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Dani Wilde - "Jedes Lick ein Statement"

Die Gitarristin und Sängerin Dani Wilde trägt das Wilde bereits im Namen. Nicht nur, wenn es darum geht, mit den "Girls with Guitars" im Rahmen des "Bluescaravans" unterwegs zu sein, auch bei ihrem eigenen Projekt und dem neuen Album "Juice me up" hat Dani Wilde nicht nur den Blues im Blut.

Dani Wilde

Im kurzen Rock und auf hohen Absatzschuhen liebt es Dani Wilde, das Image der cowboystiefeltragenden Rocker- und Bluesbraut ad adsurdum zu führen. Warum unter dem provokanten Image die Musik nicht zu leiden braucht, erklärt sie im Interview

Carina Prange sprach für Jazzdimensions mit Dani Wilde

Carina: Männer erklären häufig, dass sie Gitarre spielen, um Frauen zu beeindrucken. Ist es umgekehrt auch so?

Dani: Nein, ich bin eher schüchtern. Okay, es macht schon Spaß, wenn das Publikum, egal ob es nun Männer oder Frauen sind, vor einem auf den Knien liegt! Wir stecken genau aus diesem Grund natürlich eine Menge Arbeit in unsere Show, aber im Grunde mache ich Musik um der Musik willen und weil es mich glücklich macht.

Wenn ich ein Solo spiele, dann lege ich Herzblut hinein. Jedes Lick soll ein Statement sein, das genauso bewegend ist, wie eine mit Inbrunst gesungene Textzeile. Die Männer, die dann im Raum sind, habe ich dabei gar nicht im Sinn – ich mache das, weil sich gute Musik darum dreht: dass man seine Seele bloßlegt.

Ob Sam Cooke "A Change Is Gonna Come" singt, oder Peter Green bei "Need Your Love So Bad" seine Gitarre spielt, daher rührt ihre Magie. Von diesen meine Helden versuche ich zu lernen und versuche, meine Musik mit der gleichen Ehrlichkeit zu präsentieren. Nur darum geht es.

Dani Wilde

Carina: Bei einem Gitarristen heißt es ja oft, die Gitarre sei "seine Braut". Das ist natürlich ziemlich "macho"...

Dani: Nein wieso, meine Telecaster ist ja auch "mein Baby"! BB King hat seine "Lucille" – und es ist klasse, dass er seine Gitarre so sehr liebt, dass er ihr einen Namen gegeben hat. Das empfinde ich überhaupt nicht als "macho". Er ist halt ein Mann, der seine Gitarre liebt... Recht hat er, "Lucille" ist wunderschön! Ich liebe meine Gitarre zwar auch, getauft habe ich sie bisher allerdings nicht...

Carina: Das Konzept "Girls with Guitars" rüttelt ja nicht nur etwas an diesem "maskulinen Image", sondern mag für sich schon eine Provokation sein. Zählen die kurzen Röcke auch dazu?

Dani: Wir stylen uns schon gerne auf! Besonders für die größeren Hallen. Aber das ist einfach professionell. Man möchte dem Publikum eine gute Show bieten und da geht man nicht einfach in Jeans, ollen Turnschuhen und Kapuzensweater auf die Bühne – auch wenn wir das im Tourbus tragen! (lacht) Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Joe Bonnamassa und Oli Brown tragen auf der Bühne ja auch Anzug mit Schlips und sehen wie aus dem Ei gepellt aus.

Ansonsten mag es schon sein, dass wir die Vorstellung des Blues als "Männersache", die manch einer haben mag, ein wenig unterminieren. Im Blues gab es aber schon immer bedeutende Frauengestalten – Ma Rainey, Lucille Bogan, Bessie Smith, Bonnie Raitt, Deborah Coleman, Susan Tedeschi... Und jetzt eben The Girls with Guitars... Der Blues war nie wirklich ein reines Männergenre.

Dani Wilde

Carina: Wie kamst du eigentlich ursprünglich zur Gitarre?

Dani: Ich habe mit elf angefangen, Musik zu machen – aber am Schlagzeug! Es war halt so, dass alle meine Freunde Noten lesen konnten, nur ich nicht. Ich dachte, Schlagzeug wäre da einfacher. Ich war zwar an Ende nicht übel, aber als ganz so leicht stellte es sich dann doch nicht heraus! (lacht) Immerhin habe ich so ein solides Fundament für mein Rhythmusgefühl entwickelt.

Verglichen mit Gesang und Gitarre fehlte mir aber das echte Talent; mag sein auch die Leidenschaft. Irgendwann halt fing mein kleiner Bruder an, Gitarre zu lernen. Es kam dann so, dass ich ihm alles zeigte, was ich am Schlagzeug drauf hatte und er brachte mir dafür die drei Akkorde E, A und H7 bei. Und dann tauschten wir die Instrumente!

Carina: Ist der Blues die wesentliche Farbe auf deiner Palette?

Dani: Nun, der Blues ist gleichzeitig meine musikalische Grundlage und auch die meines Gitarrenspiels. Als meinen größten Einfluss würde ich Albert Collins bezeichnen, der übrigens, genau wie ich, eine Tele mit Capo im fünften Bund spielt, und auch nur mit Daumen und Fingern spielt – ohne Pick. Aber wichtig sind mir natürlich auch Buddy Guy, John Lee Hooker und Peter Green.

