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W4C - "Im Auftrag des Herrn unterwegs"

Seit zwölf Jahren sind die drei HipHopper Danny Fresh, Ruben und Peter Pan als "W4C" bandmäßig aktiv – den jugendlichen Elan und Biss haben sie immer noch. Konsequent heißt auch ihr aktuelles Album "Immer noch". Mit dancefloor-erschütternden Grooves, hintergründigen Lyrics und offensiv vertretener, klar christlich-menschlich ausgerichteter Lebenseinstellung kommt das Mannheimer Trio bei jungen Leuten gut an.

W4C: DJ Peter Pan

Die Wertvorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Bildung, Verständnis wurden einst von der Gruppe "Zulu Nation" als Lebensgrundsätze des HipHops festgeschrieben. Die Besinnung auf diese Ursprünge nennen "W4C" eine Herzensangelegenheit...

Carina Prange sprach mit DJ "Peter Pan" und MC Danny von W4C.

Carina: HipHop und politisches bzw. soziales Engagement schließen sich bei euch ja nicht aus. Haben Musiker die Aufgabe, ihrem Publikum auch Werte und Inhalte zu vermitteln?

Peter: Musiker sind, wie alle Menschen die in der Öffentlichkeit stehen, automatisch auch teilweise Vor- und Leitbilder, ob sie das wollen oder nicht. Folglich hat man als Musiker in jedem Fall die Verantwortung für das was man sagt und tut, da dies in jedem Fall Auswirkungen auf Andere hat. Warum also nicht, neben Spaß und Liebe zur Musik, auch Werte vermitteln?!

Ich bin ja neben der Bühne auch viel an Schulen unterwegs und gestalte dort als eine Art "Special Guest" dann den Musikunterricht – dort wird mir aufgrund meiner Jobs als Musiker natürlich ganz anders zugehört als einem Lehrer. Also nutze ich dieses Privileg gerne, um, wie gesagt, Werte zu vermitteln und auch echte Tabuthemen anzusprechen.

Danny: Vorgeschobene Bereiche wie Sex, etc. stellen heutzutage dabei kein wirkliches Tabu mehr dar; sie werden lediglich zu kommerziellen Zwecken noch als solches bezeichnet. Familie, echte Freundschaft und Glauben, das sind mittlerweile wirkliche Tabuthemen. Wer traut sich denn heutzutage schon, von diesen Gebieten wirklich greifbar und ehrlich zu sprechen?

W4C: MC Danny Fresh

Carina: Von eurer Single "Respect" sind im Rahmen der Zusammenarbeit mit der "Aktion Mensch" etliche Remixe angefertigt worden. Wie kam es zu dieser Idee mit dem Remixing, was haltet ihr generell vom Remixing und welche Kriterien muss eurer Meinung nach ein guter Remix erfüllen?

Danny: Wir wollten einfach eine Möglichkeit schaffen, wie auch Dritte sich kreativ an unserer Single beteiligen können. Es gibt so viele ungeförderte Talente da draußen. Geld haben wir leider keines, welches wir weitergeben könnten, also wollten wir, anstatt sich damit zu entschuldigen, nicht über die nötigen Förderungsmittel zu verfügen, die Möglichkeiten, die wir haben, nutzen, um zu supporten.

Das Ergebnis war unglaublich! Dutzende hammerdicke Remixes wurden eingeschickt, was die Auswahl der Gewinner-Tracks erschwerte. Gewonnen haben dann letztendlich drei der innovativsten Remixes, also die, welche neben einer guten Produktion mit einer besonderen Idee aufwarteten.

Peter: Im Endeffekt ist das meiner Meinung nach das Wichtigste bei einem guten Remix: er sollte die Vorlagen integrieren, aber trotzdem etwas vollkommen Eigenständiges darstellen. Dann macht auch das Anhören Spaß und stellt eine Abwechslung dar – so kann man im Endeffekt mit ein und demselben Song mehrere Geschmacksrichtungen abdecken!

