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Fred Wesley - "Folge dem Funk"

Posaunist Fred Wesley ist nicht weniger als eine Legende. Der 1943 in Mobile, Alabama, USA, geborene Vollblutmusiker sammelte bereits in den sechziger Jahren erste Erfahrungen mit Jazz-Ikone Count Basie und spielte im weiteren Verlauf des Jahrzehnts schließlich als fester Teil der Bläsersektion in der Band von keinem geringeren als dem Godfather Of Funk – James Brown.

Fred Wesley

Zusammen mit Brown und George Clinton, Bootsy Collins, Maceo Parker und Pee Wee Ellis gilt Fred Wesley bis heute als einer der Erfinder dessen, was wir heute fast beiläufig als "Funk" kennen.

Die Freundschaften aus jenen Jahren setzten sich bis in die Gegenwart fort. Auf unzähligen Produktionen anderer Künstler agierte Wesley mal als Songschreiber, mal als Arrangeur, war vor und hinter den Reglern federführend, spielte Posaune oder war einfach nur Inspiration oder Ideengeber. Seine durchweg erfolgreichen Solo-Alben liebäugelten zwar immer mit Jazz, waren jedoch stets in tiefen Funk getränkte, konzeptionelle Meisterwerke voller Harmonie, Melodie und Soul. Und immer wieder unwiderstehlichem Groove.

In den letzten Jahren feierte Fred Wesley eine kleine Renaissance seiner Musik und beeindruckte insbesondere durch seine unzähligen Konzertreihen auf internationalen Bühnen. Auf seinem neuesten Longplayer, "With A Little Help From My Friends", der mitnichten, wie man vom Albumtitel ableiten könnte, eine Beatles-Hommage ist, zeigt er einmal mehr, dass sein Spiel zwar technisch gesehen Jazz ist, seine Musik jedoch eher dem Funk, ja sogar dem Soul zuzuordnen ist.

Dr. Chuck sprach als Gastredakteur für Jazzdimensions mit Fred Wesley

Dr. Chuck: Meine Güte, Fred, so ein erstklassiges, funkiges neues Album. Wie bekommst Du das nach all den Jahren noch so hin? Bei allem Respekt, wir sind ja nun beide keine Zwanzig mehr…

Fred: Na eben "with a little help from my friends"! (lacht) Nein, ehrlich, sie waren alle mit wehenden Fahnen dabei, Maceo Parker, Pee Wee Ellis, Dwayne Dolphin und Peter Madsen, Bruce Cox... Alle haben Songs geschrieben und ein wenig mitgeholfen. Einer schrieb die Musik, ein anderer die Texte dazu, und so weiter. With a little help from my friends, wirklich…

Fred Wesley

Dr. Chuck: Was mir, fast unnötig zu erwähnen, am neuen Album auffällt - überhaupt auch, seit ich dich von Platten, CDs und von Live-Konzerten kenne – dass Du deine Musik wirklich liebst. Dass man dir ehrlich anmerkt, dass Du es liebst, dein Instrument, die Posaune, zu spielen!

Fred: Das tue ich wirklich! Ich liebe aber auch die Musiker, mit denen ich spiele. Für das neue Album hatte ich bereits einige Stücke im Hinterkopf, die ich machen wollte. "Spring Like" etwa mit Pee Wee Ellis oder den Maceo Parker-Tune "Homeboy". Für die meisten anderen entschied ich mich dann spontan.

Ich hatte mal einen Song für Josh Dolgin arrangiert, "Beautiful", den ich so mochte, dass ich ihn nun selbst aufnehmen wollte. Jeder meiner Freunde steuerte etwas bei. Deshalb nannte ich ja schließlich das Album auch so, "With A Little Help From My Friends"! Es ist zugleich meinen Freunden gewidmet. Der Titel hat also absolut nichts mit dem gleichnamigen Beatles-Song zu tun… (lacht)

Dr. Chuck: Das Album hat einen wunderschönen Flow, wie wir ihn eben nur von dir kennen.

Fred: Danke. Joachim Becker, mein Produzent, und ich, wir setzten uns gemeinsam hin, um für "With A Little Help From My Friends" den perfekten Flow zu bekommen. Das war uns beiden sehr wichtig.

Fred Wesley - "With A Little Help From My Friends"

Dr. Chuck: Ein weiterer deiner langjährigen Freunde und musikalischen Pendants ist ebenfalls einer der bemerkenswerten Gäste auf dem neuen Album – Nils Landgren

Fred: Nils ist ein großartiger Posaunist. Man sagt, es gäbe keinen Funk in Schweden – falsch! Nils ist ein super Posaunist, wir kennen uns bereits eine ganze Weile. Ich habe einige Stücke für ihn geschrieben. An dem Tag, an dem ich diesen einen Song aufnahm, war Nils zufällig in der Stadt, kam vorbei und spielte direkt mit – so entstand "Swedish Funkballs".

Dr. Chuck: Gibt es ein Geheimnis, wie Du erfolgreich ein neues Studioalbum angehst?

