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Ángela Tröndle - "... und Mosaik"

Obwohl die 24-jährige Salzburgerin ihren musikalischen Weg an der Geige und am Klavier begann, ist ihr wahres Instrument ihre Stimme. Und diese weiß sie auch gekonnt einzusetzen. Aber nicht nur als Sängerin, sondern auch als Komponistin anspruchsvoller, aber unkompliziert klingender Musik stellt sie ihr Talent auf der vorliegenden Debut-CD "Dedication to a city" unter Beweis.

Ángela Tröndle

Christian Salentinig hat für Jazzdimensions Ángela Tröndle zum Interview gebeten.

Christian: Ángela, Dein Weg dorthin, wo Du jetzt bist, war ja nicht immer ein leichter. Du wolltest Jazz-Gesang studieren, bist aber mehrmals auf der Kunst Universität in Graz nicht aufgenommen worden, hast aber letztendlich trotzdem mit Auszeichnung abgeschlossen. Wie kam es dazu?

Ángela: Nun, Aufnahmeprüfungen haben viel mit Glück zu tun, und auf der UNI in Graz wird auch viel auf Internationalität geachtet, derzeit wird auch nur ein(e) ÖsterreicherIn pro Jahr aufgenommen. Außerdem hast Du nur einen einzigen Song, den Du vorsingen kannst, das ist extrem wenig. Ich verstehe aber auch, warum ich damals nicht genommen wurde, denn ich war vielleicht zu poppig orientiert! Ich war "nicht jazzig genug" im Stil der Professoren.

Damals wurden auch Männer beim Jazzgesang klar bevorzugt; ich bin aber letztendlich froh, daher mehr Zeit gehabt zu haben, mich auf meinen weiteren Weg vorzubereiten. Nachdem ich die Aufnahmeprüfung doch letztendlich geschafft habe, ist es dann aber nach dem zweiten Semester so richtig losgegangen, auch bei den Kompositionen, und ich habe dann doch noch mit Auszeichnung fertig gemacht.

Ángela Tröndle

Christian: Wie kam es zur Gründung Deiner Band Mosaik, und wie identifiziert sich die Band als fixes Ensemble oder spielst Du einfach nur gerne mit Leuten, die gut sind?

Ángela: Während des Studiums habe ich den Saxophonisten Siegmar Brecher kennen gelernt und eigene kleine Projekte mit ihm gemacht. Es gab dann aber bald ein Bedürfnis meinerseits, mit einer eigenen Band aufzutreten. Im Sommer 2004 habe ich dann überlegt, wer in diese Band reinpassen könnte. Siegmar war von Anfang an logischerweise dabei und mit Valentin Czihak am Bass und Philipp Kopmajer am Schlagzeug war ich sofort Feuer und Flamme.

Schwieriger war da schon die Auswahl des Pianisten. Mein Traum war es immer schon, mit Stefan Heckel zu spielen, aber der war damals schon Professor an der KUG und ich traute mich nicht wirklich, ihn zu fragen. Aber er sagte spontan zu und das war einfach phantastisch. Mir ist diese Band sehr wichtig, ich muss nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Alle haben sich sehr eingesetzt bei unserem Debütalbum und einige Stücke sind erst im Studio so richtig entstanden. Wir sind alle auch sehr stolz auf darauf.

Ángela Tröndle

Christian: Wie habt ihr es angestellt, einfach mal so über den großen Teich zu fliegen und dort in New York in die Szene reinzuschnuppern? Gab es da schon Kontakte vorher oder ist das wirklich spontan entstanden?

Ángela: Ich habe die Aufnahmeprüfung auf die "Manhattan School of Music" im März 2006 bestanden und auch Kontakte gehabt, aber kein Stipendium bekommen und konnte mir den Aufenthalt in New York leider nicht leisten. Ich fuhr dann mit einigen Musikerkollegen für drei Monate hin und wir haben mit lokalen Jazzern zusammen gelebt, gewohnt, und zwei bis drei Sessions pro Woche gespielt, es war einfach wunderbar!

Unter den Musikern herrscht dort überhaupt keine "amerikanische Oberflächlichkeit", sondern es gab von Beginn an vollste Akzeptanz. Leider hat es für ein eigenes Konzert nicht gereicht, da muss man schon länger drüben sein, denke ich. Aber das kann ja noch werden! (lacht)

Ángela Tröndle & Mosaik - "Dedication to a city"

Christian: Ihr seid nun mir eurer Erstlings-CD in vielen österreichischen Medien großartig bewertet worden und könntet Euch eigentlich auf euren Lorbeeren ausruhen. Was ist in Zukunft von Dir und Deiner Band zu erwarten?

Ángela: Also natürlich ehren mich Auszeichnungen oder positives Feedback in der Presse! Ich habe auch vor kurzem von der Salzburger Landesregierung ein Jahresstipendium für Musik erhalten, aber ich sehe dies alles als Auftrag, mich weiter zu entwickeln und neue Projekte anzugehen. Wir machen jetzt im Februar eine kleine Tournee durch Österreich, ich werde auch stark bei der Jazzwerkstatt Graz mitarbeiten, die mit der Wiener Jazzwerkstatt sehr inspiriert Musiker austauscht und ich werde mich auch meinem Kompositionsstudium vermehrt widmen.

Mit Mosaik ist erstmals keine neue CD geplant, ich würde aber liebend gerne erneut Rilke-Gedichte vertonen und diese auch vielleicht mit Tanz oder Pantomime kombinieren. Rilke fasziniert mich schon länger, da ich bei ihm zwischen den Zeilen so viel Abstraktes und Modernes herauslesen kann.

Ángela Tröndle

Christian: Wie schreibst Du eigentlich Songs? Fallen sie Dir beim Duschen am Morgen ein oder gehst Du generalstabsmäßig vor, wenn Du schreibst?

Ángela: Also beim Duschen eher nicht (lacht), aber oft entsteht ein Song ganz spontan, wenn ich am Klavier sitze und improvisiere. Irgendwann bleibt da ein Pattern hängen und ich habe in zwanzig Minuten einen fertigen Song.

Leider aber geht das nicht immer so und wenn ich unter Zeitdruck bin, geht oft gar nichts mehr. Dann gehe ich zum Beispiel Laufen und nehme den Song einfach in meinem Kopf mit und dann entspannt sich bald alles wieder und der Song wird fertig. Zum Glück...

Christian Salentinig

CD: Ángela Tröndle & Mosaik - "Dedication to a city"
( cracked anegg records )

Ángela Tröndle im Internet: www.angelatroendle.com

Cracked Anegg Records im Internet: www.crackedanegg.com

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2008
erschienen: 26.2.2008
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