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NoJazz - "Folge der Verneinung des Jazz"

Ist es noch Jazz oder eigentlich schon eine ganz andere Musikrichtung? Diese Frage müssen sich alle Musiker gefallen lassen, die im Spannungsfeld des Jazz agieren und Material und Inspiration anderer Genres miteinbeziehen. NoJazz haben ihr demonstrativ vorgebeugt – mit diesem Namen als Aushängeschild schweigt der Journalist oder grübelt vor sich hin, der Zuhörer – ob Jazzfan oder nicht – wird neugierig. Und: unter dieser Flagge lässt sich Jazz spielen, Abrocken, Scratchen oder was auch immer – ohne dass irgendwer pikiert dreinblickt.

noJazz

Kürzlich erschien nun das auf die selbstbetitelte Debüt-CD "noJazz" folgende Album mit dem ebenfalls negierenden Titel "noLimits". Tatsächlich werden hier die Grenzen noch weiter aufgehoben, zum Jazz oder vielmehr "nicht-Jazz" gesellen sich Remixe und musikalische Vermengungen unterschiedlichster Art.

Auch Assistenz von außen wurde geholt – zwei wichtige Partner für das neue Album waren Maurice White von Earth, Wind and Fire und der, kurz nach den Aufnahmen leider verstorbene, französische "Vater des Rap", Claude Nougaro, der durch seine Fusion des Jazz mit dem französischen Chanson bekannt wurde. "Wir sind ein ganz und gar demokratisches Team," erläutern noJazz, die sich als Band mit einer gemeinsamen Stimme verstehen, ihre eklektische Repertoirewahl entsprechend unisono: "Keiner entscheidet alleine, sondern stets alle gemeinsam!"


Okay, wir tragen ein Stück weit bei zur Zukunft des Jazz!

Dass sie von der Zeitung "Le Monde" schon mal als "Zukunft des Jazz" bezeichnet wurden, schmeichelt ihnen zwar: "Ich meine, okay, wir tragen ein Stück weit bei zur Zukunft des Jazz." Aber ganz soll es so nicht stehen bleiben: "Selbstverständlich ist das nur ein Teil von dem, was wir machen. Wir spielen eben ein Gemisch und sicher sind wir damit auch irgendwie richtungsweisend." Aber man solle weniger die Zukunft betonen, so der nachgeschobene Kommentar, erstmal ginge es um die Gegenwart: "Und da sind wir jetzt!"

noJazz

Bespielt die Band gewöhnlich Rockclubs und große Konzertarenen, so treten sie durchaus auch hin und wieder mal in einem Jazz- und Blues-Club auf: "Ja, wir haben schon in den unterschiedlichsten Läden gespielt, auch in großen Rockhallen", kommentieren noJazz die Auftrittsorte und das Publikum, "und es waren die verschiedensten Leute da. Eigentlich spielen wir einfach für alle und wollen alle erreichen!"

Trotz nach außen getragener Gruppenhomogenität bringen die Musiker unterschiedlichste musikalische Hintergründe mit. Da kommt einer vom Rock her, ein anderer hat jahrelang als Jazztrompeter bei den Stars mitgespielt. Was man auf Anfrage auch bereitwillig mitgeteilt bekommt – so etwas "sei aber egal" und man feixt schon mal übereinander: "Der da, der wollte einfach aus seinem Dorf raus, weil da nichts los ist!"

noJazz

Keine Frage noJazz lieben das bunt Zusammengewürfelte wirklich, propagieren es, fernsehtauglich und Aufmerksamkeit heischend wie ihre Glitzerkleidung und ihre überdimensionalen Brillen, auch entsprechend: "Wir wollen mit der Musik vor allem unseren Spaß haben!" Und doch steckt hinter dem Kapriziösen ein ernsthafter Kern, ein breitgefächertes echtes Interesse: "Wir sind von so vielen Dingen inspiriert, dass es fast schwerfiele, zu sagen, wovon nicht. Es ist ja nicht nur Jazz, generell kommen Ideen aus allen Bereichen."

noJazz - "noLimits"

Eine dieser, bei der Aufnahme von "noLimits" wichtigen, Inspirationen war der oben erwähnte, weithin verehrte Claude Nougaro. Die Band betrachtet ihn als ihren persönlichen Hero: "Claude ist ein Vorbild für eine ganze Generation von Musikern. Er hat schon immer den Jazz geliebt und war für uns in jeglicher Hinsicht wichtig."

Auch wenn Nougaro in der Zwischenzeit gestorben ist, begleitet er die Band weiterhin: "Er hat unser erstes Album gehört und war so begeistert davon. Es ist sehr schade, dass wir ihn verloren haben. Aber durch seine gesampelte Stimme ist er ja bei den Konzerten immer bei uns, bei jedem Live-Gig hören wir ihn. Leider konnte er ja, außer bei den ersten beiden Voraufführungen, das ganze nicht mehr auf der Bühne erleben."

Carina Prange

CD: noJazz - "noLimits" (Warner Urban/Jazz)

noJazz im Internet: www.nojazz.de

Fotos: Warner Jazz

Edit. Anm.: Die ungekürzte Version dieses Textes erschien im Jazz Podium 12/04.

© jazzdimensions2005
erschienen: 9.2.2005
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