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Franz Kasper - "Musikalischer Querdenker"

Sänger, Pianist und Komponist Franz Kasper hat nach seinem vollständig im Alleingang eingespielten Erstling "The Free Wheeling Franz Kasper" nun eine neue CD aufgenommen, diesmal mit seiner Band "The Violin Violence". Mit "The New Rocking Chair" liefert er ein Werk ab, dass in so gar keine Schublade passen will - jedoch bereits beim ersten Hören begeistert. Nach dem Genuß beider seiner CDs war mir klar: "A Star Is Born" - und damit die CD-Produktion nicht ins Stocken gerät hier mein Aufruf: Quer denken - Franz Kasper hören!

Frank Kasper

Am Rosenmontag traf Rainer Voss den Kölner Karnevalsflüchtling Franz Kasper in Berlin.

Rainer: Ein Blick zurück: Deine vor einem Jahr erschienene Debüt CD heißt "The Free Wheeling". Stand da Bob Dylan Pate, oder Gilbert Shelton mit seiner Comic-Figur "Free Wheeling Franklin"?

Franz: Die Comic-Figur kenne ich gar nicht, es war schon tatsächlich Bob Dylan. Dessen Platte kannte ich zwar, ehrlich gesagt, zunächst auch nicht. Aber ich fand, unabhängig davon, dass es den Titel schon mal gibt, ist "The Free Wheeling" ein guter programatischer Titel. Einen Bezug zu Dylan, in musikalischer Hinsicht, gibt es nicht. Vielleicht mag es deshalb ein bisschen vermessen wirken, aber dadurch, dass unsere Musik so unterschiedlich ist, kann man es trotzdem machen.

Rainer: Sänger - Beruf oder Berufung? Oder anders gefragt: Du hast als zweites "Instrument" die Stimme gewählt, weil es schon reicht das Piano immer mitzuschleppen...?

Franz: Ja, wahrscheinlich schon. "Berufung" ist vielleicht gar nicht so schlecht ausgedrückt. Früher habe ich in Rockbands meine eigenen Stücke gespielt und gesungen. Da kam öfter mal die Kritik: Das wäre´s ja wohl noch nicht! Das ist eine Sache die sehr persönlich ist, wenn jemand deine Stimme kritisiert. Normalerweise ist dann die Reaktion: Ich werde nie mehr Singen!

Franz Kasper

Rainer: Das geht an die Substanz. Das ist schlimmer, als wenn jemand sagt: Du bist ein schlechter Autofahrer.

Franz: Oder ein schlechter Pianist! Diese Kritik ist, verglichen mit dem des Gesangs, nicht so schlimm. Ich habe das andere dann einfach abgeblockt und immer weiter gesungen - bis irgendwann die Leute das eher positiv hervorgehoben haben. Anscheinend wußte ich schon, dass das sein muss. Es ist auch das Richtige, wenn man Songs schreibt. Die selber zu singen ist eine wichtige Sache.

Rainer: Du schreibst und arrangierst deine Stücke selbst. Wann, wo, wie bzw. woher kommt die Inspiration dazu?

Franz: Das hat sich ein bischen geändert. Früher habe ich mich bewusst ans Klavier oder die Gitarre gesetzt und Songs geschrieben, also mit der Musik angefangen. Jetzt geht es immer mehr in die Richtung, dass ich mich gar nicht bemühe. Manchmal liege ich im Bett und dann kommt eine Idee und ich denke: Ach, ich hab´ jetzt eigentlich gar keine Lust. Dann denke ich aber, na gut!, und stehe auf und schreibe das dann schnell mal hin. Oft fängt es mit Texten an, die eine Rhythmik und Melodie ja schon implizieren. Das Arrangieren ist dann eher ein handwerklicher Aspekt.

Rainer: Du singst deine Texte auf Englisch. Ist Deutsch zu "unkommod" zum Singen oder wegen des potentiell größeren Publikums?

