Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / interviews / portraits / 2006

Dennis Chambers -
der "Ausbrecher" des Fusion-Jazz

"Einer der besten Drummer der Welt" - ein Prädikat, das Dennis Chambers häufig verliehen wird. In Kollegenkreisen wird die Geschwindigkeit, mit der er Fills und Soli zu spielen in der Lage ist, geradezu als "überirdisch" bezeichnet. In seinen Konzerten erreicht er Tempo und Power eines Hochgeschwindigkeitszuges. Mit gleichzeitig enormen Spurtvermögen: seine unerschöpfliche Kondition macht es ihm möglich jederzeit noch einen Gang zuzulegen.

Dennis Chambers

Keine Frage, daß jede Band im Jazz-Fusion-Bereich - jüngstes Beispiel: Santana - sich gerne durch diesen "Sideman par excellence" aufwerten läßt, zumal Chambers auch bei den leisen, subtilen Klängen gleichermaßen brilliert. Jetzt aber probt Chambers den Ausbruch aus der Backline: sein soeben erschienenes Soloalbum "Outbreak" wird endlich auch weltweit vertrieben...

Carina: Der Produzent deines neuen Album ist der Keyboarder Jim Beard, der beispielsweise auch Alben für Victor Bailey produziert hat. - Was ist das Besondere an Jim Beard - warum hast du gerade ihn gewählt?

Dennis: Was Jim Beard, meinen Produzenten betrifft: ich habe mit diesem Mann immerhin viele Jahre lang zusammengearbeitet. Und durch diese Zusammenarbeit habe ich sehr viel über ihn erfahren. So habe ich mitbekommen, daß er, wenn er ein Projekt annimmt, dies niemals nur des Geldes wegen tut.

Wenn er aber dabei ist, kannst du sicher sein, daß er Herz und Seele in dein Vorhaben investiert und dabei immer 150 Prozent gibt. Ich habe es wiederholt gesagt - und würde es jedem schriftlich geben -: ohne ihn wäre dies alles nicht möglich gewesen. Allein schon wegen meines verrückten Tourzeitplans!

Dennis Chambers

Carina: Du warst in diesem Jahr lange mit Santana auf Tour - wie ist es gelaufen? Was für ein Gefühl ist das, vor so vielen Leuten zu spielen - in riesigen Stadien? Wie ist das Erleben im Vergleich zu einem Auftritt im Berliner Quasimodo vor ein paar hundert Zuhörern?

Dennis: Mit Carlos Santana zu spielen ist wirklich großartig - das ist mit Sicherheit ein "First Class Act". Und da sind dann tatsächlich ungeheuer viele Leute vor der Bühne, sehr sehr viele. Sobald ich jedoch die Bühne betrete, klammere ich jeden Gedanken an die Menschenmassen aus. Es ist in diesem Moment wichtig, daß man sich ausschließlich auf die Mitmusiker und die Musik konzentriert. Auch - und gerade - auf solch großen Bühnen können ungeheuer viele Dinge total schief gehen.

Ganz besonders fatal beispielsweise ist es, wenn du die Monitore nicht richtig hörst, oder wenn jemand versucht, den Einsatz vorzugeben - und du es als etwas anderes mißverstehst. Wenn ich in einem Club wie dem Quasimodo in Berlin spiele, brauche ich mir diese ganzen Sorgen nicht zu machen, die Bühne ist ja viel kleiner. So ein Ort ist einfach viel intimer und vertrauter - ich denke, das ist der Grund dafür, warum eine Menge auch wirklich großer Acts so gerne in kleineren Clubs zu spielen.

Carina: Neben den Melodien spielen auf "Outbreak" die Grooves eine entscheidende Rolle. Du spielst die Drums dein ganzes Leben lang als Autodidakt - seit du vier Jahre alt bist. War das Schlagzeug etwas, daß ganz von alleine "zu dir kam"? Was sagst du jungen Schülern, um ihnen dabei zu helfen, den besten Weg für sich zu finden?

Dennis: Ich sage ihnen, daß es sehr, sehr wichtig ist, sich eingehend, sozusagen von der Pike auf, mit dem Thema Schlagzeug zu beschäftigen - hier auf Entdeckungsreise zu gehen. Ich selbst habe Schlagzeug spielen im Grunde genommen dadurch gelernt, daß ich immer eine Menge Platten gehört habe. Alle Platten mit meinen Lieblingstrommlern.


Du mußt vor allen Dingen dir selbst gegenüber ehrlich sein!

Ich habe für gewöhnlich immer viel im Bereich Rock, Soul, R&B und Jazz gehört - aber selbstverständlich auch Fusion. Wichtig ist außerdem für jeden Schüler und Musiker: Hol´ immer das Beste aus dir raus - so gut, wie du eben kannst. Sei nicht so, wie irgend jemand anders dich haben möchte. Auch wenn der Spruch alt ist - du mußt vor allen Dingen dir selbst gegenüber ehrlich sein.