Fred: Als erstes muss man mal ein Konzept im Kopf haben – auf meinem nächsten Album wird es beispielsweise Original-Songs geben, die ich selbst über die Jahre geschrieben habe. Anschließend folgt man diesem Konzept Schritt für Schritt. Und am Ende kommt ein Album wie "With A Little Help From My Friends" heraus.

Dr. Chuck: Das heißt also, dass Du schon konkrete Pläne für ein Album nach diesem hast?

Fred: Ja. Das kommt natürlich auch darauf an, wie gut dieses Album laufen wird. Und wie lange es vorhält, auf der Bühne und so weiter. Aber es werden alles Original-Songs aus meiner Feder sein.

Fred Wesley

Dr. Chuck: Wie macht man ein gutes Album? Was braucht es, ein richtig gutes, konzeptionell funktionierendes Album auf die Beine zu stellen?

Fred: Ich folge immer meinem Herzen. Was sich so anfühlt, als würde es ein gutes Album werden, dem folge ich. Ich mache immer nur das, von dem ich denke, dass es richtig ist. Manchmal liege ich natürlich auch daneben. Ich bekomme gelegentlich auch mal Vorschläge von Produzenten oder vom Label. Aber grundsätzlich bleibe ich bei meinem Instinkt. Was sich richtig anfühlt, ist auch richtig.

Dr. Chuck: Woher kommt dieser Funk, diese Coolness und dieses Volumen, das du in dein Spiel und in deine Musik legst? Ist das Talent, eine Gabe…?

Fred: In meinen Anfängen habe ich immer versucht, wie ein anderes Instrument zu klingen. Ich spielte in unzähligen Bands den Gesangspart, die Gitarre, das Saxophon – alles auf meiner Posaune. So habe ich gelernt, wie man das Instrument spielt, sodass es sich wie ein anderes anhört. Ich denke, das ergibt als Posaunist einen ganz eigenen, persönlichen Stil.

Dr. Chuck: Faszinierend. Du bist insbesondere live ein "Powerhouse". Seit Jahren sieht man dich immer und immer wieder auf den Bühnen dieser Welt. Allerdings gehst du auch – ich denke das darf ich sagen –, stramm auf die 70 zu. Wo nimmst Du all diese Energie her, die mir auch jetzt im Gespräch mit dir auffällt?

Fred: Du würdest dich wundern! Es wird immer härter und härter. Die Musik gibt mir aber die Kraft und die Energie. Wenn ich mich müde oder abgeschlafft fühle, brauche ich nur die Bühne zu betreten. Die Musik gibt mir Energie. Und natürlich auch mein Publikum. So lange es Musik gibt, und solange es ein Publikum gibt, werde ich weitermachen!

Fred Wesley

Dr. Chuck: Das glaube ich dir aufs Wort. Ich spiele selbst Saxophon, wenn auch nicht halb so gut wie Du deine Posaune, und ich finde das Spielen selbst physisch recht anstrengend.

Fred: Ja, das ist es auch. In den letzten Jahren hatte ich dazu Probleme mit einer Entzündung an meiner Oberlippe, die einfach nicht verschwinden wollte. Ich konnte nur "fast so" wie immer spielen. Mittlerweile habe ich das Problem aber in den Griff bekommen. Ich spiele ja seit 1976 dasselbe Instrument und weiß sehr genau, wie sich was anfühlen sollte.

Dr. Chuck: Du machst Witze?! Und ich dachte, du hast das Studio voller verschiedener Posaunen…

Fred: Ja, ich habe natürlich noch eine andere, die ich ab und zu spiele, und ich habe eine große Posaune, die ich für Big Bands benutze. Aber grundsätzlich spiele ich dieses eine Instrument seit 1976. Ich habe es natürlich viele Male überarbeiten lassen. Ich suche allerdings tatsächlich zurzeit ein neues Horn, kann allerdings keines finden, das so gut wie das hier klingt. Aber ich werde weiter danach suchen.

Dr. Chuck: Du bist nun schon viele Jahre dabei, in denen Du dir nur selten eine Pause gegönnt hast. Es läuft schon eine lange, sehr lange Zeit gut für Dich…

Fred: Ja, es geht schon eine ganze Weile sehr gut. Es gab natürlich auch mal Rückschläge. Musikalisch mache ich aber unbedingt weiter und folge der Musik, folge dem Funk…"

Dr. Chuck: ...wie dein Weggefährte, Funk-Ikone Bootsy Collins sagen würde. Ich habe ihn mal vor Jahren interviewt, und ich schwöre, jedes dritte Wort war "FOOONK"!

Fred: (lautes Gelächter) ... yeah - you gotta be funky!

Dr. Chuck

CD: Fred Wesley - "With A Little Help From My Friends" (BHM Productions BHM 1049-2)

Fred Wesley im Internet: www.funkyfredwesley.com

BHM Productions im Internet: www.bhmproductions.com

Fotos: Pressefotos

© jazzdimensions 2010
erschienen: 6.12.2010
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