Franz: Die Frage impliziert eine Entscheidungsmöglichkeit. Als hätte ich jemals überlegt: Singe ich deutsch oder englisch? Das war natürlich nicht so. Ich habe mich nie entschieden. Völlig unreflektiert stand die Sprache fest: Englisch.

Die Idee, daß ich auch deutsch singen "könnte" kam erst viel später. Ich habe das dann auch mal versucht und auf Deutsch auch ein paar Chansons für Iris Lamouyette geschrieben. Wenn ich´s nicht selber singen muß, geht das auch. Aber wenn ich auf Ideen warte und sie kommen, dann sind die immer englisch.

Franz Kasper

Rainer: Die Mitspieler deiner aktuellen CD "The New Rocking Chair", deine Band The Violin Violence" sind mit zwei Geigen, einem Violoncello, Kontrabass und Schlagzeug besetzt. Damit hat das Septett gleich vier Streicher. Einfach nur ungewöhnlich oder unumgänglich?

Franz: Das hat sich aus der ersten Platte entwickelt, die ich schliesslich auch selbst produziert habe. Da habe ich einfach Instrumente genommen wie ich wollte. Ich habe nie Rücksicht darauf genommen, dass das ja mal live gespielt werden muß. Dabei arbeite ich sehr gerne mit Streichern und bin mit der Besetzung sehr froh.

Rainer: Ein Wort zu Anselm Weyer dessen Trompetenspiel mir bei "Please Yourself" so gut gefallen hat?

Franz: Anselm ist auf seine Art irgendwie genial. Er spielt einfach drauflos und ist dabei immer inspiriert. Er hat´s einfach. Man muss ihm auch nie sagen: dies sind die Akkorde, das sind die Changes - er hört es und hat´s sofort drauf!

Rainer: Beim Anhören deiner CD ging mir spontan durch den Kopf: Wow - von dieser Stimme würde ich gerne mal das "Great American Songbook" interpretiert hören. Gibt´s in diese Richtung Ambitionen oder Interessen?

Franz: Hmm... - Ich hatte immer mal wieder überlegt auch mal solche Stücke zu spielen und ins Programm einzubauen. Ich weiß nicht, eigene Sachen waren mir bisher dann doch immer wichtiger. Aber es ist eine Idee...

Rainer: Was liegt bei dir gerade auf dem Plattenteller?

Franz: Mal überlegen... - Gerade habe ich Calexico gehört... (Pause)... und die Beach Boys. Ehrlich gesagt: Ich höre gar nicht so viel Musik!

Rainer: Und deine musikalischen "All Time Heroes" sind?

Franz: Was bei mir konstant durchgeht sind die Beatles. Stand ich darauf - stehe ich immer noch drauf. Und bei Jazz: Gerry Mulligan und Charles Mingus, Hoagie Carmichael...

Franz Kasper

Rainer: Ist die nächste CD-Einspielung schon in Arbeit?

Franz: Genug Songs gibt´s bereits. Die probe ich gerade mit der Band. Aber wie das mit der nächsten CD wird, muss sich noch zeigen.

Rainer: Wann kann man Dich mit der "Violin Violence" on stage erleben?

Franz: Ende März ist der erste Auftritt in Herne, im April dann: Erfurt, Halle, Kassel und Berlin ist noch in Planung.

Rainer: Hast Du schon einen Fan-Club - und wenn Nein, warum nicht?

Franz: Ein offizieller Fan-Club existiert nicht. Aber Leute die regelmäßig meine Homepage besuchen und im Verteiler drin sind, die gibt es schon....

Rainer Voss

Franz Kasper im Internet: www.franzkasper.com

Day Glo Records im Internet: www.day-glo.de

Fotos: Rainer Voss

mehr bei Jazzdimensions:
Franz Kasper - "The new rockin´ chair" - Review - (erschienen: 3.1.2003)
Franz Kasper - "the free wheeling" - Review - (erschienen: 26.1.2002)

© jazzdimensions2003
erschienen: 1.4.2003
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