu sehr daran zu denken, was wir wohl optisch und ästhetisch hergeben. Es ist nicht mein Hauptaugenmerk.

Auch stimmtechnisch passt Vane in die Strömung, die das "Dutch Nu Jazz Movement" ausmacht: unterkühlte, vorsichtig eingesetzte Stimmen statt breit und theatralisch herausprustenden Bauchstimmen. Dusty Springfield statt Aretha Franklin sozusagen.

Laura Vane

Das macht das Projekt um die Vipertones nur noch sympathischer. Der Sound von Laura Vane & The Vipertones klingt dabei so selbstverständlich, dass es fast so scheint, als hätte Frau Vane nie etwes anderes gemacht.

Laura Vane: Eine gute Sängerin zu werden, war immer eine Ambition von mir. Schon als ich sehr, sehr jung war – so lange, wie ich überhaupt denken kann, wollte ich Sängerin werden! Wenn man immer eine einzige Sache so sehr will, mit einer solchen Faszination, dann lernt man schon alleine dadurch, dass man seine Zeit investiert, diese Ambition auszuleuchten. Ich bin so weit gekommen, dass ich es geschafft habe, einiges an guter Arbeit abzuliefern, und trotzdem habe ich zugleich noch eine ganze Menge zu lernen.

Doch woher kommt diese Affinität zu Soul, die ja nun nicht gerade dem Gusto der Generation Vane (Laura ist 28 Jahre jung) entspringt? Laura Vane dazu:

Laura Vane: Ich war immer ganz schnell bei der Sache, Soul zu folgen. Schon als Kind habe ich Soul, gerne weißen Soul, gehört. Ich hörte mir viele verschiedene Arten von Soul an, auch Dinge von Leuten wie Terence Trent D’Arby oder Annie Lennox.
Das war damals noch aus der Plattensammlung meiner Eltern. Sobald ich in der Lage war, mir selbst Platten zu kaufen, kaufte ich viel Acid Jazz, RnB, Soul, NuJazz.

Das hört man ihrem Albumdebüt an. Und auch die Verliebtheit in die Sechziger Jahre, sicher von Soul Snatchers-Frontmann Phil Martin initiiert, die augenzwinkernde Anleihe bei Funk, klassischen Soul-Elementen, bei Jazz, aber auch bei Vocal-House-Elementen oder elektronischer Musik (einmal mehr: Diesler) spielt im überraschend unterhaltsamen und unaufdringlichen Soundgeflecht von Laura Vane & The Vipertones eine tragende Rolle.

Laura Vane

Wie aufregend das ganze Projekt für den Hörer aber auch seine vier Macher ist, hört man der vor Energie und Lebensfreude strotzenden Stimme von Laura Vane während des Interviews an. Einem kleinen Kind beim ersten Besuch im Zirkus nicht unähnlich, erklärt die überaus liebenswerte und charmante Laura Vane:

Laura Vane: Ich bin extrem fasziniert. Ich wache jeden Morgen extrem aufgeregt auf. Ich fühle, dass ich mich in einer geradezu fantastischen Position befinde. Ich liebe alle Songs auf dem Album. Das Album ist sehr emotional; aufrichtig. Ich, und ich weiß, dass ich jetzt auch für uns alle, für die Vipertones, spreche, bin sehr, sehr stolz auf das Album.
Wir können es tatsächlich kaum erwarten, es für die Menschen live zu spielen: “Laura Vane & The Vipertones“ von der Funk- und Soul-Band mit gleichem Namen, ist das Soul-Album des Jahres. Du musst es dir von Anfang bis Ende anhören. Es gibt wirklich niemand, der sich ähnlich anhört wie ich und die Vipertones.
Es ist eine sehr besondere Zeit für mich und uns und ich kann nicht erwarten, zu sehen, was in den nächsten paar Monaten passiert. Wenn du das Album magst, komm’ zur Show. Das ist genau die Verbindung, die den Funken zum Glühen bringt!

Michael Arens

CD: Laura Vane & The Vipertones - "same" (Unique Records 160)

Laura Vane im Internet: www.lauravane.com

The Vipertones im Internet: www.lauravaneandthevipertones.com

Unique Records im Internet: www.unique-rec.com

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2009
erschienen: 7.11.2009
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