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Malene Mortensen - "Mit Charme und Stimme"

Diese Sängerin scheint mit allen Wassern gewaschen: Sie hat bereits in einer Rockband gesungen, trat als Vertreterin ihres Landes Dänemark beim Grand Prix d'Eurovision auf und ist im Folk ebenso wie im Jazz zuhause. Gerade ist ihr drittes Soloalbum, mit dem kurzen Titel "Malene" erschienen, produziert von Chris Minh Doky. Wer jetzt vermutet, die Rede sei hier von einer abgebrühten Mitt-Dreißigerin, irrt: Malene Mortensen ist gerade mal 24 Jahre alt. Und sie hat eine unglaubliche Stimme…

Malene Mortensen

Ihr Gesang ist für die junge Frau der Ausdruck dessen, was sie tief in ihrem Herzen fühlt und sie hofft, "ihr ganzes Leben lang singen zu können." Mortensen, die zum ersten Mal bereits mit elf Jahren auf der Bühne stand, spürte bereits zu Highschool-Zeiten, dass sie Musikerin werden würde und orientierte sich dementsprechend. Ihre neue CD changiert zwischen Pop und Jazz, vereint mühelos scheinbar disparate Songs, etwa von den Eagles wie Klassiker von Billie Holiday, im jazzgesanglichen Ansatz.

Carina Prange sprach mit Malene Mortensen

Carina: Du bist bei deiner Mutter und später bei einer Freundin von ihr aufgewachsen, die beide sehr stark mit Musik beschäftigt waren. Hilft das dabei, selbst einen persönlicheren, einen individuellen Zugang zur Musik zu finden?

Malene: Meine Kindheit war für mich sehr inspirierend. Meine Mutter war Schlagzeugerin. Sie ließ mir sehr viel Raum, mich selbst an den Trommeln, am Klavier oder was auch immer ich wollte, auszuprobieren. Ich kann aber nicht so genau sagen, ob es wirklich dabei hilft, die eigene Musik zu finden. Ich glaube, du findest deine eigene musikalische Ausrichtung beim Heranwachsen und Älterwerden. Das ist nichts Endgültiges!

Malene Mortensen

Carina: Wurden an dich von deiner Umgebung und von dir selbst höhere musikalische Ansprüche gestellt als es bei anderen Kindern der Fall war?

Malene: Nein. Ehrlich gesagt hatte ich da als Kind gar keinen Ehrgeiz. Das fing erst an, als ich Teenager war. Da wollte ich eine ausgezeichnete Sängerin werden und ganz allgemein mein musikalisches Können verbessern. Es ist natürlich so, sobald du dein erstes Album aufgenommen hast, merken alle auf. Es folgt eine wachsende Aufmerksamkeit für das, was du gerade machst und was als nächstes kommt.

Carina: Hilft der Gesang, die Nöte und Anstrengungen des Lebens sozusagen "wegzusingen"?

Malene: Nein, es nimmt die Kämpfe des Lebens nicht wirklich weg. Aber es kann den Schmerz mindern, den du tief in dir drin spürst. Das ist der Grund, warum es manchmal hart ist, eine Sängerin zu sein: ich muss mir immer dessen bewusst sein, was ich fühle. Ich muss tagtäglich mich selbst betrachten. Sozusagen von außen schauen, wie meine Stimmung gerade ist. Was ich gerade für mich benötige.

Ich kann beispielsweise nicht einfach auf die Bühne gehen, wenn ich total down bin oder wegen irgend etwas sehr verletzt. Und ich muss sehr viel über mich selbst lernen: Nur auf diese Weise kann ich ein Kanal für die Musik sein, kann ich dafür sorgen, dass sie sozusagen aus mir rausfließt. Und dass sie in dem Moment nicht zu sehr ein Teil von mir ist. Denn sobald ich auf der Bühne stehe, bin ich selbst vollkommen unwichtig. Ich bin dort, um Musik zu erschaffen. Und ich arbeite daran, an den Punkt zu kommen, wo ich mich selbst einfach vergesse.

Malene Mortensen - "Malene"

Carina: Ist eine solch ausgezeichnete Stimme, wie du sie hast, hauptsächlich das Ergebnis von viel Training?

Malene: Ich muss sagen, ich habe meine Stimme sehr, sehr viel trainiert. Und derzeit habe ich jede Woche Stunden bei einem hervorragenden Voice-Coach, bei dem ich schon seit acht Jahren Unterricht habe. Danke dir übrigens sehr für das Kompliment! Ich bin mir nicht sicher, wieweit es auf das Üben ankommt. Was ich aber weiß, ist, dass jede Stimme unterschiedlich ist und ein Original!