Carina: Von dir, Peter, gibt es einen interessanten Aufsatz zum Thema "HipHop verstehen" – über die Grundsätze der Zulu Nation und die vier Elemente der HipHop-Kultur. Wieweit besinnt ihr euch selbst auf diese Roots?

Peter: Ein Zitat von Alt-Bundespräsident Johannes Rau trifft den Nagel auf den Kopf: "Wer nicht weiß woher er kommt, kann auch nicht wissen wohin er geht!" Wir wollen die HipHop-Kultur im Bewusstsein auf ihre sozialen Wurzeln leben. Im Ursprung diente HipHop nicht sich selbst, sondern war ein Medium um anderen zu dienen.

Carina: Gibt es ein Interesse bei den Jugendlichen, sich ebenfalls wieder diesen Roots zuzuwenden, sozusagen in Form eines "Ehrenkodexes"?

Pater: Ich glaube, dass HipHop wieder an diesen Punkt kommen kann und wir wollen gern mit unserer Musik und der Seminararbeit im Glauben an eine Renaissance der Werte und eines neu belebten "Ehrenkodexes" darüber hinaus einen Beitrag dazu leisten.

W4C: Danny (li.) und Peter (re.)

Carina: Gesungen wird auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Geht das Publikum da mit? Hat sich aufgrund der deutschsprachigen Bands etwas im deutschen Musikmarkt verändert?

Danny: Na, ich hoffe doch, dass sich da was verändert hat – und hoffentlich nicht nur im deutschen Musikmarkt, sondern auch in den deutschen Köpfen! Wir leben in einem Land, welches einmal kulturell und lyrisch äußert wertvolle Schätze hervorgebracht hat und es wird Zeit dieses Erbe wieder aufzugreifen. Liebe zur eigenen Kultur darf nicht mehr mit Rechtsradikalismus missverstanden werden.

Englische und spanische Textparts sind sprachliche Einflusse unseres Sängers Ruben, der als Spanier in amerikanischen Army-Kasernen aufgewachsen ist – die Hauptrolle in unseren Texten spielt jedoch unsere Muttersprache und die ist eben deutsch. In welcher Sprache sonst könnten wir uns authentischer und sprachgewandt ausdrücken!? Da wir eine Band sind, die nicht nur versucht, eingängige Musik zu machen, sondern auch auf lyrischer und aussagekräftiger Ebene zu bestechen, ist es ein angenehmer Nebeneffekt, dass durch das Texten auf deutsch unsere Liedtexte auch verstanden werden können – was wir durch das Abdrucken der Texte im CD-Booklet nochmals unterstützen.

Carina: Wenn man über den großen Teich in die USA guckt, dann sind christliche Bands dort häufig mit ziemlich "fundamentalistischem" Ansatz unterwegs. Wie kann man sich da abgrenzen? Seht ihr euch auch u.a. als Missionare?

Peter: Wir würden uns gar nicht als "christliche Musiker" bezeichnen, das steckt einen als Künstler nur unnötig in eine Subkultur-Schublade, die wir ohnehin nicht abdecken. Wir machen unsere Musik, weil wir sie lieben und wir leben unseren Glauben, weil er unsere Lebenseinstellung ausmacht. Logischerweise fließt diese, ich sag mal "Weltanschauung", auch in unsere Musik ein – aber deswegen geht es trotzdem nicht in jedem unserer Songs um Glaubensthemen!

Ein Album sollte meiner Meinung nach viel eher einen guten Lebensquerschnitt darstellen und dazu gehören eben ganz unterschiedliche Themen wie neben Spaß und um-die-Häuser-ziehen auch Punkte wie Schwermut oder Kampf. Genauso auch klassische Themen wie die Liebe oder Freundschaft – Gott da außen vor zu lassen wäre schlicht und einfach unehrlich, denn schließlich spielt er doch in unserem Leben die zentrale Rolle! Daher: "Missionare" – nein! Dagegen aber Menschen die gerne von ihren positiven und persönlichen Erfahrungen mit einem liebenden Gott berichten – ja!