Was Songwriting und Gesang angeht, orientiere ich mich allerdings eher an Soulmusikern, wie Stevie Wonder, Sam Cooke, Al Green und Jackie Wilson. So haben Chess, Motown und Stax einen gehörigen Einfluss auf meinen Sound. Auf "Juice me up" kann man das ganz gut hören, glaube ich. Ach ja, natürlich gibt es auch Einflüsse aus dem Rock – von Little Richard bis hin zu den Stones.

Dani Wilde - "Juice me up"

Carina: Stehst du für die "neue Generation" unter den Bluesmusikern? Inwieweit fühlt diese sich noch verwurzelt im schwarzen Amerika?

Dani: Ich finde es wichtig, dass auch die jüngste Generation der Blues- und Soulmusiker das Gefühl dafür nicht verliert, wo der Blues herkommt, und den Respekt davor behält. Egal wie sehr sich der Blues als Genre und Kultur weiterentwickelt hat, er wurzelt in einer langen Tradition der Sklaverei und des Leidens.

Und diese Wurzeln, das vergessen heute viele, liegen gar nicht weit in der Vergangenheit. Man muss sich nur vor Augen halten, dass noch BB King, der ja immer noch tourt, auf einer Baumwollplantage geboren wurde, inmitten himmelschreiender Diskriminierung.

Von den Themen her ging es im Blues von Anfang an um Beziehungen, Leid, Trauer und Sex. Damit können wir heute immer noch etwas anfangen. Jeder kann das. Es ist egal, ob du schwarz oder weiß bist, ob du Amerikaner, Brite oder Deutscher bist – wenn dein Baby abgehauen und du abgebrannt bist, wenn du sowas durchgemacht hast, dann kannst du das nachvollziehen.

Ich schreibe inzwischen über alle möglichen Themen die nicht gerade typisch sind für den Delta oder Chicago Blues. Der Blues wird für mich zwar immer untrennbar mit dem schwarzen Amerika verbunden sein, aber er hat sich als Genre weiterentwickelt. Und auf meiner neuen Platte singe ich über alles – von den Tumulten, die vor kurzem in London waren, bis hin zu den Kindern in den Slums von Kenia, mit denen ich arbeite.

Dani Wilde

Carina: Richtig, du bist in Hilfsprojekte für Afrika involviert. Erzähl doch bitte mal ein wenig darüber.

Dani: Während meiner Tourneen betätige ich mich als Fund Raiser, um kenianischen Kindern eine Schulbildung zu verschaffen. Ich arbeite dafür zusammen mit einer Wohltätigkeitsorganisation namens "Moving Mountain", die Schulen und Bibliotheken errichtet und sich auch um Wasserversorgung kümmert.

Ich stelle damit sicher, dass zweitausend Kinder in den Slums, mit denen ich zurzeit arbeite, die Mittel zum Lesen und Schreiben bekommen, dass sie Sportgeräte haben, Werkzeug und Musikinstrumente und dass sie unterrichtet werden.

Die Armut, die diese Kinder tagein, tagaus erdulden müssen, ist schockierend. Mit Hilfe meiner Fans und weiterer Unterstützer können wir das ändern und ihnen die Chance bieten, aus ihrer Situation heraus zu kommen!

Carina: Du wirst von Fender und Rotosound unterstützt. Was macht eine Telecaster mit schweren Nickelsaiten für dich zur idealen Bluesgitarre? Musstest du nach "deinem Sound" suchen, oder war er von Anfang an da?

Dani: Meinen Sound habe ich über Jahre entwickelt und verfeinert. Die Telecaster habe ich aber schon immer geliebt. Sie passt zu mir und ich kann damit mein "Albert-Collins-Ding" machen – du kannst das gut bei dem Song "Mississippi Kisses" hören. Wenn ich mit den Fingern spiele, hat die Tele den Biss, um sich durchzusetzen und bringt die ganze Energie und die Seele rüber.

Manchmal spiele ich auch eine Gibson 335; die macht mir als Instrument auch sehr viel Spaß. Stuart Dixon, der in der Band von Eddie Floyd ist und sowohl auf meiner neuen Platte Gitarre spielt als auch Teil meiner Liveband ist, hat mich im Studio auf ein neues Effektgerät gebracht – das "Love Muffin"-Pedal.

Das klingt einfach unglaublich, vor allem in Verbindung mit meinem 1970er Fender "Super Reverb". Das ist mein Lieblingseffektgerät zur Zeit – im Augenblick verwende ich kein anderes. Es klingt fett und organisch, hat prima Obertöne und ich bekomme damit genau den Overdrive auf der Gitarre hin, nach dem ich schon immer gesucht habe.

Dani Wilde

Carina: Auf dem Cover von "Juice me up" bist du mit einer Gitarre abgebildet, die aussieht wie eine ES, aber keine ist.

Dani: (lacht) Das ist eine "Hondo" von 1970! Die lag schon seit Ewigkeiten im Haus meiner Eltern rum. Letztes Jahr habe ich ein paar ganz tolle handgewickelte Pickups reinmachen lassen und jetzt klingt sie phantastisch. Live spiele ich sie abwechselnd mit meiner Tele.

Carina Prange

CD: Dani Wilde - "Juice me up" (Ruf Records Ruf 1176)

Dani Wilde im Internet: www.daniwilde.com

Ruf Records im Internet: www.rufrecords.de

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2012
erschienen: 9.9.2012
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