Carina: Obwohl du noch sehr jung bist hast du bereits einige Projekte in Eigenregie gestemmt…

Malene: Ja, das ist richtig!

Malene Mortensen

Carina: Eine Band zu leiten, die Verantwortung für die Mitmusiker und die Musik zu tragen, ist das für dich in Ordnung?

Malene: Manchmal ist das schon ganz schön anstrengend. Denn ich muss mich ja, wenn ich schlecht drauf bin, immer selbst wieder aufbauen. Es ist eben so, dass es nicht vier Leute sind, auf deren aller Rücken die Last gleichmäßig verteilt ist. Aber es hat natürlich auch Vorteile: ich kann alle Songs, die ich spielen möchte, selbst auswählen – und ich muss keine Kompromisse eingehen. Denn es ist ja meine Gruppe und ich bin dafür verantwortlich.

Carina: Woher nimmst du die Kraft für das alles? Braucht es auch Mut und die Fähigkeit, Leute auch mal zu konfrontieren?

Malene: Oh ja! Das kann manchmal schon ganz schön schwierig sein. Ich bin gelegentlich ziemlich nervös und denke zuviel darüber nach, ob die Hörer meine Musik nun auch wirklich mögen oder ob ich gut genug bin. Deswegen versuche ich, mir vom Verstand her klarzumachen, in welche Richtung ich gerade denken sollte und was ich tun sollte. Und manchmal bete ich ganz einfach um Kraft!

Malene Mortensen

Carina: Welchen Anteil haben das Klavierspiel und das Komponieren an deiner Karriere als Sängerin?

Malene: Ich komponiere manchmal am Klavier, aber seit neuestem habe ich zusätzlich damit angefangen, Gitarre zu spielen. Ich würde sagen, ich verwende ungefähr jeweils die Hälfte meiner Zeit fürs Singen und die andere Hälfte fürs Komponieren.

Carina: Mit Blick auf deine Folk-Roots und die dänische Sprache: fühlt sich ein in englischer Sprache gesungener Song genauso an wie einer auf Dänisch?

Malene: Klar gibt es da einen Unterschied! Egal, wo immer ich in der Welt gerade bin und auftrete, ich singe immer auch ein Lied in dänischer Sprache. Und manchmal fragt auch jemand aus dem Publikum, ob ich nicht etwas Dänisches singen könne. Weil er oder sie einfach mal hören möchte, wie das klingt.

Carina: Du hast auch ein Duoprojekt zusammen mit dem Pianisten Magnus Hjorth durchgeführt. Gibt es dieses Duo noch und was ist das Besondere daran?

Malene: Das Duo ist in der Tat "ganz besonders", denn es handelt sich bei Magnus Hjorth um meinen Lebensgefährten! Wir leben zusammen und machen oft Musik und schreiben viel gemeinsam. Wir haben bereits viele Länder zusammen bereist und sind im Januar in Sizilien gewesen. Abgesehen von der Arbeit im Duo ist Magnus inzwischen auch offizielles Mitglied in meiner Band. Was es sehr angenehm macht. Wir spielen dann viele Lieder, die wir gemeinsam komponiert haben. Auf meinem neuen Album "Malene" finden sich davon auch einige.

Malene Mortensen

Carina: Während deines Musikstudiums gingst du auf eine Japan-Tour, wegen der du das Studium dann zunächst mal unterbrochen hast. Empfandest du das alternative "Learning by Doing" als adäquaten Ersatz?

Malene: Wie man mit einem Publikum umgeht, lernst du nur bei Konzerten – und wie du mit dir selbst umgehst, ebenfalls! Außerdem kannst du dir die Frage stellen, warum du auf der Bühne stehst und "jemandem" dafür dankbar sein, dass du die Möglichkeit hast, zu singen. Aber ich vermisse den Unterricht, ich möchte das Studium baldmöglichst wieder aufnehmen…

Carina: Auf deinem neuen Album "Malene" mischt sich reiner Jazz wieder mit anderen Einflüssen – wie beschreibst du selbst das Konzept?

Malene: Es sind sehr unterschiedliche Songs auf der neuen CD. Originals und Pop-Standards. Letzlich gibt es mehr Gitarrenklänge zu hören und ja, es ist schon etwas popbetonter. Aber der Jazz-Vibe ist geblieben und er wird mir auf meinem Weg immer folgen!

Carina Prange

CD: Malene Mortensen - "Malene"
(Stunt Records / Sunny Moon STUCD 06172)

Malene Mortensen im Internet: www.malenemortensen.com

Stunt Records im Internet: www.sundance.dk

Fotos: www.malenemortensen.com

© jazzdimensions 2007
erschienen: 8.5.2007
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