W4C: Ruben

Carina: Wenn man es mal überzogen sagt, seid ihr Sozialarbeiter und Musiker – Helfer und Vorbilder. Woher schöpft ihr die Energie, all dem gerecht zu werden?

Danny: Das frag ich mich manchmal auch!

Peter: Ich glaube unsere Verwurzelung in den Glauben an Jesus, mit all dem was er vorgelebt hat, stellt mit Sicherheit die größte Energiespritze dar. Wir streben nicht irgendeinem Ideal nach, sondern versuchen lediglich nachzuleben, was bereits vorgelebt wurde! Viele, die sich gläubig nennen, reden viel, tun aber nichts. Ich will dagegen lieber "Täter des Wortes" sein und nicht nur ein passiver Redner. Dabei sind wir uns aber natürlich auch jederzeit unserer Schwächen bewusst – wir können's zwar nicht besser, versuchen es aber trotzdem. Und immer öfter klappt es auch!

W4C - "Immer noch"

Carina: Danny, wie sehen die Stories hinter den Songs "Gott Sei Dank", und "Tanzbeinpolitik" auf "Immer noch" aus?

Danny: "Gott sei Dank" ist eine sehr persönliche Danksagung an Gott. Es gibt immer die Möglichkeit, Dinge negativ zu betrachten – genauso kann man seinen Fokus aber auch auf die guten Dinge im Leben richten, was dein Leben komplett anders ausrichtet. Natürlich passieren einem trotzdem beschissene Sachen, aber Dankbarkeit ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, den wir in unserer aktuellen Gesellschaft leider zu oft aus den Augen verlieren! Auch ich kämpfe in meinem Leben immer wieder darum, meinen Fokus in Richtung Licht und nicht nur auf das Negative zu richten!

"Tanzbeinpolitik" ist unser politisches Statement zur aktuell gelebten Praxis. Deutschland ist ein Musterbeispiel in Sachen Spaßgesellschaft, die dabei dringend aufpassen muss, nicht tanzend zu Grunde zu gehen. Mal sehen wo der politische Kurs hierzulande hinsteuert, wenn wir im Herbst Neuwahlen haben – es bleibt spannend! Fakt ist in jedem Fall, dass die Zeit für ein Sich-dem-Strom-Anpassen vorbei ist und kein "Ich interessiere mich nicht für Politik!" mehr als Ausrede für Passivität gelten gelassen werden kann.

Carina: Was ist überhaupt das Besondere am Texten im Bereich HipHop und Rap? Wie sieht ein guter Text aus?

Danny: Zuerstmal ist das besondere die Menge an Text. Im Vergleich zu einem einfachen Popsong brauchst du für einen Rap ungefähr die zehnfache Menge an Text. Ich denke, das Besondere an HipHop ist, oder, in Anbetracht der momentanen Deutsch-HipHop Situation eher "sollte sein", dass du dazu aufgefordert bist, dich textlich nicht nur auf bestimmte Themen zu limitieren. Es kann und soll um Politik, Party, Liebe, Hass, Battle und Einheit gehen. All das sind relevante Themen. Es geht darum die Zuhörer an deinem Leben teilhaben zu lassen, auch wenns manchmal etwas hart rüberkommt.

Was für mich gar nicht geht, ist sich als MC Texte schreiben zu lassen. Ist vielleicht ein wenig eigenartig, wenn man bedenkt, dass ich Texter für andere Sänger bin. Aber für mich wäre das definitiv nichts. Ein guter Text greift die Geschichte auf, die die Musik schon von sich aus erzählt. Ein guter Text ist, als würde sich der Künstler grade mit dem Zuhörer unterhalten – und nicht wie Vortrag! Ein guter Text fasst genau das in Worte, was du schon immer sagen wolltest und irgendwie nicht auf den Punkt gebracht hast.

Carina Prange

CD: W4C - "Immer noch" (SPV 78232)

W4C im Internet: www.w4c.info

Fotos: www.w4c.info

 

© jazzdimensions2005
erschienen: 16.7.2005
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