Carina: Du spielst Pearl Drums, Zildjian Cymbals und Zildjian Sticks - was ist das Besondere daran? Probierst du auch heute noch andere Marken aus oder bleibst du bei dem Altbewährten?

Dennis: Der Sound und die Qualität des Equipments muß einfach sehr, sehr gut sein - darauf muß ich bei meiner Ausrüstung achten. Ja, klar, ich probiere auch immer mal wieder andere Marken, aber Zildjian Becken und Pearl Drums sind meiner Meinung nach immer noch das beste.

Dennis Chambers

Carina: Du bist berühmt für deine Geschwindigkeit, deine Power und auch dafür, das zu spielen, was andere Schlagzeuger als "unglaublich saubere, schnelle single strokes" bezeichnen. Gibt es ein Geheimnis dahinter - wie übst du das?

Dennis: Kein Geheimnis. Allerdings, um Kontrolle, Geschwindigkeit und Kraft zu trainieren, übe ich einfach möglichst viel auf Kopfkissen. Das ist etwas, was mir noch - Gott segne ihn! - Mr Buddy Rich beigebracht hat.

Carina: Benutzt du in allen Situationen dasselbe Setup? Insbesondere wenn du das Live-Spiel und die Studiosituation vergleichst - wie schaffst du die Balance zwischen Powerplay und Nuancenreichtum im Sound?

Dennis: Ich verwende durchaus öfters verschiedene Setups - jeweils angepaßt an die unterschiedlichen Musikstile. Wenn ich, sagen wir mal, auf einer Bebop-Session spiele, verwende ich ein kleineres Drum-Kit: beispielsweise eine 18er oder 20er Bass-Drum mit einem 12er Hänge-Tom und einem 14er Stand-Tom.

Auch die Wahl der Schlagzeugfelle hängt vom verlangten Musikstil und dem dafür erforderlichen Sound ab - da kann ich mich zwischen einfachen, doppelschichtigen, rauhen oder glatten Fellen entscheiden. Die gute Balance zwischen kraftvollem und vielseitigem Klang hängt allerdings nicht vom Set ab - sowas mußt du als Schlagzeuger selbst im Griff haben. Und ich habe das wohl im Griff.

Dennis Chambers - "Outbreak"

Carina: Das Musiker-Lineup für "Outbreak" ist ein "Who is Who" des Fusion-Jazz und Funk - war es leicht, alle diese hochkarätigen Musiker zusammenzubekommen? Und: gab es spezielle Kriterien, den einen oder anderen deiner "Old Friends" auszusuchen?

Dennis: Ja und nein. Es war an sich einfach, die Musiker für das Projekt zu gewinnen und bei einigen gab es überhaupt keine Probleme. Schwieriger war schon die zeitliche Planung, manch einer war zu dem Zeitpunkt beschäftigt, auf Tour oder anderswo im Studio. Mit Gottes Hilfe hat es dann schließlich geklappt, alle zusammenzubringen. Besondere Auswahlkriterien zu treffen war dagegen schlichtweg überflüssig - die Leute, die ich auf der Platte dabei habe, können ohnehin alles spielen.

Carina: "Straight-Ahead"-Jazz, gradliniger Fusionrock der "Abgehen" soll - was paßt auf dein Album? Darf Musik kopflastig sein - oder sollte sie besser nicht? Geht es auch um Spaß?

Dennis: Nein, ich für meinen Teil würde dieses Album sicher nicht als Straight-Ahead-CD beschreiben. Die Musik soll zunächst - mehr oder weniger - einfach nur dafür sorgen, daß du dich gut fühlst, wenn du sie hörst. Musik, die mich wirklich im Innersten berührt, mich ins Herz trifft - das will ich. Allerdings, laß mich's mal so sagen - die Dinge, die mich berühren, sind sicher nicht unbedingt dieselben, die dich berühren.

Dennis Chambers

Bei mir wären das beispielsweise eine Menge Stücke von John McLaughlin und dem Mahavishnu Orchestra. Oder Gruppen wie Grand Funk Railroad, Led Zeppelin und Return to Forever. Oder Miles Davis, Tower of Power, Aretha Franklin, Jimi Hendrix. Dann Billy Cobham und Lenny White - und diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Für mich ist es sehr wichtig, eine Menge "Fun" zu haben während ich auf der Bühne bin und spiele. Oder auch, wenn ich auf Tour bin oder mit anderen Musikern unterwegs. Das gilt ebenso für das Produzieren und Aufnehmen im Studio - und selbstverständlich auch für das Publikum: ich hoffe, sie alle empfinden diese Freude beim Zuhören ebenfalls.

Carina Prange

CD: Dennis Chambers - "Outbreak" (ESC Records 03682-2)

ESC Records im Internet: www.esc-records.de

Fotos: ESC Records

Eine ausführliche Version dieses Interviews erschien bereits im Jazz Podium 12/2002.

© jazzdimensions2003
erschienen: 27.1.2003
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: